Medizinphysik: 
Verändern neue Entwicklungen
den MTR-Alltag?

Highlights von der DGMP-Jahrestagung
Michael Reiter
Foto des Podiums mit DGMP-Präsident Prof. Dr. Christoph Bert bei der Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
DGMP-Präsident Prof. Dr. Christoph Bert begrüßt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. © M. Reiter
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Berlin-Dahlem: Hier wirkten zahlreiche Größen der Physik. In den grünen Stadtteil Berlins mit seinem amerikanisch anmutenden Hochschulcampus lud die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Physik (DGMP) im Herbst zu ihrer Jahrestagung.

Das Programm führte bewährte und neue Themenbereiche der Vorjahre fort. Einen der Schwerpunkte bildete dabei die Medizinische Optik. Die Strahlentherapie von Augentumoren bot durch das international renommierte Protonenbestrahlungszentrum der Charité und des Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) ein weiteres Highlight.

Neue Methoden

Häufig wurde bei der Veranstaltung über den Einsatz von KI ge­sprochen. Ziel des Einsatzes ist, die Bildqualität in der CT- und Röntgen­diagnostik zu verbessern. Spannend erwiesen sich auch die Gespräche zu Ansätzen in der Strahlentherapie. Die Standard-Strahlen­therapie arbeitet mit Photonen, rekapitulierte Dr. Jens Heufelder, DGMP-Vorstandsmitglied. Erzeugt werden sie in einem Linearbeschleuniger. Die Elektronen erzeugen Bremsstrahlung auf einem Target; diese Bremsstrahlung wird für die Strahlentherapie eingesetzt. Sie wird aus verschiedenen Richtungen auf einen Tumor konzentriert und soll so möglichst wenig Dosis im umliegenden Gewebe deponieren.

Protonen, so Heufelder weiter, sind massereicher und werden direkt im Beschleunigungsgerät beschleunigt. Als Körperteilchen erzeugen sie Stoßwechselwirkungen – je mehr, desto mehr Energie geben sie lokal ab. Die Eingangsenergie lasse sich variieren und die Dosis im Körper genau ausrichten. Das versetze die Anwender in die Lage, die Dosis besser als mit Photonen mit weniger Schaden außerhalb des Zielgewebes anzuwenden, erläuterte Heufelder. Allerdings sind größere, teurere Geräte hierzu nötig.

FLASH ist eine neue Therapie: Photonen oder Protonen werden in extrem kurzer Zeit appliziert. So kann der Körper kaum Wechselwirkungen erzeugen. Diese Strahlenresistenz trifft nicht auf den Tumor zu. FLASH macht es möglich, eine höhere Dosis bei gleichen Nebenwirkungen beziehungsweise die bislang genutzte Dosis bei reduzierten Nebenwirkungen anzuwenden. „Im Kontext von FLASH gibt es noch physikalisch und biologisch viel zu erforschen“, betonte Heu­felder.

Anwendung bei Augentumoren

Protonen deponieren hinter der wohldefinierten Eindringtiefe keine Dosis mehr, stellte Prof. Dr. Andrea Denker fest. Das Strahlungsfeld lasse sich exakt anpassen, und Risikostrukturen könnten geschont werden. Der Einsatz von Protonen in der Therapie begann 1998 als Kollaboration von der Charité und dem HZB. „Über 5.000 Patienten wurden seither so behandelt“, erklärte Denker. „Wir sind ganz weit vorne bei Tumorkontrollraten und auch beim Augenerhalt.“

Die Rolle der MTR

Mit die wichtigste Personengruppe bei der Augentherapie seien die MTR, betonte Heufelder. „Bei der Bestrahlung müssen wir den Patienten hoch exakt lagern, und der Patient muss selbst aktiv auf einen Punkt im Raum blicken. Dazu muss man die Augenlider herausziehen.“ MTR führen die Positionierung bei der Strahlentherapie beim Patienten durch, sie monitoren den Status – der Kreislauf kann absacken, das muss rechtzeitig erkannt werden. „Hier leisten unsere MTR eine sehr gute Arbeit.“

Wo liegen die Voraussetzungen für den Einsatz von FLASH bei Augentumoren? Beschleuniger stünden im Fokus einer Studie für den langfristigen Einsatz von FLASH am Auge, so Denker. Auch in diesem Anwendungsgebiet sei viel Entwicklungsarbeit vonnöten. FLASH für Photonen und Protonen sei vielversprechend und so gebe es derzeit auch viele Aktivitäten in diesem Kontext.

„Neues“ aus der Strahlentherapie

Die konventionelle Strahlentherapie mit Photonen arbeite typischerweise mit sechs oder zehn Megaelektronenvolt (MeV), erläuterte Prof. Dr. Christoph Bert. Eine Entwicklung sei hier von herausragender Bedeutung. Sie sei allerdings nicht wirklich aktuell – sondern seit Jahrzehnten in Arbeit: die adaptive Strahlentherapie. Der DGMP-Präsident: „Neu ist, dass sie jetzt in die Masse kommt; fast jede größere Klinik hat ein Gerät dafür.“

Dabei gibt es zwei Ansätze: Manche Gruppen arbeiten mit MR-­Linacs; hier wird die Anpassung an tägliche Veränderungen in Kombination mit MR-Bildgebung realisiert. Andere Gruppen setzen Kegelstrahl-CT (CBCT) ein, um Anpassungen umzusetzen. Die Geräte seien inzwischen von größeren Herstellern im Markt verfügbar, sagte Bert.

Im bisherigen Workflow wird ein Standardplan qualitätsgesichert vorbereitet. An mehreren Tagen oder in der Serie wird auf dieser Basis jeweils je beispielsweise zehn Minuten bestrahlt. Bei adaptiver Therapie, so Bert, dauere dies viel länger – aufgrund der Bildgebung an der Patientin/dem Patienten in Therapieposition, mit neuer Segmentierung und Anpassung des Bestrahlungsplans. Dies erfordere zwischen 15 und 45 Minuten je nach medizinischer Fragestellung und Technik. Benötigt würden nun auch andere Kompetenzen am Gerät; so sei gesetzlich insbesondere ein Facharzt gefordert, um Strukturen zu zeichnen und abzunehmen sowie den Therapieplan zu prüfen. Ein Medizintechnikexperte sei für die physikalische Bestrahlungsplanung verantwortlich.

Adaptive Therapie binde Ressourcen und verändere Arbeitsabläufe bei Medizinphysikern, Ärzten – und auch bei MTR, resümierte Bert. Der Zehn-Minuten-Turnus mit Betreuung inklusive Positionieren, Lagerungsbilder anschauen sowie Bestrahlung auslösen und verantworten laufe anders: Die Anpassungen forderten einen großen Zeitanteil. Einzelne Kliniken, so der DGMP-Präsident weiter, nähmen MTR mehr in die Verantwortung bei dieser täglichen Erstellung von Strukturen. So könnte sich dieses Berufsbild ändern. Vorreiter seien hier skandinavische Kollegen, bei denen diese Arbeit bereits an MTR ­weitergegeben werde.

Nachwuchs und Nachhaltigkeit

Auch bei dieser Ausgabe der Tagung gab es zahlreiche Nachwuchspreise und Reisestipendien. Dies, so die Veranstalter, sei gerade im ­Sinne des Austauschs über Alters- und Erfahrungsgrenzen hinweg bedeutsam. Ferner verfolgte die Fachgesellschaft das Thema Nachhaltigkeit weiter, das sie dank der Initiative der Arbeitsgruppe „DGMP goes Green“ in die Tagungsreihe aufgenommen hatte. Ziel ist insbesondere eine energieeffiziente Klinik und Praxis. Mehr auch hierzu verspricht die DGMP im nächsten Jahr in Bamberg.

 

Entnommen aus MT im Dialog 01/2026

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