12. Mikrobiologietage 2025 in Wiesloch

Marianne Vetter-Knoll, Christina Haese
Gruppenfoto des Organisationsteams (von links): Waltraud Malms-Fleschenberg, Christina Haese und Marianne Vetter-Knoll
Abb. 1: Das Orgateam, von links: Waltraud Malms-Fleschenberg, Christina Haese und Marianne Vetter-Knoll © DVTA
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Zum 12. Mal fanden die Mikrobiologietage im November statt. Dieses Mal am 14. und 15. November 2025 im Kongresshotel Palatin in Wiesloch.

Das Organisationsteam Waltraud Malms-­Fleschenberg, Christina Haese und Marianne Vetter-Knoll hatten ein umfangreiches und anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Am 14. November wurden die Mikrobiologietage von Marianne Vetter-Knoll eröffnet, eine kurze Begrüßungsrede der Präsidentin L/V des Berufsverbandes DVTA e.V., Christiane Maschek, folgte. Ihr Dank galt den 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, den Referentinnen und Referenten, den Organisatorinnen sowie der Industrie, die mit ihren Ständen eine interessante Ausstellung anboten.

Die Vortragsveranstaltung begann mit Dr. med. Evelyn Heintschel von Heinegg mit dem Thema: „Keine Angst vor Begutachtung“ und sie referierte sehr kurzweilig über die Richtlinien, Qualitätsstandards und Normen. Sie betonte, dass die Richtlinien der Bundesärzte­kammer ein „MUSS“, die Qualitätsstandards ein „SOLL“ und die DIN-­Normen „FREIWILLIG“ seien.

PD Dr. rer. nat. Elvira Richter aus Heidelberg informierte über „TB-Aktuell: Epidemiologie, Diagnostik, Therapie“. Weltweit ist die TB mit mehr als 10 Millionen Fällen zwar konstant geblieben. Aber die Verteilung ist sehr ungleich. Zwei Drittel aller Fälle betreffen acht Länder beziehungsweise Regionen: Indien, Afrika, Russland, Ukraine, Usbekistan, Kasachstan, Türkei und Rumänien! Ausführlich wurde die Diagnostik der TB dargestellt. Zur „klassischen“ Mikrobiologie sind auch die molekularbiologischen Methoden eine wichtige Ergänzung. Die Empfindlichkeitsprüfung ist sehr wichtig, da die Resistenzen immer häufiger werden.

 

Zunehmende Resistenzen bei Pilzen

Nach der Kaffeepause referierte Prof. Dr. med. Jörg Steinmann aus Nürnberg über „Resistenztestung von Pilzen: was, wann, wie?“. Global gibt es bei Candida spp. und Aspergillus fumigatus relativ viele Patientinnen und Patienten, eine hohe Letalität und zunehmende Resistenzraten. Allerdings sollte man bei der Empfindlichkeitsprüfung beachten, dass sie grundsätzlich von allen Isolaten aus primär sterilen Bereichen (zum Beispiel Blutkultur) durchgeführt wird. ­Fluconazol-Resistenzen sind bei Candida albicans, C. parapsilosis und C. tropicalis häufig. Bei C. auris gibt es eine Multiresistenz. Sowohl verschiedene Testmethoden der angezüchteten Pilze, Therapieempfehlungen bei invasiven Infektionen und die Epidemiologie der verschiedenen Candida spp. wurden vorgestellt.

Nach der Mittagspause konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer beim kurzweiligen Vortrag von Prof. Dr. med. Ralf-Peter Vonberg aus Hannover aktiv beteiligen. „Raritäten in der Mikrobio­logie, Fallbeispiele“ war das Thema. Prof. Vonberg stellte sechs ungewöhnliche Fälle aus der Mikrobiologie in einer Doppelstunde vor. Zum Beispiel der erste Fall: ein zwölf Jahre alter Junge aus Paris, der mit Hämaturie und verdickter Harnblasenwand in die Klinik kam. Es bestand keine Auslandsanamnese, er war lediglich mit seinen Eltern in Korsika im Urlaub gewesen. Unter den vier möglichen Antworten A: Gonorrhoe, B: Bilharziose, C: Rifampicintherapie, D: Nephroblastom wählte die Mehrheit der Teilnehmenden die Bilharziose aus.

Ungewöhnlich, aber inzwischen gibt es über 60 Fälle von Bilharziose aus Korsika. Der erste Infektionsort: der Fluss Cavu! Inzwischen sind auch in anderen Gewässern Korsikas die Bilharziose übertragenden Schnecken gefunden worden.

Weitere Fälle waren „Bartonella henselae“, „Malaria tropica“ bei zwei Flughafenmitarbeitern in Frankfurt („Flughafenmalaria“), Wundinfektionen, die vermehrt in einem bestimmten OP-Saal auftraten, wobei nur die Lösung in den Gewebeprobengefäßen mit Pseudomonas aeruginosa verunreinigt war! Eine Wundinfektion bei einem Ostseeurlauber mit Vibrio vulnificus! Der letzte Fall aus Arkansas mit einer Allergie gegen Fleisch (Alpha-Gal Syndrom). Der Mann war von einer Lone-Star-Zecke gestochen worden, diese Zecke hat mit ihrem Speichel das Alpha-Gal-Zuckermolekül übertragen und er hat Antikörper dagegen entwickelt. Alpha Gal kommt auch in rotem, fetthaltigem Fleisch (Rind, Schwein, Lamm und so weiter) vor und dieser Mann hat ein Steak gegessen, das die allergische Reaktion ausgelöst hat.

Herausforderungen bei STD

Zum letzten Vortrag des Tages „Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen“ konnten wir PD Dr. med. Erik Glocker aus Baden-Baden begrüßen. Er informierte sowohl über die Klinik, Therapie und insbesondere die Diagnostik von Gonorrhoe. Die Anzucht der Gonokokken mit Empfindlichkeitsprüfung ist wichtig, da es zunehmend Resistenzen gibt. Chlamydia trachomatis ist der häufigste bakterielle STD-Erreger. Bei über 70 Prozent der Frauen verläuft die Infektion symptomlos, bei Männern sogar bei mehr als 80 Prozent. Der Nachweis erfolgt am besten mit einer PCR. Eine deutliche Zunahme gibt es zum Teil bei Syphilis (Treponema pallidum). Spezielle Antikörpernachweise (ELISA/Blots) FTA-ABS/TPPA, TPHA und Suchteste (ELISA, TPPA, TPHA) und Bestätigungsteste (FTA-ABS, BLOT) sind für die Diagnostik wichtig. Falls positiv müssen Aktivitätsparameter (RPR oder VDRL-Test, IgM ELISA, IgM Blot) angewandt werden.

Im Anschluss an die Vorträge fand die Verlosung aus den richtigen Lösungen des Preisrätsels statt. 42 kleinere und größere Preise konnten für die Teilnehmenden ausgelost werden. Herzlichen Glückwunsch den Gewinnerinnen und Gewinnern! Und wer dieses Mal leer ausging … vielleicht klappt es beim nächsten Mal in Bremen (13. Mikrobiologietage). Um 17.30 Uhr fand dann ein Get-together im Ausstellungsfoyer des Kongresshotels mit „Italienischem Buffet“, Weinen aus der Region und weiteren Getränken statt.

 

Workshops und Mikroskopierkurs am Samstag

Am Samstag, dem 15. November, wurden zwei Workshops und ein Mikroskopierkurs angeboten. Den Parasiten-Mikroskopierkurs leitete Marianne Vetter-Knoll, die auch die Referentin war. Unterstützt wurde sie von Andrea Michelsen, sodass alle Fragen, die beim Mikroskopieren auftraten, direkt am Mikroskop geklärt werden konnten. Die formalinfixierten Proben aus menschlichem Untersuchungsmaterial enthielten alle ein oder mehrere humanpathogene beziehungsweise apathogene Stuhlparasiten, die vor dem Mikroskopieren vorgestellt und besprochen wurden.

Im Workshop „Antibiotika – Testung und Resistenzen“, unter dem Vorsitz von Christina Haese aus München, erhielten die Teilnehmenden einen umfassenden Einblick über die Sensibilitätstestung von Bakterien und deren Resistenzmechanismen. Im ersten Teil hielt Dr. Heintschel von Heinegg von der Uniklinik Essen einen sehr interessanten Vortrag über die Grundlagen. Unter anderem über die Wirkungsweisen von Antibiotika und die Resistenzmechanismen bei Bakterien. Nach einer stärkenden Kaffeepause referierte Dr. Tamara Rügamer von der Uniklinik Köln über Fallstricke beim Ablesen und der Interpretation von Sensibilitätstestungen.

Das Thema des zweiten Workshops am Nachmittag, „Praxisanleitung in der Mikrobiologie, praktische Erfahrungen“, unter dem Vorsitz von Waltraud Malms-Fleschenberg aus Essen wurde von den Teilnehmenden bei den Mikrobiologietagen 2024 gewünscht und auch schon in den Pausen diskutiert. Die Kolleginnen Britta Schlieter und Denise Seckelmann aus Dortmund gaben noch mal eine kurze ­Einführung in die rechtlichen Grundlagen und berichteten im Anschluss über ihre Erfahrungen in Dortmund. Danach referierten Lisa-Marie Wonhas aus Sicht der MTL-Schule der LMU in München und Christina Haese aus dem mikrobiologischen Labor der TUM über ihre Erfahrungen mit der Praxisanleitung (PAL).

Während der Vorträge und im Anschluss hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ebenfalls zu Wort zu kommen und ihre Sichtweisen darzulegen. Die offene Diskussionsrunde war für alle sehr interessant und informativ. Es zeigte sich, dass fast jedes Labor eine andere Vorgehensweise an die Vorgaben der PAL hat. Telefonisch zugeschaltet war auch Christiane Maschek, Präsidentin des DVTA, die leider aus beruflichen Gründen vorzeitig abreisen musste. Wir werden bei den nächsten Mikrobiologietagen das Thema „MT-Ausbildung“ wieder aufnehmen.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die 12. Mikrobiologietage wieder von den Kolleginnen und Kollegen aus der Mikrobiologie sehr gut bewertet wurden und die Wunschthemen soweit wie möglich bei den nächsten Mikrobiologietagen am 6. und 7. November 2026 berücksichtigt werden. Das Programm ist bereits in Vorbereitung.

Entnommen aus MT im Dialog 01/2026

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