Weißbuch Lunge erschienen – Alarmierende Zahlen

Deutsche erkranken immer häufiger an COPD & Co
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Weißbuch Lunge mit aktuellen Zahlen
© Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V., Berlin und Deutsche Lungenstiftung e.V., Langenhagen
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Die Deutsche Lungenstiftung (DLS) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) veröffentlichen seit 1996 regelmäßig das „Weißbuch Lunge“. Es stellt die wichtigsten Erkrankungen der Atmungsorgane unter medizinischen, epidemiologischen und ökonomischen Aspekten dar.

Im heute erschienen Weißbuch Lunge zeigen sich alarmierende Zahlen: Alle vier Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an den Folgen einer Lungen- oder Atemwegserkrankung. Das Auftreten von Asthma hat in den vergangenen Jahren um 17 Prozent zugenommen, das von chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) um acht Prozent, Sarkoidose um 26 Prozent, Lungenfibrose um 39 Prozent, Lungenhochdruck um 45 Prozent, von Lungenkrebs um 33 Prozent und von Lungenembolien um 71 Prozent. Das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom, also verminderte Atmung oder Atemstillstände während des Schlafs, verzeichnet sogar einen Anstieg von 92 Prozent. Gleichzeitig sind die langfristigen Folgen der Coronapandemie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einmal genau abzuschätzen.

Homogene Datenbasis

„Erstmals war es uns möglich, eine deutschlandweite, homogene Datenbasis von insgesamt 8,8 Millionen Versicherten für unsere epidemiologischen Analysen zu verwenden. Dies erlaubt uns eine sehr verlässliche und transparente Hochrechnung – mit der jetzt auch die Politik im Zuge der aktuellen Krankenhausreform verlässlich arbeiten kann“, erklärt Professor Winfried J. Randerath, einer der drei Autoren des Weißbuchs und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Das Weißbuch wurde im Rahmen des Pneumologie-Kongresses erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Es fasst – auch für Patientinnen und Patienten – die aktuellen Eckpunkte der häufigsten Lungenerkrankungen in Deutschland zusammen und erklärt in verständlicher Sprache die medizinischen Hintergründe von den Symptomen über die notwendige Diagnostik bis hin zur Therapie.

Wichtige Entscheidungshilfe für die Politik

Grundsätzlich nimmt die Häufigkeit der meisten Lungenerkrankungen zu, teilweise stark. Dies stellt nicht nur die Pneumologie vor enorme Herausforderungen, sondern auch das gesamte Gesundheits- und Versicherungswesen. Mit dem Weißbuch Lunge, das die Deutsche Lungenstiftung (DLS) und die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) gemeinsam herausgeben, kann die Tragweite von pneumologischen Erkrankungen klar verdeutlicht werden – und dies bietet sowohl der Politik als auch dem Gesundheits- und Versicherungswesen eine wichtige Entscheidungshilfe. „Diese transparenten Zahlen gab es in dieser Form und diesem Umfang noch nicht. Sie erlauben zum Beispiel auch eine bessere Kostenabschätzung für den stationären Sektor“, sagt Mitautor Professor Adrian Gillissen, Chefarzt der Medizinischen Klinik III an den Kreiskliniken Reutlingen.

Qualität der Daten verbessert

Auf relativ gleichbleibendem Niveau sind im Untersuchungszeitraum indes die Fälle von Mukoviszidose und Lungenentzündung. Eine Abnahme um sechs Prozent konnte bei der Tuberkulose festgestellt werden (allerdings noch vor der aktuellen Flüchtlingskrise). Speziell für die Tuberkulose konnte auf Daten des Robert Koch-Institutes zurückgegriffen werden. In die umfassende Analyse des Weißbuchs Lunge wurden Daten der Dekade von 2010 bis 2019 einbezogen, anonymisiert zur Verfügung gestellt von der BARMER Ersatzkasse. Sie liefern verlässliche Zahlen darüber, wie häufig die wichtigsten Erkrankungen von Atmungsorganen in Deutschland auftreten – und wie sich deren Verbreitung entwickelt. Das Weißbuch Lunge erscheint seit 1996, zuletzt 2014. „Die Qualität der Daten für die vollständig überarbeitete Auflage des Weißbuches Lunge hat sich gegenüber der Version von 2014 signifikant verbessert, weil noch mehr und detailliertere Datenquellen verwendet werden konnten. Und diese heterogenere Datenbasis belegt eindeutig, dass die meisten Lungenerkrankungen häufiger auftreten“, ergänzt Randerath, Chefarzt und ärztlicher Direktor des Krankenhauses Bethanien in Solingen und Direktor des wissenschaftlichen Instituts für Pneumologie an der Universität zu Köln.

Pandemie-Auswirkungen noch unklar

Um diesen neuen, großen Herausforderungen zu begegnen, ist auch eine exzellente Forschung wichtig. In einem separaten Kapitel widmet sich das Weißbuch Lunge explizit der pneumologischen Forschung, die sich in den vergangenen Jahren erfolgreich weiterentwickelt hat. Mit Blick in die Zukunft sagt Mitautor Professor Berthold Jany: „An diesem Weißbuch haben wir zusammen mit unseren Kooperationspartnern über vier Jahre lang gearbeitet, auch über die gesamte Corona-Zeit hinweg. Die Datenbasis für diese Auflage haben wir bewusst mit dem Jahr 2019 beendet, denn mit dem Start der SARS-CoV-2-Pandemie im Frühjahr 2020 ergeben sich sehr wahrscheinlich noch einmal neue Entwicklungstendenzen, die den aktuellen Trend verstärken könnten. Die tatsächlichen Auswirkungen auf die stationäre und ambulante Versorgung werden wir erst vollständig im nächsten Weißbuch behandeln können. Die jetzt vorliegenden Zahlen bieten dafür einen zuverlässigen Ausgangspunkt“, so der Mediziner, ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.

Literatur:
Adrian Gillissen, Berthold Jany, Winfried Randerath (Hrsg.): Weißbuch Lunge 2023 - Pneumologische Erkrankungen in Deutschland – Zahlen und Fakten. Fünfte neubearbeitete Auflage, 2023, ISBN: 978-3-9817734-7-7.

Quelle: DGP

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