Die Symptomatik geht jedoch über eine reine Hautmanifestation weit hinaus. Allgemeine Abgeschlagenheit und vor allem quälende Schmerzen im betroffenen Areal können über Wochen und schlimmstenfalls sogar Monate anhalten.
Gürtelrose wird durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV) verursacht. Sie entsteht dadurch, dass bei jedem Menschen, der im Kindesalter Windpocken durchgemacht hat, die auslösenden Viren in den Spinalganglien lebenslang persistieren. Kommt es zu einer lokalen oder systemischen Störung der Infektabwehr, können sie wieder aktiv werden und über die sensiblen Hautnerven in einem oder mehreren Dermatomen erneut die klassischen Windpockenbläschen hervorrufen.
Auslöser einer Gürtelrose können Tumorerkrankungen, Stress im privaten oder beruflichen Umfeld, Jetlag durch Reisen, Schlafentzug oder eine medikamentöse Immunsuppression sein. Mit fortschreitendem Alter kommt es auch durch die Alterung des Immunsystems zu einer allmählichen Abschwächung der Infektabwehr. Dieser Prozess wird als „Immunseneszenz“ bezeichnet. Im Zuge der demografischen Entwicklung in den Industrienationen mit immer mehr älteren und hochbetagten Menschen ist die Immunseneszenz inzwischen sehr weit verbreitet. Entsprechend nehmen auch die Erkrankungszahlen an Gürtelrose zu.
Impfung gegen Gürtelrose
Im Jahr 2013 wurde in Deutschland der erste Impfstoff gegen Gürtelrose zugelassen. Es handelte sich um einen Lebendimpfstoff, der abgeschwächte VZV-Viren in hoher Konzentration enthielt. Der damals unter der Bezeichnung Zostavax® erhältliche Impfstoff hatte eine begrenzte Indikation, da er bei stark immunsupprimierten Patienten nicht angewandt werden durfte. Seine Schutzwirkung gegen Gürtelrose betrug nur etwa 60 % und nahm nach einigen Jahren bereits wieder ab. 2025 wurde der Zostavax®-Impfstoff in Deutschland aus diesen Gründen wieder vom Markt genommen.
Seit Oktober 2017 wurde in den USA ein neuer, rekombinanter Totimpfstoff zugelassen. Er enthält ein gentechnisch hergestelltes Glykoprotein aus der Virushülle zusammen mit einem Wirkverstärker. Im März 2018 folgte auch in Europa die Marktzulassung dieses neuen, unter der Bezeichnung Shingrix® erhältlichen Impfstoffs. Shingrix® wird 2-mal im Abstand von 2–6 Monaten verimpft. Nach Daten des Herstellers beträgt die Schutzwirkung über 90 % und hält circa 8–10 Jahre an.
Entnommen aus MT im Dialog 10/2026
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