Interview mit CEO und CFO 
von Beyond Imaging

Die Fragen stellte Ludwig Zahn.
Foto von CEO Marcus Schmidt und CFO Alexander Klos
CEO Marcus Schmidt (links) und CFO Alexander Klos © Beyond Imaging
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Der langjährige Diagnostikpartner medneo hatte sich nach einer erfolgreich abgeschlossenen Insolvenz in Eigenverwaltung
 in Beyond Imaging umbenannt. Mit dem Marken-Relaunch soll nun eine neue Phase eingeläutet werden. Wir haben Marcus Schmidt, CEO, und Alexander Klos, CFO von Beyond Imaging, zu den Plänen befragt.

Herr Klos, medneo war mit großen Erwartungen in den Markt des Imaging as a Service eingetreten. Was waren aus Ihrer Sicht die wesentlichen Gründe für die Insolvenz?
Alexander Klos:
Insolvenzen entstehen in der Regel nicht durch einen einzelnen Auslöser, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer struktureller Rahmenbedingungen. Im Fall von medneo kam hinzu, dass das Unternehmen sich über Jahre hinweg parallel in mehreren kapitalintensiven Bereichen positioniert hat. Dazu zählten die internationale Expansion, der Betrieb mobiler Imaging-Lösungen sowie der Aufbau eigener Software- und Plattformprodukte.
Diese strategischen Felder erfordern jeweils hohe Vorabinvestitionen und lange Amortisationszeiträume. Die gleichzeitige Verfolgung all dieser Ansätze führte insgesamt zu einer finanziellen Überdehnung, die schließlich in einer bilanziellen Überschuldung mündete und nicht mehr aufgefangen werden konnte.

Was will Beyond Imaging nun anders machen?
Alexander Klos:
Beyond Imaging setzt bewusst auf Fokus statt Breite. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf den deutschen Markt und verzichten sowohl auf mobile Trailer-Lösungen als auch auf eigene Softwareentwicklungen.
Stattdessen arbeiten wir mit klar strukturierten, standardisierten administrativen Prozessen und investieren gezielt in moderne Bild­gebungstechnologien. Das betrifft sowohl die Hardware als auch den Einsatz von KI-gestützten Anwendungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt zudem auf präventivmedizinischen Ansätzen in der Radiologie.

Herr Schmidt, Alejandro Weinstein hat als Mehrheitseigentümer den Fortbestand ermöglicht. Spielen weitere Investoren eine Rolle? Gibt es ein Exit-Szenario?
Marcus Schmidt:
Alejandro Weinstein ist in einer Phase eingestiegen, in der andere Investoren nicht mehr konnten oder wollten.
Beyond Imaging befindet sich weiterhin in einem Wachstumsszenario, das aufgrund der Asset-Lastigkeit des Geschäftsmodells mit hohen Anfangsinvestitionen verbunden ist. Er ist derzeit der alleinige Eigentümer des Unternehmens. Weitere Investoren sind aktuell nicht beteiligt.
Über konkrete Exit-Szenarien kann und soll zum jetzigen Zeitpunkt nicht spekuliert werden. Grundsätzlich ist es jedoch üblich, dass Investoren im Verlauf der Entwicklung Optionen zur Risiko­teilung und mögliche Exits prüfen, sobald sich tragfähige Gelegenheiten ergeben.

Sie betreiben aktuell 13 Standorte. Wie viele sollen es am Ende werden? Und spielt das Ausland perspektivisch noch eine Rolle?
Marcus Schmidt:
Aktuell planen wir neue Zentren in Heidelberg, Kiel und Dresden. Weitere Standorte befinden sich in Vorbereitung.
Unser Fokus liegt dabei klar auf Deutschland. Entscheidend ist für uns weniger die reine Anzahl der Standorte als vielmehr die Qualität der Bildgebung und die medizinische Exzellenz an jedem einzelnen Standort.

Wer sind aktuell hauptsächlich Ihre Kunden?
Marcus Schmidt:
Das ist stark standortabhängig. Zu unseren Kunden zählen in erster Linie Radiologinnen und Radiologen. Abhängig vom medizinischen Schwerpunkt des jeweiligen Zentrums arbeiten wir zunehmend auch mit Kardiologen, Orthopäden und Neurologen zusammen.

Und wie sieht es mit dem Sportsegment aus?
Marcus Schmidt:
Das Sportsegment spielt für Beyond Imaging eine zentrale strategische Rolle und wird mit dem neuen Standort in Dresden gezielt weiter ausgebaut. Bereits heute arbeiten wir in der sportmedizinischen Diagnostik eng mit den Dresdner Eislöwen zusammen. Der neue Standort schafft die Voraussetzungen, dieses Leistungsangebot deutlich zu erweitern und perspektivisch auch die bildgebende Diagnostik für weitere Profisportvereine zu übernehmen.
Für den Leistungs- und Profisport ist eine schnelle, präzise und reproduzierbare Diagnostik entscheidend. Verletzungen müssen nicht nur korrekt erkannt, sondern auch im Heilungsverlauf engmaschig begleitet werden, um fundierte Trainings- und Wettkampfentscheidungen treffen zu können. Genau hier setzen wir an. Mit spezialisierter muskuloskelettaler MRT-Diagnostik und KI-gestützten Workflows ermöglichen wir kürzere Untersuchungszeiten bei gleichzeitig hoher Bildqualität sowie standardisierte Protokolle für typische Sportverletzungen – etwa an Knie, Schulter, Sprunggelenk oder Muskulatur. Dadurch lassen sich Folgeuntersuchungen exakt vergleichen, Heilungsverläufe objektiv bewerten und Rückkehrzeiten in Training und Wettkampf besser planen.
Darüber hinaus spielt die Bildgebung auch in der Prävention eine wichtige Rolle: Durch frühzeitige und strukturierte Diagnostik können Überlastungen, strukturelle Veränderungen oder Risikofaktoren erkannt werden, bevor es zu schwerwiegenden Verletzungen kommt. Das unterstützt eine gezielte Trainingssteuerung und hilft, Ausfallzeiten nachhaltig zu reduzieren.

Welche Rolle spielt Remote Scanning bei Beyond Imaging? Ist das eine Antwort auf den Fachkräftemangel?
Marcus Schmidt:
Remote Scanning ist ein zentraler Bestandteil unseres Betriebskonzepts und wird von uns bereits seit mehreren Jahren erfolgreich eingesetzt. Es ermöglicht uns, Fachkräfte langfristig zu binden, etwa in familiären oder persönlichen Lebensphasen. Gleichzeitig lassen sich Ausfallzeiten durch Urlaub oder Krankheit deutlich besser abfedern und dem Fachkräftemangel wirksam entgegenwirken.
Im Markt haben wir dieses Modell vergleichsweise früh etabliert und bereits über mehrere Jahre in der Praxis umgesetzt.

Wie binden Sie MTR an das Unternehmen? Gab es Kündigungen im Zuge der Insolvenz?
Alexander Klos:
Bemerkenswert ist, dass wir trotz der Insolvenzphase alle Mitarbeitenden im Unternehmen halten konnten. Mit Beyond Imaging treten wir nun als neue Marke auf, verbunden mit einer klaren Vision eines jungen, technologisch orientierten Unternehmens.
Das entgegengebrachte Vertrauen, der ausgeprägte Teamzusammenhalt sowie die Möglichkeit, remote zu arbeiten, sind zentrale Faktoren für die Mitarbeiterbindung. Aktuell beschäftigen wir rund 50 MTR.

Werden Sie neben MRT künftig weitere bildgebende Verfahren anbieten?
Alexander Klos:
Neben der MRT planen wir perspektivisch auch den Ausbau um CT-Verfahren. Damit erweitern wir unser Leistungsspektrum und werden insbesondere für kardiologische Fragestellungen noch attraktiver.

Welche Rolle spielt KI in Ihrem Konzept?
Marcus Schmidt:
KI ist bereits heute ein fester Bestandteil unserer technischen Infrastruktur. In den kommenden Jahren wird ihre Bedeutung weiter zunehmen, sowohl direkt an den Modalitäten als auch über spezialisierte externe Anbieter.
Ziel ist es, Scanzeiten zu verkürzen, Untersuchungsabläufe effizienter zu gestalten und gleichzeitig die Bildqualität weiter zu verbessern.

Sind Screening-Angebote nach den Erfahrungen mit HerzCheck noch ein Thema?
Marcus Schmidt:
HerzCheck war aus medizinischer Sicht ein Erfolg. Wir arbeiten weiterhin an partnerschaftlichen Modellen mit Ärztinnen und Ärzten, um Konzepte zur frühzeitigen Erkennung von Erkrankungen weiterzuentwickeln und sinnvoll in bestehende Versorgungsstrukturen zu integrieren.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit JMP Medical aus?
Marcus Schmidt:
In der Zusammenarbeit mit JMP Medical realisieren wir aktuell ein modulares Diagnostikzentrum in Dresden. JMP Medical stellt dafür die modulare Infrastruktur bereit, während wir den medizinischen Betrieb und die diagnostische Versorgung verantworten. Das Ziel ist es, moderne MRT- und CT-Diagnostik innerhalb der nächsten sechs Monate bereitzustellen und flexibel und patientennah verfügbar zu machen. Die Zusammenarbeit ist sehr partnerschaftlich.
Für diejenigen, die das Unternehmen noch nicht kennen: JMP Medical ist ein international tätiges Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Fertigung modularer und mobiler medizinischer Diagnostikeinheiten spezialisiert hat. Damit sind vorgefertigte, vollständig ausgestattete medizinische Gebäude gemeint, die flexibel aufgebaut, erweitert oder bei Bedarf auch verlegt werden können. Sie ermöglichen es, hochwertige Diagnostik deutlich schneller bereitzustellen als mit klassischen Bauprojekten. Der Hauptsitz sowie Produktion und Entwicklung befinden sich in Polen, weitere Standorte gibt es unter anderem in den Niederlanden und im Vereinigten Königreich.

Sie haben eine Partnerschaft mit dem chinesischen Unternehmen United Imaging geschlossen. Warum nicht ausschließlich mit den etablierten Herstellern?
Alexander Klos:
Wir arbeiten weiterhin mit etablierten Herstellern wie Philips und Siemens zusammen. Mit United Imaging ist jedoch ein weiterer Anbieter auf den Markt gekommen, den wir intensiv geprüft haben.
United Imaging überzeugt durch innovative Technologie, KI-gestützte Bildgebung und ein attraktives Servicekonzept. Die Partnerschaft schließt eine Zusammenarbeit mit den klassischen Herstellern ausdrücklich nicht aus. Am Ende entscheiden Markt, Kunden­anforderungen, Technologie und Servicequalität.

Müssen Sie Datenschutzbedenken befürchten, da United Imaging ein chinesisches Unternehmen ist?
Alexander Klos:
Das ist aus datenschutzrechtlicher Sicht unproblematisch. United Imaging betreibt sein europäisches Headquarter in Rotterdam und arbeitet vollständig nach den europäischen Datenschutz- und Regulierungsanforderungen.

Wie hoch ist der Schulungsbedarf für Mitarbeitende bei neuen Systemen dieses noch jungen Herstellers?
Marcus Schmidt:
Der Schulungsaufwand ist überschaubar. Qualifizierte Fachkräfte können sich in der Regel schnell in neue Systeme einarbeiten.
Ein Vergleich aus der Praxis: Ein guter Kfz-Mechaniker repariert Fahrzeuge unabhängig davon, ob es sich um einen BMW oder einen VW handelt. Entscheidend ist die fachliche Kompetenz, nicht der Hersteller.

Herr Schmidt, Herr Klos, vielen Dank.

 

Entnommen aus MT im Dialog 03/2026

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