Gesundheitspolitik

Innungskrankenkassen fordern Umdenken

GKV zu Unrecht am Pranger?
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Lieferengpässe bei 389 Medikamenten, was tun?
© Corri Seizinger/stock.adobe.com
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Auf strukturelle Fehlentwicklungen und nicht auf die Rabattverträge sind nach Auffassung der Innungskrankenkassen die aktuellen Medikamenten-Lieferengpässe zurückzuführen. Der isolierte Verweis auf die Rabattverträge sei irreführend.  

Laut des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt es bei derzeit über 389 Medikamenten Lieferengpässe (Stand 20.01.23). Die Innungskrankenkassen fordern eine offene und faktenbasierte Diskussion über die Ursachen. Den Kassen werde fälschlicherweise der Schwarze Peter zugeschoben. „Die Rabattverträge sind nicht – wie oft von den Pharmafirmen postuliert und von der Politik angeführt – Ursache für die Lieferengpässe“, so der Verband. 

Fehlende Bevorratung

„Die Lieferschwierigkeiten bei Medikamenten liegen in vielen unterschiedlichen Aspekten begründet“, erklärt Hans-Jürgen Müller, Vorstandsvorsitzender des IKK e.V. „Das Zusammenspiel von globalisierten Produktions- und Vertriebsketten, fehlender Bevorratung und einem sich sprunghaft entwickelnden Krankheitsgeschehen ist komplex. Der isolierte Verweis auf die Rabattverträge ist irreführend. Denn die Lieferengpässe sind ein weltweites Problem, der Anteil der deutschen Rabattverträge am globalen Umsatz ist dagegen aber eher gering“, so Müller. 

Auch Krankenhausbereich betroffen

Mehr Engpässe, gerade bei versorgungsnotwendigen und nicht austauschbaren Arzneimitteln, würden auch den Krankenhausbereich betreffen, obwohl hier die Rabattverträge der Krankenkassen nicht greifen. Zudem seien viele Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig, sondern auch freiverkäuflich seien, ebenso von Lieferengpässen betroffen, so der Vorstandsvorsitzende.

GKV zu Unrecht am Pranger?

In diesem Zusammenhang verwehren sich die Innungskrankenkassen gegen die öffentliche Darstellung, die gesetzlichen Krankenkassen hätten die Lieferschwierigkeiten wesentlich zu verantworten. „Die GKV steht am Pranger, obwohl sie bereits im letzten Jahr Mehrkosten und Rezepturen bei ibuprofen- und paracetamolhaltigen Säften übernommen hat, während man auf politischer Seite noch die Lage sondierte“, weiß Müller. „Die aktuelle Situation der Lieferengpässe wird auf einer ganz anderen Ebene instrumentalisiert, um die andauernden Eingriffe in die bestehenden Selbstverwaltungsstrukturen fortzusetzen“, so der IKK e.V.-Vorstandsvorsitzende. Er warnt: „Wenn die Vorstellung herumgeistert, dass ein staatliches Gesundheitssystem die Lösung ist, dann möchte ich gern auf das Gesundheitssystem unsere britischen Nachbarn verweisen.“

Frühwarnsystems nötig

Der Vorstandsvorsitzende des IKK e.V., Hans Peter Wollseifer, ergänzt: „Die von den Kassen ab Februar 2023 für drei Monate veranlasste Aufhebung der Festpreisbindung von 180 Medikamenten für Kinder in der vergangenen Woche unterstützen die Innungskrankenkassen im Hinblick auf die Versorgung ihrer Versicherten.“ Der Vorstandsvorsitzende verweist auf weitere strukturelle Probleme in der Arzneimittelbeschaffung, die nach Ansicht der Innungskrankenkassen geändert werden müssen. „Wir fordern von der Bundesregierung mehr Schritte in Richtung einer verbesserten Transparenz durch eine frühzeitige, verpflichtende Informationspflicht der Hersteller und eine Etablierung eines Frühwarnsystems für Lieferengpässe“, erklärt Wollseifer.

Arzneimittelherstellung in Europa 

„Darüber hinaus müssen neue Bevorratungsrichtlinien erarbeitet sowie eingeführt und Strafzahlungen bei Nicht-Lieferfähigkeit konsequent umgesetzt werden.“ Des Weiteren würden die Innungskrankenkassen die Rückverlagerung der Arzneimittelherstellung nach Europa sowie eine Diversifizierung von Produktionsstätten begrüßen.

Selbstverwaltung stärker einbinden

Der Geschäftsführer des IKK e.V., Jürgen Hohnl, fasst zusammen: „Die anhaltend schwierige Gesamtsituation zeigt, dass ein Umdenken bei der Arzneimittelbeschaffung notwendig ist. Für die Innungskrankenkassen geht Versorgungssicherheit vor Profitmaximierung und kurzsichtige Sparmöglichkeiten. Wir übernehmen Verantwortung für unser Tun, fordern aber auch Verantwortung von den Unternehmen und von der Politik! In diesem Zusammenhang ist es notwendig, die Selbstverwaltungsstrukturen nicht zu konterkarieren, sondern stattdessen die Selbstverwaltung deutlich stärker einzubinden.“

Weitere Infos:
https://www.ikkev.de/politik/themen-im-fokus/lieferengpaesse-bei-arzneimitteln
https://www.youtube.com/watch?v=fLqw4aa18cY

Quelle: IKK e. V. 
 

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