Viele Menschen leiden unter verkalkten Gefäßen, die die Beine oder das Herz schlecht durchbluten. Sogenannte atherosklerotische Verschlusskrankheiten zählen zu den häufigsten Ursachen für chronische Durchblutungsstörungen und funktionelle Einschränkungen. Aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) werden in Deutschland jährlich mehr als 18.500 Amputationen oberhalb des Knöchels durchgeführt. Dies soll sich künftig ändern. Die Präsidenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB), Prof. Dr. Hans-Uwe Simon, und der Technischen Hochschule Brandenburg (THB), Prof. Dr. Andreas Wilms, haben in der vergangenen Woche das gemeinsame von der EU geförderte Projekt „ECMAdigital“ vorgestellt - ein Programm zur besseren Behandlung von Gefäßerkrankungen.
Gezielte Stimulation von Muskeln und Gefäßen
Durch eine frühzeitige Diagnostik, strukturierte Prävention und eine gezielte Therapie könnten schwere Verläufe in vielen Fällen vermieden werden. Hier will das gemeinsam von der MHB und der THB entwickelte Projekt „ECMAdigital“ ansetzen. Ziel soll es sein, neue digitale und personalisierte Therapieansätze zu entwickeln und in die Versorgung zu überführen. Grundlage des Projekts ist ein von der MHB entwickeltes, äußerlich anwendbares Verfahren zur gezielten Stimulation von Muskeln und Gefäßen. Dabei wird der Blutfluss mithilfe von Manschetten an den Extremitäten gesteuert und zeitweise beschleunigt. Durch diese kontrollierten Strömungsreize werden die Arterien ähnlich belastet wie bei intensiver körperlicher Aktivität. „Die Therapie imitiert gewissermaßen die positiven Effekte von Ausdauertraining auf die Gefäße, ohne dabei die Patientinnen und Patienten körperlich stark zu belasten. Diese sogenannte Flussmedizin eignet sich insbesondere für Patientinnen und Patienten, die krankheitsbedingt nicht ausreichend trainieren können oder bereits in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, erklärt PD Dr. Philipp Hillmeister, Leiter des Projekts auf Seiten der MHB.
Personalisierte Empfehlungen zur Optimierung der Therapie
Als ein Effekt dieses „Trainings“ werde die Gefäßregeneration angeregt und es komme zur Neubildung kleiner Umgehungsgefäße, die die Durchblutung nachhaltig verbessern, so die Verantwortlichen. Der Erfolg einer solchen Therapie bleibe jedoch begrenzt, wenn sie nicht im Rahmen eines patientenzentrierten Ansatzes erfolge. „Es hat sich zunehmend gezeigt, dass nachhaltige Behandlungserfolge vor allem dann erreicht werden, wenn individuelle und personalisierte Therapiekonzepte verfolgt werden, die neben dem Gefäßstatus auch den Lebensstil, die Lebenssituation sowie körperliche und seelische Faktoren der Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Diese Patientendaten werden dazu in einer Datenbank systematisch erfasst und durch ein spezielles diagnostisches Verfahren ergänzt. Auf dieser Grundlage sollen dann mithilfe von KI-Analysen und Machine-Learning-Verfahren personalisierte Empfehlungen zur Optimierung der Therapie generiert werden“, erklärt Prof. Dr. Andreas Johannsen von der THB die technische Seite des Vorhabens.
Quelle: idw/Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
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