Bessere Versorgung für Menschen mit invasiven Pilzinfektionen

mb
Lunge, die von Pilzbefall betroffen ist.
© Dr_Microbe/stock.adobe.com
Newsletter­anmeldung

Bleiben Sie auf dem Laufenden. Der MT-Dialog-Newsletter informiert Sie jede Woche kostenfrei über die wichtigsten Branchen-News, aktuelle Themen und die neusten Stellenangebote.

Formularfelder Newsletteranmeldung

* Pflichtfeld

Ein neues Forschungsprogramm zielt darauf ab, ein neues Versorgungskonzept für Menschen mit invasiven Mykosen zu entwickeln. Diese seltenen, häufig lebensbedrohlichen, Pilzinfektionen betreffen insbesondere Immungeschwächte und Vorerkrankte.

Im Rahmen des Programms „Versorgungsforschung einstufig“ fördert der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ein Forschungsprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Patienten mit invasiven Pilzinfektionen. Das Projekt ist auf dreißig Monate angelegt und erhält Fördermittel über etwa eine Million Euro. Ziel: Die Entwicklung eines neuen Versorgungskonzepts für Menschen mit invasiven Mykosen – das sind seltene, aber häufig lebensbedrohliche Pilzinfektionen. 

Diagnostik und Therapie häufig komplex

Dr. Jannik Stemler, Klinik I für Innere Medizin des Universitätsklinikums Köln, leitet die „Versorgung invasiver Mykosen in Deutschland – Analyse der Ist-Situation und des Bedarfs zur Implementierung eines neuen Versorgungskonzeptes“ (MYK-IMPAKT). Beteiligt sind zudem Professor Dr. Oliver A. Cornely, Direktor des Instituts für Translationale Forschung am Exzellenzcluster CECAD der Universität zu Köln, und Ingo Meyer, Leiter der PMV-Forschungsgruppe am Universitätsklinikum Köln (UK).

Invasive Pilzinfektionen betreffen häufig schwer immungeschwächte Patienten, die Organtransplantationen erhalten haben, an Krebs erkrankt sind oder intensivmedizinisch behandelt werden. Die Erkrankungen gelten als medizinisch besonders herausfordernd, da Diagnostik und Therapie häufig komplex sind und schnelle fachübergreifende Entscheidungen erfordern.

Stimmen aus Köln

„Herzlichen Glückwunsch an Oliver Cornely und seine Kolleginnen und Kollegen zum Erhalt der Förderung. Das Forschungsprojekt MYK-IMPAKT evaluiert die Versorgung invasiver Pilzinfektionen – ein häufig unterschätztes medizinisches Problem. Die Kölner Expertise auf dem Gebiet der Pilzerkrankungen kann hier dazu beitragen, Menschen mit Pilzinfektionen künftig besser zu versorgen“, sagt Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln. „Wir sehen in der klinischen Praxis täglich, wie schwierig die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit invasiven Pilzinfektionen sein kann“, erklärt Dr. Stemler. „Mit MYK-IMPAKT wollen wir erstmals systematisch untersuchen, wie diese Patientinnen und Patienten in Deutschland tatsächlich versorgt werden, wo Versorgungslücken bestehen und wie ein neues, strukturiertes Versorgungskonzept die Behandlung verbessern kann.“

Informationen zum Projekt

Das Projekt verfolgt zwei zentrale Ziele: Zum einen wird die Versorgungssituation invasiver Mykosen in Deutschland umfassend analysiert. Untersucht werden Krankheitsprävalenz, Morbidität, Mortalität, Behandlungsverläufe sowie die Nutzung ambulanter und stationärer Leistungen. Zum anderen soll gemeinsam mit Ärzten, Patienten und weiteren Akteuren des Gesundheitswesens ein neues Versorgungskonzept entwickelt werden.

Die Forschenden greifen dabei auf umfangreiche Routinedaten gesetzlicher Krankenkassen zurück – etwa von Barmer und DAK – sowie auf Daten des Forschungsdatenzentrums Gesundheit. So sollen jährlich rund 8.000 Patienten mit invasiven Mykosen in Deutschland analysiert werden. „Diese Daten erlauben es uns, ein umfassendes Bild der aktuellen Versorgung von invasiven Mykosen zu gewinnen. So können wir verstehen, wie es in Zukunft besser laufen sollte“, sagt Ingo Meyer, dessen Forschungsgruppe diese Auswertungen durchführt. „Unser Ziel ist eine bessere Versorgung im Sinne des Quadruple Aim – bessere Behandlungsergebnisse, eine höhere Versorgungsqualität, effizientere Ressourcennutzung und gleichzeitig eine Entlastung der Behandelnden“, sagt Professor Cornely. „Die Förderung durch den G-BA unterstreicht die hohe Relevanz invasiver Pilzinfektionen für das Gesundheitssystem.“

Mykose-Board eingerichtet

Die Entwicklung des neuen Versorgungskonzeptes baut auf den langjährigen Erfahrungen des von der European Confederation of Medical Mycology (ECMM) ausgezeichneten Europäischen Exzellenzzentrums für Invasive Pilzinfektionen am UK auf. Das dort etablierte ECMM-Expertenkonsil hat sich in den vergangenen Jahren als zentrale Anlaufstelle für die evidenz- und erfahrungsbasierte Beratung behandelnder Ärzte etabliert. Zwischen August 2021 und Juli 2025 gingen am Kölner ECMM-Exzellenzzentrum 543 nationale und internationale Beratungsanfragen ein, überwiegend zu schweren Infektionen durch Aspergillus-, Candida- oder Mucorales-Arten. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurde 2024 zusätzlich eine interdisziplinäre Fallkonferenz, das Mykose-Board, eingerichtet, in dem Experten aus Infektiologie, Radiologie, Mikrobiologie, Chirurgie und Pathologie komplexe Fälle gemeinsam diskutieren. Die Erkenntnisse aus diesen klinischen Beratungsstrukturen werden nun erstmalig systematisch in die Entwicklung einer neuen Versorgungsform für Deutschland einfließen.

Quelle: idw/Uni zu Köln

Artikel teilen

Online-Angebot der MT im Dialog

Um das Online-Angebot der MT im Dialog uneingeschränkt nutzen zu können, müssen Sie sich einmalig mit Ihrer DVTA-Mitglieds- oder Abonnentennummer registrieren.

Stellen- und Rubrikenmarkt

Möchten Sie eine Anzeige in der MT im Dialog schalten?

Stellenmarkt
Industrieanzeige