Körpereigener antiviraler Faktor gegen HIV?

Angeborener Abwehrmechanismus
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HIV
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Es wurde gezeigt, dass eine effektive Produktion des zellulären Proteins Prothymosin alpha (PTMA) mit einer verminderten Produktion von HIV-1 in den Blutzellen der Patienten korreliert.

Laut Deutscher Aidshilfe lebten Ende 2021 hierzulande rund 90.800 Menschen mit HIV, weltweit sind es etwa 38,4 Millionen Menschen. Noch ist keine Heilung in Sicht. Forscherinnen und Forscher der Ulmer Uniklinik haben mit einer Arbeitsgruppe von Gruppen von Dr. Rasmi Thomas des Walter Reed Army Institute of Research in den USA und Professor Beatrice H. Hahn (University of Pennsylvania, Philadelphia, USA) nun erstmals durch Einzelzellanalysen von Blutproben aus HIV-Patienten einen antiviralen Faktor identifiziert. Die Wissenschaft hat zwar bereits viele antivirale Mechanismen beschrieben, allerdings ist unklar, welche zellulären Faktoren das Humane Immundefizienz-Virus 1 (HIV-1) tatsächlich in Infizierten kontrollieren.

Spielt Prothymosin alpha eine Schlüsselrolle?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten Patientenproben aus der akuten und chronischen Phase der HIV-Infektion. Mithilfe von Einzelzell-Transkriptom-Analysen ergründeten sie, wie die Expression von Genen in den Wirtszellen mit der Menge an viraler RNA in den einzelnen Zellen zusammenhängt. Die Ergebnisse legten nahe, dass das zelluläre Protein PTMA die Transkription und Replikation von HIV-1 einschränkt. Dies konnten die Ulmer Promovenden Alexandre Laliberté und Caterina Prelli Bozzo unter Leitung von Professor Frank Kirchhoff, einem der Leiter des Instituts für Molekulare Virologie am Universitätsklinikum Ulm, in Zellkulturexperimenten und mechanistischen Studien bestätigen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Prothymosin alpha eine Schlüsselrolle in der körpereigenen Abwehr gegen HIV spielt“, erklärt Kirchhoff. Auf lange Sicht könnten sich daraus neue Ansatzpunkte für antivirale Therapien ergeben.

Latente HIV-Infektion von Gedächtnis-T-Zellen ist problematisch

Die Hemmung der HIV-Transkription spielt eine wichtige Rolle bei der latenten Infektion von langlebigen, sogenannten Gedächtnis-T-Zellen. In dieser ruhenden Form ist das Virus für das Immunsystem und Medikamente kaum erkennbar, kann jedoch wieder aktiv werden, wenn die HIV-Therapie unterbrochen wird. Die latente HIV-Infektion von Gedächtnis-T-Zellen stellt daher ein großes Hindernis für die Heilung dar. Die Blockade von PTMA könnte die Aktivierung dieser ruhenden Viren ermöglichen, um sie angreifbar zu machen und Heilungsstrategien zu verbessern.

Zusammenfassung:

  • Laut Deutscher Aidshilfe lebten Ende 2021 hierzulande rund 90.800 Menschen mit HIV, weltweit sind es etwa 38,4 Millionen Menschen.
  • Vor allem die latente HIV-Infektion von Gedächtnis-T-Zellen ist problematisch und ist ein Hindernis für eine Heilung.
  • Eine effektive Produktion des zellulären Proteins Prothymosin alpha (PTMA) korreliert laut Studie mit einer verminderten Produktion von HIV-1 in den Blutzellen der Patienten.
  • Es kann möglicherweise die Transkription und Replikation von HIV-1 einschränken.
  • Eine Blockade von PTMA könnte die Aktivierung der ruhenden Viren ermöglichen, um sie angreifbar zu machen und Heilungsstrategien zu verbessern.

 

Literatur:
Geretz A, Ehrenberg PK, Clifford RJ, et al.: Single-cell transcriptomics identifies prothymosin α restriction of HIV-1 in vivo. Sci. Transl. Med.15, eadg0873 (2023), DOI: doi.org/10.1126/scitranslmed.adg0873.

Quelle: idw/Uni Ulm

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