Chronisch traumatische Enzephalopathie: PET zum Nachweis?
CTE tritt häufig bei Kontaktsportlern, Kriegsveteranen und Opfern von zwischenmenschlicher oder partnerschaftlicher Gewalt auf, die mehrere Schädel-Hirn-Traumen (SHT) erlitten haben. Personen mit Verdacht auf CTE leiden häufig unter psychischen Folgen wie kognitivem Abbau, Stimmungsschwankungen, Impulsivität und Demenz. Das Problem: Derzeit kann CTE nur postmortal durch eine neuropathologische Untersuchung sicher diagnostiziert werden. Deshalb wäre ein Biomarker für das lebende Gehirn wichtig. Ein Forschungsteam hat nun ein neuartiges PET-Bildgebungsverfahren vorgestellt, das einen Biomarker für die chronisch traumatische Enzephalopathie (CTE) präzise nachweisen soll. Anstatt bis zum Tod auf eine endgültige Diagnose zu warten, soll dieser Bildgebungs-Biomarker das Potenzial haben, Patienten bereits zu Lebzeiten zu diagnostizieren. Dies könnte dann eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung klinischer Studien zur Entwicklung von CTE-Therapien spielen. Die Forschungsergebnisse wurden auf der Jahrestagung 2026 der Society of Nuclear Medicine and Molecular Imaging (SNMMI) in Los Angeles vorgestellt.
Hirn-PET mit 18F-OXD-2314
„Postmortal wird CTE durch den Nachweis von Tau-Plaques im Gehirn bestätigt“, so Dr. Isabelle Boileau, leitende Wissenschaftlerin und stellvertretende Direktorin des Brain Health Imaging Centre sowie Leiterin der Addiction Imaging Research Group am Centre for Addiction and Mental Health in Toronto. „Die bestehenden Tau-PET-Tracer wurden jedoch größtenteils für die Alzheimer-Krankheit entwickelt und erfassen die charakteristische Tau-Pathologie bei CTE möglicherweise nicht ausreichend.“ In der Studie untersuchten die Forscherinnen und Forscher einen neuen Tau-PET-Radiotracer hinsichtlich seiner Fähigkeit, Tau-Plaques bei Patienten mit Verdacht auf CTE nachzuweisen. Drei ehemalige Kontaktsportler und sieben gesunde Kontrollpersonen unterzogen sich einer dynamischen Hirn-PET mit 18F-OXD-2314. Die Tau-Verteilungsmuster wurden analysiert und spezifische Hirnregionen untersucht. Zusätzliche Studien wurden durchgeführt, um die Bindung von 3H-OXD-2314 in postmortalem CTE-Gewebe zu untersuchen.
Biomarker für die Diagnose von CTE in vivo?
Im Vergleich zu gesunden Kontrollpersonen hätten die Aufnahmen von Personen mit Verdacht auf CTE eine erhöhte Aufnahme von 18F-OXD-2314 an der Grenze zwischen grauer und weißer Substanz sowie in der weißen Substanz gezeigt. Darüber hinaus sei das 3H-OXD-2314-Signal in allen untersuchten postmortalen CTE-Fällen beobachtet worden, was eine erste biologische Bestätigung dafür liefere, dass der Tracer an die Tau-Pathologie im menschlichen CTE-Gewebe bindet. „Sollte sich 18F-OXD-2314 bestätigen, könnte es den ersten präzisen Biomarker für die Diagnose von CTE in vivo liefern“, sagte Boileau. „Diese Arbeit könnte zudem die klinische Bedeutung der PET bei traumatischen Hirnverletzungen sowie sport- und militärbedingter Neurodegeneration begründen und die Entwicklung von Tau-Radiopharmaka der nächsten Generation anstoßen, die für Tauopathien, die nicht mit der Alzheimer-Krankheit zusammenhängen, einschließlich CTE, optimiert sind.“ Obwohl sich dieses Radiopharmakon noch in der frühen klinischen Forschungsphase befinde, seien die Daten sowohl bei Patienten mit Verdacht auf CTE als auch bei anderen Tauopathien, die nicht mit der Alzheimer-Krankheit zusammenhängen, sehr vielversprechend. Die PET-Bildgebung für CTE könnte Patienten – vorbehaltlich weiterer Studien – bereits in den nächsten zwei Jahren zur Verfügung stehen, hofft Boileau.
Quelle: SNMMI
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