„Radiologie grenzenlos“

Kernbotschaften vom Röntgenkongress in Leipzig
Mirjam Bauer, Michael Reiter
Foto von David Rutkevich in einer MTR-Session zur KI
David Rutkevich in einer MTR-Session zur KI © M. Reiter
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Die Dynamik und Offenheit der Disziplin standen Pate für das diesjährige Motto: zwischen Diagnostik und Therapie, zwischen Klinik und Praxis sowie zwischen Medizin, Techno­logie und Gesellschaft. Mit „Radiologie grenzenlos“ lud die Deutsche Röntgengesellschaft (DRG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie und minimal-invasive Therapie (DeGIR) sowie der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Technolog:innen für Radiologie (DGMTR) zum Röntgenkongress nach Leipzig ein.

Er sollte zeigen, wie vielfältig und innovationsgetrieben das Fach heute ist – und Raum bieten für neue Perspektiven, Diskussionen und interdisziplinäre Impulse. Ein „offener, inklusiver Spirit“ sollte laut Kongresspräsident PD Dr. Daniel Pinto dos Santos den Kongress auszeichnen.

Mit innovativen Formaten setzten die drei Kongresspräsidenten auf Dialog und neue Perspektiven:

  • „Die steile These“ – kontroverse Diskussionen zu aktuellen Fragen, zum Beispiel zur Rolle der künstlichen Intelligenz;

  • „Rockstars of Radiology“ – Persönlichkeiten und Entwicklungen der radiologischen Community im Fokus;

  • disziplinübergreifende Sessions zu Lungenkrebsfrüherkennung, Longevity, Influencern in der Medizin sowie das Format „Wir müssen reden“.

Ciao MTR – welcome KI?

Künstliche Intelligenz stellt seit Jahren ein Topthema des Kongresses dar, unterstrich Pinto dos Santos, ehemaliges Vorstandsmitglied der AG DRG-AG IT. „Was reingeht, kommt auch wieder raus“, konstatierte David Rutkevich in einer MTR-Session zur KI. MTR ermöglichen tragfähige KI-Lösungen – durch qualitätsvolle diagnostische Bilder, so der junge Forscher von der TU Berlin. Seniorität biete die Grundlage für gute Ergebnisse. Entgegen der These einer drohenden Substitution des Fachpersonals positioniere sich die KI laut Rutkevich als „essenzielles Assistenzwerkzeug zur Bewältigung steigender Datenmengen und komplexer Untersuchungsprotokolle“. Die notwendige Zertifizierung sei eine Hemmschwelle bei der Durchsetzung von Lösungen. Vorteile durch Präzisierung und Beschleunigung seien inzwischen belegt. KI erkenne Tumoren früher als der Mensch. Schon bevor ein Bild gemacht wurde, könne Technologie laut Rutkevich auf Basis der Rohdaten zum Fall Wahrscheinlichkeiten ermitteln. Effizienzsteigerung in der Bildgebung werde möglich durch die Optimierung von Bildern minderer Qualität. Auch ließen sich auf Basis einer Bildquelle fiktive Bilder anderer Modalitäten generieren. Automatische Positionierung und paralleles Remote Scanning seien in Entwicklung. Allerdings, so der Forscher, drückten MTR zunehmend auf „Approve“, ohne zu wissen, was die KI eigentlich gemacht habe.

Radiologen müssten sich eher Gedanken darüber machen, ob sie ersetzt werden, als MTR, zwinkerte Rutkevich. Mit der Vorgabe „Human-in-the-Loop“ zur Prüfung von KI-Output hätten MTR jedenfalls ihre Rolle als zwingend erforderliche, steuernde und kontrollierende Instanz für den sicheren KI-Einsatz inne.

Digitaler Gott oder der Teufel in der Maschine?

Eine starke Debatte im Kontext aktueller Technologien bot diese Steile-These-Session mit Mike Notohamiprodjo (Starnberg) – pro KI – und Daniel Truhn (Aachen) – contra. KI sei in der Befundung angekommen. Sie entdecke Tumoren mit hoher Präzision und Schnelligkeit. Dabei finde sie auch Auffälliges noch auf der letzten Schicht. „In der Ära der Personalknappheit bietet KI wichtige Unterstützung.“

Radiologien würden auf Steharbeitsplätze umgestellt, weil das Hinsetzen sich zeitlich nicht mehr lohne, so Notohamiprodjos Beobachtung. „KI macht Schluss mit Underreading und Fehlern wie ‚zweites Finding übersehen‘.“ Allerdings bahne sich an: Die Faulen (unter den Radiologen) werden fauler und die Schnellen werden schneller. „Gute Bilder helfen einem schlechten Radiologen nicht.“

„KI ist überall – aber ist sie auch wirklich zu gebrauchen?“, konterte Truhn. „Workslop“ und zeitlicher Mehraufwand beim Kodieren seien erwiesen. KI mache Fehler, Bias in Modellen führe zu schlechten Benchmarks. Und: Was geschieht, wenn KI-Modelle über Agenten miteinander sprechen, etwa bei der Zusammenarbeit zweier Krankenhäuser? „Wir verstehen die Modelle mit ihren verschiedenen Biases nicht, wenn sie miteinander kommunizieren.“ Können wir den Machern der KI vertrauen? Akzeptieren wir die gefährliche Macht von Lösungen wie Claude Mythos? „Die industrielle Revolution hat die manuelle Arbeit ersetzt, jetzt geht es um den Kopf.“

KI wird eingesetzt aufgrund des ökonomischen Drucks. Doch wie soll der ärztliche Nachwuchs noch lernen, ohne KI zu befunden? In den Vorständen habe das Bewusstsein zugenommen, dass LLMs Effekte bringen. Noch herrsche bei diesen Zielgruppen die Faszinationsphase, so ein Tenor der Debatte. Wer sich bereits länger damit beschäftigt, ist eher vorsichtiger … insbesondere in Deutschland im Vergleich zu den USA.

Pädiatrische Diagnostik

In dieser Session präsentierte MTR Daniel A. Tabin Lungenarterien­embolie in der pädiatrischen Diagnostik. Hier geht es um die komplette beziehungsweise partielle Verlegung einer oder mehrerer Pulmonalarterien oder um körperfremde Substanzen. Die Inzidenz liegt bei 0,49 bis 0,9 unter 100.000. CT-Thorax (LAE) spielt eine Hauptrolle in der Diagnostik, wie Tabin beschrieb.

Veronika Ingrid Huf, Wilhelmstift Hamburg, erläuterte in der ­Session die grundsätzlichen Unterschiede in der Anatomie zwischen Kindern und Erwachsenen. Anschließend ging sie auf anatomische Besonderheiten beziehungsweise deren Einfluss auf die Diagnostik ein. Zusammenfassend empfahl sie, hierauf besonders zu achten:

  • Beim Gefäßsystem auf die Umstellung des Kreislaufes postnatal und die Kreislaufzeit,

  • bei Kopf und Spinalkanal: Ultraschall-Fenster durch Fontanelle und Knorpel beziehungsweise postnatale Reifung,

  • beim Thorax: Herzgröße, Thymusschatten, Exspirationsaufnahmen, Hautfalten,

  • beim Abdomen: wenig Platz zwischen Darmschlingen und Organen, großer linker Leberlappen,

  • beim Skelett: Wachstumsfugen, wenig Knochen und viel Knorpel, andere Sollbruchstellen, kinderchirurgische Versorgung.

Über Interventionen bei Kindern berichtete Natascha Platz Batista da Silva aus Rosenheim. Beim Strahlenschutz sollte man die Exposi­tion so gering halten wie möglich und wenn es geht, strahlenlose Verfahren nutzen. Besonders wichtig sei die Vorbereitung der Kinder und ihrer Eltern: Beispielsweise sei vorab zu klären, ob der kleine Patient nüchtern sein muss, eine Vollnarkose mit Intubation oder eine Sedierung nötig ist. Auf geeignetes Material je nach Eingriff sei zu achten. Der Interventionalist modifiziere gegebenenfalls das Erwachsenenvorgehen unterschiedlich. Insgesamt bestünden diverse Risiken (etwa Vasospasmus, die Verletzung umgebender Strukturen, Kehldeckel­reflex et cetera). Nach einer Narkose müsse man sterile Kautelen etablieren, die Punktionswege sichern, die Pathologie darstellen und behandeln. Als Beispiele nannte sie Lungen- oder Gallendrainagen und ging daneben auf Gefäßinterventionen bei Blutungen, Anomalien oder Gefäßtumoren ein. Ihr Fazit: Kinder sind auch in der Interventionsradiologie keine kleinen Erwachsenen. Trotzdem bestehe oft ein analoges Vorgehen mit Modifikationen. Verschiedene Indikationen erforderten zwingend die Aufklärung der Eltern.

MT: Studie zur beruflichen Identität

MTR Elias Holzweißig berichtete über seine Arbeit zur „Beruflichen Identität und interdisziplinären Zusammenarbeit von Medizinischen Technologinnen und Technologen, mit Ärzt:innen und Pflegenden, nach der Ausbildungsreform 2023“. Er ist Doktorand an der Fakultät für Erziehungs- und Sozialwissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Holzweißig stellte die Ergebnisse der ersten Erhebungswelle seiner bundesweiten Längsschnittstudie vor. Problemstellung und Hintergrund waren der aktuelle Forschungsstand beziehungsweise das Forschungsdefizit. Die berufliche Identität stärkt Arbeitszufriedenheit und Berufsbindung, so die Studie. Zudem verbessern interdisziplinäre Teams die Kommunikation, Effizienz und Patientenzufriedenheit. Doch für Medizinische Technologinnen und Technologen fehlen bislang empirische Untersuchungen zu Identitätsentwicklung und Zusammenarbeit nach der Ausbildungsreform 2023. Zudem gibt es laut Holzweißig keine systematischen Studien zur Wechselwirkung zwischen Ausbildungs­reform, beruflicher Identität und interprofessioneller Kooperation im MT-Beruf.

Folgende Kernpunkte beziehungsweise Forschungslücken adressiert die Studie:

  • MTR arbeiten hoch interprofessionell,

  • die Reform im Jahr 2023 fordert mehr Kompetenzorientierung und Praxisanleitung,

  • bislang liegen keine empirischen Erkenntnisse vor, wie sich dies auf die berufliche Identität und interdisziplinäre Zusammenarbeit auswirkt.

Das Studiendesign beinhaltet über 43 geschlossene Fragen. Zentrale Ergebnisse der ersten Erhebungswelle waren: Die untersuchte Vergleichsgruppe umfasste insgesamt 355 Teilnehmende – bei einer Rücklaufquote von 40 Prozent – zwischen 19 und 63 Jahre. Das Durchschnittsalter der Befragten, die unter der alten Prüfungsverordnung (APrV) ausgebildet wurden, lag bei 24 Jahren. 60 Prozent waren weiblich, 39 Prozent männlich, 1 Prozent divers. Von den Befragten erhielten 38 Prozent eine Praxisanleitung und 62 keine. In der untersuchten Stichprobe hatten 9 Prozent der Befragten keine Berufserfahrung, und 91 Prozent hatten circa 12 Monate oder weniger Berufs­erfahrung. Insgesamt nahmen 43 Prozent MTR, 31 Prozent MTL, 22 Prozent MTF und 3 Prozent MTV teil.

Die beiden folgenden Erhebungswellen, im September 2026 beziehungsweise 2027, sollen ermöglichen, die Entwicklungsverläufe der beruflichen Identität und der interprofessionellen Kooperation longitudinal nachzuzeichnen und die Effekte der Ausbildungsreform empirisch zu überprüfen. Die Kohorten nach alter und neuer APrV werden dabei verglichen, um Reformwirkungen auf Selbstverständnis, Rollenwahrnehmung und Kooperationsverhalten der Medizinischen Technologinnen und Technologen zu erfassen. Der geplante Einbezug von Ärzten und Pflegenden in der zweiten Erhebungsphase soll die Perspektive erweitern und die Analyse interprofessioneller Anerkennungsprozesse aus multiprofessioneller Sicht erlauben. Langfristig leistet die Studie damit einen Beitrag zur empirischen Fundierung der Professionalisierungsdebatte im Kontext der MT-Reform. Ferner erwartet Holzweißig Aussagen zu folgenden Fragen:

  • Entwickelt die Kontrollgruppe stärkere kommunikative Kompetenzen?

  • Verändert sich das interprofessionelle Rollenverständnis?

  • Wie bewerten Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise Pflegende die Rolle von MT?

Session MTR über Ländergrenzen

Wie man als MTR in der Schweiz oder in Österreich arbeiten kann, erläuterten André Mayor, Zürich, und Kristian Madaric, St. Johann in Tirol. Mayor stammt aus Sachsen (Colditz), und absolvierte seine Ausbildung in Nürnberg. Durch den Austausch mit einem ehemaligen Kollegen, der in der Schweiz arbeitete, kam er auf die Idee zum Länderwechsel. Vor 20 Jahren war das noch mit deutlich mehr Rechercheaufwand verbunden. Doch er hat den Wechsel geschafft, diverse Arbeitsstätten und auch seine Frau so kennengelernt. In der Schweiz sind neben Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen ­Probearbeiten normal.

Voraussetzungen für den Aufenthalt sind laut Mayor eine Arbeitsstelle und die Genehmigung der Fremdenpolizei. Neu hinzugekommen ist die SRK-Anerkennung des MTR- beziehungsweise RT-Diploms. Mayor arbeitete in der Diagnostik, Nuklearmedizin und Radio-Onkologie – in Spitälern, radiologischen Praxen und in der Industrie. Überall herrschte eine hohe Eigenverantwortung, modernste Geräte stünden unter einem fortgeschrittenen Digitalisierungsgrad zur Verfügung, auch neue KI-Techniken würden eingesetzt. Zudem gebe es flache Hierarchien und es arbeiteten deutlich mehr Männer in allen Bereichen, sogar in der Mammografie. Die Arbeitszeit in der Schweiz sei höher als in Deutschland, ferner gebe es weniger Urlaub. Der Verdienst sei höher, ein 13. Gehalt üblich. Allerdings seien auch die Lebenshaltungskosten deutlich höher. Eine betriebliche Altersvorsorge sei vorgeschrieben und es gebe Teilzeit-Krankschreibungen. Falls man Kinder bekomme, betrage der Mutterschaftsurlaub maximal 16 Wochen, es gebe keine Elternzeit et cetera.

Mayors Fazit lautet: Auch wenn nicht immer leicht Anschluss zu finden sei und die Möglichkeiten der Kinderbetreuung beschränkt seien, biete das Arbeiten in der Schweiz soziale Sicherheit, ein nachvollziehbares Steuersystem (ohne Direktabzüge) und weitere Vorteile: Den hohen Freizeitwert, den guten öffentlichen Verkehr, die direkte Demokratie, Sicherheit, Sauberkeit und die vielfältige Käse- und ­Schokoladenauswahl möchte Mayor nicht missen.

Madaric erläuterte zur Arbeit in Österreich zunächst die strukturellen Unterschiede in der Ausbildung: In Österreich sei ein Bachelor­studium an einer Fachhochschule vorgeschrieben; dieses dauere drei Jahre oder sechs Semester (180 ECTs). Der Zugang erfolge via Matura oder Studienberechtigungsprüfung. Für die Anerkennung der deutschen Ausbildung in Österreich sei eine Registrierung im Gesundheitsberuferegister verpflichtend. Ferner müsse man einen Antrag auf Anerkennung stellen und meist zusätzliche Prüfungen absolvieren. Berufserfahrung sei von Vorteil. Folgende Unterlagen müsse man einreichen: Ausbildungszeugnis als MTR, Nachweis Stundenplan/Curriculum, Nachweis über Praktika, Lebenslauf, Nachweis der Staats­bürgerschaft.

Das Kompetenz- und Rollenverständnis zeige sich nicht in Unterschieden aufgrund der Fähigkeiten/des Fachwissens vom Personal; es sei vielmehr system- und strukturabhängig. So erlebe man in Deutschland oft eine stärkere ärztliche Delegation, streng vorgegebene Protokolle und wenig Eigenverantwortung. Dies sei aber abhängig vom Arbeitgeber. In Österreich gebe es tendenziell mehr Eigenverantwortung und eine gewisse Freiheit bei der Anpassung von Untersuchungsprotokollen, betonte Madaric. MTR würden zudem häufiger für Ratschläge herangezogen. Konkrete Unterschiede im Arbeitsalltag seien etwa die mögliche Zeitarbeit in Deutschland oder die Spezialisierung von MTR auf ausschließlich CT oder MRT. In Österreich bleibe man mehr Generalist, dürfe die Auf­klärung für Standarduntersuchungen übernehmen und erlebe deutlich flachere Hierarchien in den Kliniken. Das Gehalt setze sich in Österreich aus 14 Löhnen zusammen und könne deshalb bis zu 55.000 Euro betragen. Dazu gebe es ein fixes Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Meist handele es sich um Kollektivverträge mit variablen Zuschlägen je nach Arbeitgeber.

Am Ende der Länder-Session stellte Holzweißig fest, dass sich Deutschland im Vergleich zum Arbeiten in anderen Ländern weiterentwickeln müsse, denn insbesondere bei der Interprofessionalität zeige sich Nachholbedarf. Ob das nur gefühlt so sei oder tatsächlich wissenschaftlich belegbar, werde seine Studie hoffentlich zeigen.

Neues zum Strahlenschutz

In der letzten Zeit habe es auf diesem Gebiet wenig neue Regelungen gegeben, erläuterte Alexander Sommer, MPE. Zuletzt sei die Strahlenschutzregelung 2024 neu angefasst worden – mit einigen neuen Regelungen der Strahlenschutzverordnung ab Januar jenes Jahres, so der Leiter der medizinischen Physik am Referenzzentrum Mammografie Münster. Für den Alltag wichtig sei die Vorgabe des Einsatzes der MTR am Ort der Durchführung; das Erfordernis der elektronischen Dokumentation gelte insbesondere für Hochdosisgeräte. Bei der Brustkrebsfrüherkennungsverordnung habe es eine zweite Änderung im März gegeben – mit Alterserweiterung ab 45 Jahre und der Aufsicht auf Distanz mit modernen Kommunikationsmitteln im Kontext der MFA. Für die Konstanzprüfung, häufig MTR-Aufgabe, würden sie mehr Verantwortung tragen, auch bei Durchführung durch eine andere Person. MTR sollten darauf achten, dass externe Dienstleister aktuelle Normen berücksichtigen.

Die Prinzipien des Strahlenschutzes obliegen der Rechtfertigung, so der Tenor der Sessions. Die Strahlenexposition müsse notwendig sein, die Anwendung erfordere eine Indikation des fachkundigen Arztes, die Abwägung alternativer Methoden mit nicht ionisierender Strahlung sei nötig und der Nutzen müsse die Risiken einer Strahlenexposition wesentlich überwiegen.

Dr. Josefin Ammon, Institut für Medizinische Physik, Klinikum Nürnberg, erläuterte das Bewertungssystem der ärztlichen Stellen. Darin gebe es vier Stufen, bei denen die vierte Stufe einen echten Mangel darstelle. Die Bereiche zwei und drei sollten eher als Bewertung und Hinweise gesehen werden, was man besser machen könne. Wichtig sei in jedem Fall, die SOPs und Arbeitsanweisungen aktuell zu halten!

Prof. Reinhard W.R. Loose, Institut für Medizinische Physik, Klinikum Nürnberg, stellte die neue Orientierungshilfe für bildgebende Verfahren der Strahlenschutzkommission vor. Diese finde man über SSK.de in digitaler Form; die vierte Auflage wurde Ende September 2025 verabschiedet. Sein Fazit: „Verwenden Sie die Orientierungshilfe wie Leitlinien. Wenn Sie davon abweichen, begründen Sie bitte, warum. Die Empfehlungen sind für typische Situationen gedacht. Eine Rechtfertigung muss immer für den einzelnen Patienten gelten. Die typischen Dosisdaten (im Median) sind niedriger als die DRW (7-Prozent-Perzentile).“ Die Dosisdaten seien damit gut für eine Patienteninformation geeignet, etwa der Vergleich mit der jährlichen natürlichen Exposition von circa 2 mSv. Die meisten Verfahren liegen mit der Patientenexposition unterhalb oder im Bereich der natürlichen Strahlenexposition, außer beim CT des Körperstamms und bei Interventionen.

Radiologie 2035

Von der Vision zur Umsetzung: Dem „Zukunftsprojekt Radiologie 2035“ galt eine abschließende Session. Prof. Dr. Christiane Kuhl konstatierte, wir lebten in disruptiven Zeiten – und für kaum ein Fach sei dies so bedeutsam wie für die Radiologie. „Wir sind Opfer unseres eigenen Erfolgs – Therapie erfordert Diagnose insbesondere aus der Bildgebung“, beschrieb die DRG-Präsidentin das Standing der Disziplin. „Trotzdem muss unser Dauerthema die Selbstvergewisserung sein.“ Allerdings verursache Unsicherheit Stress. Den Pinselstrichen der Rahmengeber ausgeliefert zu sein, vernichte zudem Planungs­sicherheit – ein Auslöser für Stress in dieser investiven Disziplin. Daher, so Kuhl, sei dieses Zukunftsprojekt nötig; mit Zielbild und Plan für die Radiologie könnten sich die Radiologen zurück in den ­„Driver’s Seat“ bewegen. „Langfristige Perspektiven für Praxen und Versorgung, bedarfsorientierte Allokation von Ressourcen“ – hierfür bereite das Zukunftsprojekt den Weg.

Videos vom RÖKO finden Sie unter: https://www.mtdialog.de/news-fachbeitraege/videos 

 

Entnommen aus MT im Dialog 07/2026

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