Umso wichtiger ist, dass wir einen entscheidenden Punkt nie aus den Augen verlieren: ein gutes Arbeitsklima mit einem Team, das zusammenhält.
Vor zehn Jahren begann ich als Leitung in unserem Labor. Meine Vorgängerin war eine empathische und faire Person, die es mit ihrer herzlichen Art geschafft hatte, aus zehn unterschiedlichsten Kolleginnen ein Team zu bilden. Ich kam als Fremde, die die Leitung übernehmen sollte. Das birgt Konfliktpotenzial. Doch wurde ich sofort freundlich aufgenommen, sodass ich nie das Gefühl hatte, eine Fremde zu sein. Man bot mir von allen Seiten Hilfe an und akzeptierte die kleinen ersten Änderungen, die ich vornahm. Meine einzige Angst bestand deshalb nur darin, durch unbedarfte Handlungen das Team kaputtzumachen.
Aber was ist denn eigentlich so wichtig für ein gutes Team?
Ein ganz entscheidender Punkt ist, niemals über andere zu reden, wenn sie nicht im Raum sind. Natürlich kann man das eine oder andere Verhalten nicht leiden. Doch sobald man mit anderen statt der Person selbst darüber spricht, bauscht man das Thema unnötig auf. Schnell entstehen dadurch einzelne „Clübchen“ statt einer gemeinsamen Einheit.
Ich erinnere mich, dass einmal eine Apothekerin in unser Labor kam. Sie war wie eine ältere Kollegin von mir schon seit Jahren in unserem Krankenhaus tätig. Da wir gerade Pause machten, wurde ihr Kaffee angeboten und sie setzte sich zu uns. Meine ältere Kollegin fragte, wie es so in der Apotheke laufe, und das nahm die Apothekerin zum Anlass, sich böse über ihre jüngeren Kollegen zu beschweren.
Fasziniert war ich von der Antwort meiner Kollegin, die das ungeschriebene Gesetz ihrer Abteilung verinnerlicht hatte, nie über jemanden zu reden, der nicht im Raum ist.
„Ihr habt jetzt viele Neue, oder?“, ging sie darauf ein, drehte es aber in eine andere Richtung. „Habt ihr denn jetzt eigentlich genug Personal? Frau Müller ist ja auch schon in Rente gegangen, oder?“ Und schon wurde nicht mehr negativ über einzelne Kollegen gesprochen.
Ein mir wichtiger Punkt ist auch das Aussprechen von positiven Dingen. Sehe ich, dass jemand etwas fertig hat oder geputzt oder anders sortiert oder etwas gut geregelt hat, ist es so einfach, das positiv zu kommentieren. Ich denke, wenn man Wertschätzung erfährt, akzeptiert man auch Kritik.
Die unterschiedlichen Fähigkeiten als Potenzial statt als Kritikpunkt zu sehen, finde ich enorm wichtig.
Meine Stellvertreterin ist komplett anders als ich. Während ich schnell alles fertig haben möchte und deshalb sicher etwas zu oberflächlich arbeite und Flüchtigkeitsfehler mache, ist sie der akribische Typ. Sie kann sich stundenlang in ein Thema einarbeiten, verliert sich dadurch hin und wieder in Kleinigkeiten.
Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder nervt uns die Arbeit des anderen. Oder wir erkennen, dass wir uns wunderbar ergänzen. Die zweite Alternative finde ich viel angenehmer.
Der wichtigste Punkt ist sicher, aufeinander zu achten. Biete ich einer Kollegin meine Hilfe an oder unterstütze ich sie, wird auch sie darauf achten, dass es mir gut geht.
Ich wurde vor einiger Zeit von einer Kollegin angesprochen: „Christel, du hast so viele Dienste gemacht und bist am Wochenende ja schon wieder da! Kann ich dir das Wochenende abnehmen?“ Auch wenn ich das Angebot nicht annahm, es rührte mich sehr. Und das habe ich ihr auch genau so gesagt. Und die Kollegin kann sich sicher sein, Unterstützung zu bekommen, wenn sie es benötigt.
Natürlich gibt es auch bei uns immer mal Konflikte. Und in den Teamsitzungen müssen wir uns hin und wieder daran erinnern, was nötig ist, um ein gutes Team zu bleiben. Doch ich habe das Gefühl, unsere jüngeren Kolleginnen sind stolz auf unser Miteinander. Das spricht sich rum, und es gab nun schon Bewerber, die wegen des guten Miteinanders zu uns kommen wollten.
Wenn jeder verinnerlicht, wie wichtig die gute Zusammenarbeit ist, kann man nur gewinnen!
Entnommen aus MT im Dialog 10/2026
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