Erlebnisse einer MTL

Plötzliches Einspringen
red
Collage mit Medizinsymbolen
© MC Creative/stock.adobe.com
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Es ist Samstagnachmittag. Mein Handy schellt. Eine Kollegin ruft an: „Du, Christel, mir geht es gar nicht gut. Magen-Darm. Ich hab gehofft, es gibt sich, aber es wird von Stunde zu Stunde schlimmer. Ich kann morgen meinen Spätdienst nicht machen.“

Dass das Labor für viele Stunden ohne Besetzung ist, ist ausgeschlossen. Also muss eine Alternative her. Die eine Kollegin hat morgen Nachtdienst und kann deshalb nicht einspringen. Der Kollege mit dem Frühdienst am Sonntag auch nicht. Eine weitere Kollegin ist am Sonntagnachmittag auf einer Taufe, sie kommt auch nicht infrage. Zwei sind in Urlaub. Ich muss Samstagnacht arbeiten. Es bleiben noch zwei Halbtagskräfte, die einspringen könnten. Wie ein böser Bote rufe ich die erste Nummer an. Ich ahne, dass man auf das ­Display schaut und bereits weiß, um was es geht. Und es zeigt wunderbare Kollegialität, trotzdem dranzugehen. Und fürs Einspringen ­zuzu­sagen.

Denn viele sitzen dabei auch noch zwischen zwei Stühlen. Das Labor muss laufen, aber auch das Familienleben sollte nicht zu kurz kommen.

Ob sich die Geschäftsführung eines Krankenhauses eigentlich bewusst ist, dass das Haus nur durch dieses hoch motivierte Engagement am Laufen gehalten wird? Denn einen Anspruch auf dienstlich bedingtes Einspringen hat man nicht. Im Gegenteil, allein das Hinterlegen der privaten Telefonnummer ist keine Pflicht. In vielen Häusern wird jedoch zumindest ein Bonus gezahlt, wenn man ­außerplanmäßig arbeiten muss. Das zeigt Anerkennung des Einsatzes.

Gäbe es denn eigentlich eine Alternative? Selbst wenn Personal aufgestockt würde, bliebe die Situation dieselbe: Wird jemand krank, muss ein anderer aus dem Frei kommen. Oder man benötigt für jede Schicht einen bezahlten Hintergrunddienst. Das wäre finanziell sicher nicht tragbar.

Wir haben gedanklich einmal durchgespielt, was wäre, wenn sich niemand für einen plötzlich nicht besetzten Dienst findet. Im obigen Fall beispielsweise wäre der Spätdienst am Sonntag unbesetzt. Was dann? Muss der Frühdienst bleiben? Oder darf er am Ende seiner Schicht abschließen und gehen?

Die Idee, alle Blutabnahmen zu einem Nachbarkrankenhaus zu schicken, haben wir schnell wieder verworfen. Es sei denn, man würde vorab die Logistik als Notfallplan schriftlich festhalten: Info an alle Abteilungen, regelmäßige Fahrten, manuelle Labor-Anforderungskarten, da kein außenstehendes Labor die Barcodes auf den Monovetten lesen könnte, sowie Befundübermittlung müssen geplant sein. Und natürlich sollte die Kapazität des Nachbarlabors groß genug sein, um plötzlich zwei Häuser bewältigen zu können. Nicht zu vergessen, dass aufgrund fehlender gemeinsamer Labor-EDV alle Anforderungen manuell in den Geräten erfasst werden müssten. Aber wie sieht es mit notfallmäßigen Kreuzproben aus?

Wir hatten bereits zweimal eine plötzlich unbesetzte Schicht am Wochenende. In beiden Fällen hatte die Diensthabende des vorherigen Dienstes eine Doppelschicht eingelegt.

Ich würde mir wünschen, dass die Geschäftsführung den regelmäßigen besonderen Einsatz des Personals sieht und ihre Wertschätzung in den Abteilungen kommuniziert. Denn uns ist zwar bewusst, dass flexibles Einspringen zu unserem Job dazugehört, aber jede Anerkennung macht stolz und stärkt das Wir-Gefühl.

Anmerkung der Redaktion:

Diese Schilderung wollen wir zum Anlass nehmen, nach Ihren Erfahrungen zu fragen. Welche Konzepte haben sich bei Ihnen bewährt? Bekommen Sie die Wertschätzung der Geschäftsleitung, die hier angemahnt wird? Werden Boni bezahlt? Gerne können Sie uns einen Leserbrief oder Anmerkungen schicken an: redaktion@mtdialog.de.

 

Entnommen aus MT im Dialog 03/2026

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