Medizin

Kann Ernährung von Mutter und/oder Kind Allergien verhindern?

Neue wissenschaftliche Leitlinie
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Muttermilch wird empfohlen
Muttermilch wird empfohlen © Анастасия Стягайло, stock.adobe.com
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Muttermilch ist die von nationalen und internationalen Fachgesellschaften empfohlene Ernährung für Säuglinge. Doch führt dies auch zu einem geringeren Allergierisiko? Eine neue wissenschaftliche Leitlinie 2022 zur „Primären Prävention von Allergien und Asthma“ nimmt dazu Stellung.

Dass sich das Stillen positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind auswirkt ist unstrittig. Aus den wissenschaftlichen Daten lasse sich allerdings nicht ableiten, dass Stillen zu einem geringeren Risiko für Allergien beim Kind führe, so die Wissenschaftler. Dennoch sollten Mütter in ihrem Stillwunsch bestärkt und unterstützt werden. Hierzu nimmt auch die neue wissenschaftliche Leitlinie 2022 zur „Primären Prävention von Allergien und Asthma“ Stellung. Denn die anhaltend hohe Prävalenz allergischer Erkrankungen in westlichen Industrienationen und die eingeschränkten Möglichkeiten einer kausalen Therapie machen laut Leitlinie eine evidenzbasierte Primärprävention notwendig. Die Evidenzsuche für die neue Leitlinie erfolgte für den Zeitraum 06/2013 – 11/2020 in den elektronischen Datenbanken Cochrane und MEDLINE, sowie in den Referenzlisten von aktuellen Übersichtsarbeiten und durch Hinweise von Experten.

Muttermilch empfohlen

Muttermilch sei die von nationalen und internationalen Fachgesellschaften empfohlene Ernährung für Säuglinge. Sie wirke sich positiv auf die Gesundheit von Mutter und Kind aus. Aus den wissenschaftlichen Daten lasse sich allerdings nicht ableiten, dass Stillen zu einem geringeren Risiko für Allergien beim Kind führe. Dennoch sollten Mütter in ihrem Stillwunsch bestärkt und unterstützt werden. Ausschließliches Stillen wird für 4-6 Monate empfohlen und auch mit Einführung der Beikost solle weiter Muttermilch gegeben werden.

Meiden bestimmter Lebensmittel?

Stillende Mütter sollten sich laut Empfehlung ausgewogen und abwechslungsreich ernähren. Das Meiden bestimmter Lebensmittel während der Stillzeit habe keinen positiven Effekt im Hinblick auf die Entwicklung von Allergien beim Kind. Dies gelte auch für Lebensmittel, die häufig Auslöser von Allergien seien, wie Hühnerei, Kuhmilch oder Fisch. Eine hypoallergene Ernährung des Kindes bei Muttermilchersatz auch bei „Risikokindern“ werde nicht empfohlen. Wenn die Ernährung mit Muttermilch nicht gewünscht oder möglich sei, erhalte das Kind eine „normale“ Säuglings-Anfangsnahrung. Früher sei Kindern mit Allergierisiko in diesem Fall eine „hypoallergene“ HA-Nahrung gegeben worden. Es gebe jedoch bislang keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die aktuell auf dem Markt erhältlichen HA-Nahrungen zur Verhinderung des Entstehens einer Allergie geeignet seien. Sie werden deshalb nicht empfohlen.

Getreidemilch kein Ersatz

Soja- Hafer- und andere Getreide“milch“ sei dagegen aufgrund ihrer Zusammensetzung kein Ersatz für Muttermilch. Auch Säuglingsnahrung auf Sojabasis oder sogenannte „Getreidedrinks“ seien nicht zur Verhinderung einer Allergieentstehung geeignet. Milchersatz auf Soja- oder Getreidebasis könnten im Rahmen der Beikost gegeben werden, würden sich aber nicht als ausschließliche Säuglingsnahrung eignen.

Bei Kindern mit einem erhöhten Risiko für Allergien sollte die Beikosteinführung nicht verzögert erfolgen, betonen die Wissenschaftler. Im Gegenteil es gebe sogar Hinweise darauf, dass eine frühe Beikosteinführung (ab dem 4. Lebensmonat) in Hinblick auf eine Prävention von Nahrungsmittelallergien positiv wirke. Inzwischen überholt sei die früher gängige Empfehlung, bestimmte Nahrungsmittel, die als häufige Auslöser von Nahrungsmittelallergien gelten (zum Beispiel Hühnerei, Kuhmilch oder Erdnuss), nicht oder erst verzögert im Rahmen der Beikost zu geben. Es habe sich nämlich gezeigt, dass eine frühe Gabe von potenziellen Allergenen sogar protektiv im Sinne einer Allergieprävention sei. Nur bei Kindern mit schwerem Ekzem sollte vor der Einführung potenter Allergene eine allergologische Diagnostik erfolgen.

Literatur:
Kopp MV, Muche-Borowski C, Abou-Dakn M, et al.:  S3-Leitlinie Allergieprävention - Stand 11. November 2022, AWMF-Registernr. 061-016.

Quelle: idw/GPA

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