Resilienz, ein altes Konzept, 
aber ganz stark im Fokus

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Begrifflicher Ursprung: Der Begriff Resilienz wurde bereits in den 1950er-Jahren vom US-­Psychologen Jacob Block beschrieben, später von Norman Garmezy im Bereich der kindlichen Entwicklung weitergeführt. Die Entwicklungspsychologin Emmy E. Werner gilt als zentrale Figur für den ­Bildungskontext. Ihre Langzeitstudie auf Kauai zeigte, wie Kinder trotz Armut und familiärer Belastungen resilient aufwuchsen – ein Meilenstein für Pädagogik und Bildungsforschung.

Ab den 1980er-Jahren etablierte sich Resilienz in der Erziehungswissenschaft, etwa durch Glen Elders Werk „Children of the Great Depression“ (1974) zu Bildungsbiografien und Bewältigungsstrategien.

Resilienz im Kontext von Mental Health

Resilienz bezeichnet im Kontext von Mental Health die psychische Widerstandsfähigkeit eines Menschen, die es ermöglicht, unter Be­lastungen funktionsfähig zu bleiben, sich anzupassen und sich nach Krisen zu erholen [1]. Für das Gesundheitswesen – und hier insbesondere für Lehrende in den medizinisch-technischen Ausbildungen (MT-Berufe) sowie Praxisanleitende in Labor, Radiologie oder Funk­tionsdiagnostik – ist Resilienz ein zentrales Handlungs- und Bildungsziel, weil sie die mentale Gesundheit von Fachpersonen schützt und damit mittelbar auch die Qualität diagnostischer und therapeutischer Prozesse sichert [2].

Resilienz in den MT-Berufen

Resilienz fungiert als protektiver Faktor, der den Zusammenhang ­zwischen berufsbezogenen Stressoren und psychischen Störungen moderiert, indem er adaptive Bewertungs- und Bewältigungsprozesse unterstützt [3]. In Studien zu Gesundheitspersonal zeigt sich konsistent, dass höhere Resilienz mit geringerer Depressivität, Angst und emotionaler Erschöpfung sowie mit höherer Arbeitszufriedenheit korreliert [2, 4]. Diese Befunde lassen sich auf MT-Berufe übertragen, da auch hier hohe kognitive Anforderungen, Zeitdruck, Verantwortung für Befundqualität und Umgang mit schwer erkrankten Pa­tientinnen und Patienten zentrale Belastungsquellen darstellen [5]. ­Gerade in MT-Tätigkeiten, in denen Fehlbefunde weitreichende ­therapeutische Konsequenzen haben können, ist eine stabile, aber zugleich flexible psychische Funktionsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Resiliente MT-Fachpersonen nutzen eher adaptive Coping­strategien, etwa strukturierte Problemlösung, kollegiale Rücksprache oder reflektierende Fehleranalysen, statt in Vermeidungsverhalten oder Resignation zu verfallen [1].

Bedeutung für Lehrende und Praxisanleitende

Lehrende an Schulen und Akademien der MT-Berufe sowie Praxisanleitende in Laboratorien, radiologischen Einrichtungen oder weiteren Funktionsbereichen sind Schlüsselfiguren der Professionalisierung, da sie sowohl fachlich-technische Kompetenzen als auch professionelle Haltungen vermitteln [2, 5]. Sie agieren als Rollenmodelle dafür, wie mit Fehlern, Leistungsdruck, technologischen Veränderungen und organisationalen Spannungen konstruktiv umgegangen werden kann. Verfügen Lehrende selbst über ausgeprägte Resilienz, zeigt sich dies typischerweise in einem reflektierten Umgang mit Belastungen, einer konstruktiven Fehlerkultur sowie der Fähigkeit, auch unter hohem Druck eine lernförderliche Atmosphäre aufrechtzuerhalten [1].

Für das DIW-MTA und ähnliche Einrichtungen bedeutet dies, dass Resilienzförderung nicht nur als individuelles „Nice-to-have“, sondern als strukturelles Qualitätskriterium der MT-Bildung zu verstehen ist. Curricula, die Reflexionsräume (zum Beispiel Fallbesprechungen, Supervision), Schulungen in Selbstfürsorge und Achtsamkeit, Training von Selbstwirksamkeitserleben und lösungsorientierter Kommunikation integrieren, stärken sowohl die Resilienz der Lehrenden und Praxisanleitenden als auch die der Auszubildenden [2]. Lehrende der MT-Ausbildungen beeinflussen zudem das „implizite Curriculum“: Lernende beobachten, wie mit Zeitdruck bei Geräteausfällen, mit kritischen Befunden oder mit interprofessionellen Konflikten umgegangen wird – und übernehmen diese Muster als Teil ihres Professionshabitus [3].

Für die didaktische Arbeit von Bildungseinrichtungen bedeutet das Thema Resilienz, vor allem in der Abgrenzung zum positiven Umgang mit Belastungsfaktoren, dass Bildungsangebote nicht bei der Vermittlung einzelner Stressbewältigungstechniken stehen bleiben sollten, sondern auf die Entwicklung eines resilienten Professions­habitus zielen: einer professionellen Haltung, die Selbstfürsorge ­legitimiert, Fehler als Lernchancen begreift und Belastungen in eine langfristige Kompetenzentwicklung integriert [2, 5].

DACH-Symposium 2026

Sie möchten mehr zu diesen Themen erfahren? Dann laden wir Sie herzlich zum DACH-Symposium 2026 ein! Seien Sie am 8.–9. Juni 2026 am Gesundheitscampus Potsdam dabei, wenn wir das Thema „Wirksam lehren, resilient lernen – Vom Umgang mit Komplexität, Vielfalt und Lernkultur“ vertiefen. Gemeinsam möchten wir Wege aufzeigen, wie eine Lernkultur gelingen kann, die sowohl fachliche Qualität als auch die persönliche Widerstandsfähigkeit im Blick behält (weitere Infos mit dem QR-Code).


Literatur

1. Southwick SM, Charney D: Resilience: The science of mastering life’s greatest challenges. 2nd ed. Cambridge: Cambridge University Press 2018.

2. Bengel J, Lyssenko L: Resilienz und psychologische Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit. Freiburg: Universität Freiburg 2012.

3. Rutter M: Resilience as a dynamic concept. Development and Psycho­pathology 2012; 24 (2): 335–44.

4. West CP, Dyrbye LN, Shanafelt TD: Physician burnout: Contributors, consequences and solutions. Journal of Internal Medicine 2016; 283 (6): 516–29.

5. Heinen I, Bullinger M, Kocalevent RD: Resilienz im Gesundheitswesen – ein systematischer Überblick. Bundesgesundheitsblatt 2020; 63 (6): 714–22.

 

Entnommen aus MT im Dialog 03/2026

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