RadiologieKongress Ruhr 2025 – 
der Fortbildungskongress

Mirjam Bauer
Foto mit Blick in den Eingangsbereich
© M. Bauer
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Die Jahrestagung der Rheinisch-Westfälischen Röntgen­gesellschaft (= RadiologieKongress Ruhr) tagte am 13. und 14. November 2025 in der Dortmunder Westfalenhalle. Das vielfältige Programm erstreckte sich über alle Bereiche der Radiologie und richtete sich sowohl an Radiologinnen und Radiologen als auch an Technologinnen und Technologen (MTR).

Neben umfassenden Fortbildungsthemen konnten die Teilnehmenden in der Industrie­ausstellung verschiedene Innovationen und praxisnahe Lösungen erleben beziehungsweise diskutieren. Eine Pitchbühne in der Aus­stellung gab außerdem vielen, auch kleineren Anbietern, die Möglichkeit, sich dem zufälligen Publikum vorzustellen.

Soziale Medien und mehr …

Das MTR-Programm ließ keine Wünsche offen, unter dem Vorsitz des CT-Experten Alex Riemer und der Radiologie Enthusiastin Agata Epler (klassisches Röntgen) sorgten die Referenten für jede Menge Insights und Updates. Ein eher neuer Bereich heißt Radfluencer, dazu gehören einige MT. So erklärte Anja Fink in ihrem Vortrag und Video (QR-Code) „Von Insta ins Institut“, welche Möglichkeiten die sozialen Medien für Technologinnen und Technologen im Kontext Radiologie bieten. Die ehemalige MTR arbeitet heute als selbstständige Influencerin und vermittelte, dass die meisten MTR zwar Social Media nutzen, aber nicht unbedingt (sehr) aktiv sind. Oft haben sie wenig Erfahrung mit Portalen wie LinkedIn oder Instagram, und teilweise Angst vor Reaktionen. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) ermittelte, dass Jugendliche über Plattformen wie Insta­gram mit vielfältigen Informationen aus der Berufswelt in Kontakt kommen. Sie folgen Unternehmensprofilen, nehmen an ­virtuellen Berufsmessen teil und erhalten Einblicke in den Arbeitsalltag von Auszubildenden und Berufstätigen. Oft liken sie social-media-­affine Unternehmen mit aktiven Profilen und bewerben sich dort. Sie möchten dort arbeiten, wo es ihnen auf den ersten Blick gefällt.

Wichtig bei der Nutzung von sozialen Medien: Die strategische Nutzung benötigt Ziele und muss die richtigen Zielgruppen ansprechen. Durch Storytelling und Personal Branding kann man unterhalten und ferner Meinungen beeinflussen. Wenn man zusätzlich noch darauf achtet, Geschichten zu erzählen, die fesseln – mit spannenden Charakteren, Emotionen und Überraschungen – kann dem Fach­kräftemangel in dem spannenden Berufsfeld der MTR gegebenenfalls doch noch entgegengearbeitet werden. So gibt es radiologische Verbundpraxen in Düsseldorf, die seit zwei Jahren Posts verfassen, und aktuell täglich zwischen fünf und 20 Initiativbewerbungen erhalten. Auch die Patientinnen und Patienten liken die Beiträge der Praxen und werden zu Fans, weil sie genau in diesen Einrichtungen untersucht werden möchten.

Kommunikation in der Mammografie

Ada Yildiz referierte über Kommunikation in der Mammografie: Idealerweise sollte sie Vertrauen schaffen, Ängste abbauen und die Kooperation zwischen Untersuchenden und Patientin fördern. Das positive Kommunizieren ist besonders wichtig, weil die Mammografie eine emotionale Belastung darstellt, die mit Angst vor der Diagnose, der Sorge vor Schmerz oder Ungewissheit, teilweise aufgrund von unzureichenden Informationen, einhergeht. Dabei zeigen sich drei Arten von Frauen: die Ängstliche, die Anspruchsvolle und die Herausfordernde. Gerade bei der Letztgenannten ist es besonders wichtig, stets Ruhe zu bewahren. Alle Reaktionen der Patientinnen sind keine ­persönlichen Angriffe auf die MTR, sondern Schutzmechanismen. Erfahrene MTR reagieren empathisch und professionell: Sie erklären viel, reden langsam, nutzen wenig Fachbegriffe und geben positive Verstärkung, damit „die Untersuchung gemeinsam bestmöglich gelingt“.

 

MRT-Sicherheit mit Herzschrittmacher

Elif Yildirim vermittelte am Donnerstag, dass eine MRT-Untersuchung bei Patientinnen und Patienten mit Schrittmachern nicht mehr ver­boten ist, da sie nicht direkt tödlich verlaufen muss. Rund 50 bis 70 Prozent aller Schrittmacherträger benötigen im Lauf ihres Lebens ein MRT. Unter klaren Protokollen – etwa Monitoring, One-Stop-Workflow und SAR-Grenzwerten (für die spezifische Absorptionsrate) unter 2W/Kilogramm –, individueller Risikoabwägung in Zusammenhang mit der Kardiologie sowie ausführlicher Patientenaufklärung über seltene Symptome und einen Fallback-Plan sind MRT-Untersuchungen für diese Patientengruppe durchaus möglich. Vertiefende Informationen können über den neben stehenden QR-Code heruntergeladen werden. Wichtig: Immer nach Vorschrift und Workflow arbeiten!

Am Freitag widmete sich Yildirim der Praxisanleitung. Sie absolvierte diese Weiterbildung im Jahr 2021 und führt seitdem angehende MTR durch die Ausbildung. Eine der Hauptaufgaben als Praxisanleitende: Brücken schlagen zwischen den Generationen. Denn: Jede Generation hat eine eigene Prägung, die sich oft auf die Arbeitsweise auswirkt und auf die man sich vorbereiten sollte. Die ältere Genera­tion und die jüngere Generation müssen Zusprechungen machen und gegenseitiges Verständnis aufbringen, damit eine kooperative Zusammenarbeit möglich ist.

Eine weitere wichtige Säule in der Beziehung zwischen Praxisan­leitung und Auszubildenden ist das Feedback. In einem Feedback­gespräch sollte die eigene Wahrnehmung zur Arbeitsweise oder dem Verhalten der/des Auszubildenden widergespiegelt werden, bevor das eigentliche Feedback gegeben wird. So hat die Praxisanleitung die Chance, das Gespräch in eine gewünschte Richtung zu lenken. Direkte Kritik kann schnell zu einer Abwehrhaltung bei den Auszubildenden führen.

Eine weitere Möglichkeit ist es, positiv ins Feedback zu starten und positive Aspekte der Zusammenarbeit zu benennen, bevor die Korrekturwünsche angesprochen werden. Bei einem positiven Start ins Gespräch und beginnendem Lob fällt es oft leichter, die Kritik anzunehmen.

Am Ende, so Yildirim, sei es nicht die Aufgabe der Praxisanleitung, alle auf das gleiche Lerntempo zu bringen, sondern den individuellen Weg der Auszubildenden zu begleiten, damit am Ende der Ausbildung alle auf dem gleichen Stand sind.

 

Misshandlung bei Kindern und Babys

Die Radiologin Dr. Katja Glutig aus Dresden hielt einen wichtigen Vortrag zum Battered-Child- oder Shaken-Baby-Syndrom, das mit Schütteltraumasyndrom übersetzt wird. Es existieren daneben zahlreiche weitere Begrifflichkeiten. Die Symptome in weniger schweren Fällen sind häufig unspezifisch (etwa Erbrechen, Schläfrigkeit) und können als Enteritis, Infekt, Irritabilität oder Gedeihstörung fehlgedeutet werden. Meist werden die jungen Patientinnen und Patienten bewusstlos und bradykard, schlaff oder krampfend zur Aufnahme gebracht, wobei eine schlüssige Erklärung für den Zustand des Kindes nicht geboten werden kann. Häufige Schilderungen sind etwa: „Ich habe das Kind so vorgefunden“, „Es ist beim Füttern plötzlich blau angelaufen“ oder „Es ist vor drei Tagen von der Couch gefallen“. Aus gutachterlicher Sicht kompliziert werden Eingeständnisse, das angeblich plötzlich leblos vorgefundene Kind in einem Wiederbelebungsversuch geschüttelt zu haben.

Wichtig ist ein Nachweis oder Ausschluss des Schütteltraumas, das in der Bildgebung nach Kinderschutzleitlinie durchzuführen ist. Die Radiologie kann hier eine Schutzfunktion einnehmen, denn diese Situation betrifft weltweit circa ein Kind täglich. Die Ergebnisse sollten nicht direkt mit den Eltern, sondern mit dem Zuweiser diskutiert werden. In allen Entscheidungen gilt das Vieraugenprinzip, denn es könnte auch ein Zufallsbefund sein. Erneute Gefahrensituationen sollten auf jeden Fall verhindert werden. Daneben ist auf weitere Zeichen der Misshandlung zu achten; die Information an eine Kinderschutzgruppe sollte erfolgen. Mögliche Untersuchungsarten sind CT, MRT und Röntgen. Die Kinderschutzleitlinie bei Verdacht auf Misshandlung beinhaltet – aufgrund von fehlendem bezeugten akzi­dentellem Trauma oder zweifelhafter Anamnese – Indikationen wie ­Frakturen, Hämatome und intrakranielle Verletzungen für ein Röntgen-Skelettscreening. Unklare Verletzungen, insbesondere thermische, oder der Nachweis einer Misshandlung bei einem Geschwisterkind, sind genauer zu betrachten. Dabei kann es sich um Frakturen der Rippen, an den Extremitäten und am Schädel handeln. Jedes Hämatom bei einem prämobilen Säugling ist auffällig. Zudem gibt es intrakranielle Verletzungen wie subdurale Blutungen, zerebrale Diffusionsstörungen und Hirnödeme. Bei Kindern unter sechs Monaten sollte ein Röntgen-Skelettscreening und ein cMRT mit Funduskopie erfolgen, bei Kindern von sechs bis 36 Monaten ist das cMRT nur bei auffälligem Screening nötig. Bei älteren Kindern sollte die Indikation für das Röntgen-Skelettscreening im Einzelfall geprüft werden. Beim spinalen MRT gibt es eine Ergänzung der Gesellschaft für Pädiatrische Radiologie e.V. zum effizienten praktischen Vorgehen im Alltag; sie empfehlen die Planung der Untersuchung und Lagerung des Kindes als MRT von Schädel und Wirbelsäule. Bei einem normalen intra­kraniellen Befund kann die Untersuchung der Wirbelsäule unterbleiben. Diese Entscheidung soll durch einen erfahrenen Untersucher erfolgen. Die Bildgebung kann zwar einen Hinweis auf das Alter der subduralen Hämatome oder Diffusionsstörungen geben, aber keinen sicheren Beweis. Das Röntgen-Skelettscreening bei begründetem Verdacht auf körperliche Misshandlung eines Kindes sollte umfassend und standardisiert erfolgen. Folgende Einzelaufnahmen sollen durchgeführt werden: Schädel anterior-posterior und seitlich, Thorax ­anterior-posterior, Oberarm anterior-posterior links, Oberarm anterior-posterior rechts, Unterarm anterior-posterior links, Unterarm anterior-posterior rechts, Hand posterior-anterior links, Hand posterior-anterior rechts, Oberschenkel anterior-posterior links, Oberschenkel anterior-posterior rechts, Unterschenkel anterior-­posterior links, Unterschenkel anterior-posterior rechts, Fuß dorso-plantar links und Fuß dorso-plantar rechts.

In Abhängigkeit vom Befund der oben beschriebenen Einzelaufnahmen sollen weitere Röntgenaufnahmen durchgeführt werden: Falls keine Rippenfrakturen detektiert wurden, sollen zusätzlich Aufnahmen von Thorax schräg links und schräg rechts erfolgen. Falls eine oder mehrere Frakturen detektiert wurden, sollten die Wirbel­säule seitlich und die Hüften anterior-posterior erfolgen.

Die Take-Home-Messages der Radiologin lauten:

  • Bei Verdacht auf Kindesmisshandlung mit zerebraler Beteiligung ist eine MRT des Hirns obligat, ergänzt um eine MRT der Wirbelsäule im Falle pathologischer Befunde (starke Empfehlung).

  • Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule und des Beckens gehören nicht mehr zum primären Skelettscreening, sondern werden nur ergänzend im Falle von Frakturen angefertigt.

  • Schrägaufnahmen des Thorax sollen ergänzend durchgeführt werden, wenn der begründete Verdacht auf eine Misshandlung besteht, aber im Skelettscreening keine Fraktur nachweisbar ist.

  • Das Skelettscreening soll (ohne Schädelaufnahmen) nach elf bis 14 Tagen wiederholt werden, wenn keine Frakturen nachweisbar sind, aber weiterhin der begründete Verdacht auf eine Kindesmisshandlung besteht.

Das magische Dreieck der Kommunikation

Wie der Titel des Vortrags „Magisches Dreieck der Kommunikation“ bereits andeutete, wurden die Anwesenden von Michael Keller in die Magie der Kommunikation eingeführt. Schwierige Patientinnen und Patienten – oder auch Kolleginnen und Kollegen – begleiten den Arbeitsalltag der MT, vor allem im direkten Kontakt bei CT- oder MRT-Untersuchungen et cetera. Eine starke Resilienz hilft, mit jedem Menschen umzugehen und die mögliche Negativität des Gegenübers nicht in sich aufzunehmen. Wer erkennt, anstatt zu reagieren, ist im Vorteil: Die Probleme anderer sollte man nicht auf die eigene Person adaptieren. Durch empathische Kommunikation kann das Gegenüber besser erreicht werden. Dabei ist die Körpersprache ein wichtiges Indiz, um zu erkennen, ob die eingeschlagene Strategie funktioniert oder nicht.

Funktioniert sie nicht und die Situation bleibt herausfordernd, sollte man die Strategie ändern und resilient bleiben. Um die Resilienz zu verstärken, nannte Keller wirksame Methoden wie den Loop der Selbstreflexion: dabei wird sich die eigene Gefühlslage bewusst gemacht. Besteht ein Handlungsbedarf oder ist alles okay? Dies kann direkt morgens nach dem Aufstehen oder nach schwierigen Situationen erfolgen. Besteht Handlungsbedarf, helfen etwa Übungen zur Muskelentspannung und Dankbarkeit oder Meditation, eine gute Basis zu schaffen. Resilienz ist eine Art Depot, das man füllen muss. Ist das Depot leer, fällt es viel schwerer, kritische Situationen sachlich zu begleiten.

Sobald ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, können Situationen wertfreier wahrgenommen und die Sicht auf die jeweilige Situation kann verändert werden. Im Beispiel von Keller „Drama oder Comedy?“ kann die gleiche Situation entweder mit einem komödiantischen Blickwinkel betrachtet werden: „Die Person regt sich wirklich immer noch auf“ oder als Drama: „Meine Güte, jetzt hören Sie doch mal auf zu meckern!“ Auch diese Strategie hilft, die eigene Resilienz zu bewahren und das Depot nicht zu leeren.

 

Entnommen aus MT im Dialog 01/2026

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