Klimawandel bedroht Hirngesundheit

Additive Effekte möglich
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Ältere Frau sitzt am Boden und leidet unter der Hitze.
© New Africa/stock.adobe.com
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Die World Stroke Organization warnt vor einer zunehmenden Bedrohung der Hirngesundheit durch den Klimawandel.

In einer wissenschaftlichen Stellungnahme, die im International Journal of Stroke veröffentlicht wurde, fasst die World Stroke Organization die neuesten Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Schlaganfall und den durch den Klimawandel verstärkten Umweltfaktoren zusammen. Zu diesen Faktoren werden extreme Temperaturen, Temperaturschwankungen, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck, Waldbrände sowie Staub- und Sandstürme gezählt. Schlaganfall ist weltweit weiterhin eine der häufigsten Ursachen für Erkrankungen und Todesfälle. 89 Prozent der Fälle treten in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen auf, wobei der ischämische Schlaganfall die häufigste Form des Schlaganfalls sei. Die leitende Autorin der Studie, Professor Anna Ranta vom Fachbereich Medizin der Universität Otago in Wellington, Neuseeland, und Vorstandsmitglied der World Stroke Organization, erklärt, dass ein instabiles Klima sowohl das Risiko für einen Schlaganfall als auch das Sterberisiko erhöhe.

Additive Effekte durch kombinierte Wetterereignisse

Ranta betont, dass Temperaturextreme und rasche Schwankungen von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck physiologische Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. Hohe Temperaturen könnten zu Dehydrierung führen, das Blut verdicken und das Risiko verstopfter Blutgefäße erhöhen, während Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und des Luftdrucks den Blutdruck steigern könnten – eine wichtige Ursache für Schlaganfälle. Ranta erklärt, dass kombinierte Wetterereignisse, wie extreme Hitze und Dürre oder Kälte, hohe Luftfeuchtigkeit und starker Wind, einen additiven Effekt haben können und das Schlaganfall- und Sterberisiko weiter erhöhten. Daneben sei Luftverschmutzung ein weiterer wichtiger Faktor für das erhöhte Schlaganfallrisiko. Weltweit könnten mehr als 20 Prozent der Schlaganfälle auf Luftverschmutzung zurückgeführt werden. 

Auswirkungen von Luftschadstoffen

Zwar wird hervorgehoben, dass Verkehrs- und Industrieemissionen primär Ursache und nicht Folge des Klimawandels seien, doch stünden die Zunahme von Häufigkeit und Intensität von Waldbränden sowie Sand- und Staubstürmen in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel. Die Feinstaubpartikel der Luftschadstoffe können dann über die Lunge in den Blutkreislauf gelangen und können die Blutgefäßwände schädigen. Dies könne zu verstopften oder geplatzten Hirnarterien und somit zu einem Schlaganfall führen. Ältere Erwachsene, beruflich stark beanspruchte Personen und Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen haben demnach ein erhöhtes Schlaganfallrisiko durch diese Umweltfaktoren. Die World Stroke Organization betont, dass verstärkte Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen unerlässlich seien, um die umweltbedingten Risikofaktoren für Schlaganfälle zu verringern und die langfristige Hirngesundheit der Bevölkerung zu schützen.

Empfehlungen der Organisation

Zu den wichtigsten Empfehlungen der World Stroke Organization zählen deshalb verstärkte Bemühungen zur Reduzierung von CO₂-Emissionen durch die Förderung sauberer Energie, eine pflanzenreiche Ernährung und aktive Mobilität weltweit. Zudem sollten die Patienten über wetterbedingte Auswirkungen auf die Gesundheit aufgeklärt werden. Temperatur- und andere klimabezogene Warnmeldungen sollten in elektronische Patientenakten von Krankenhäusern und die öffentliche Kommunikation integriert werden. Zudem sollte die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen meteorologischen Diensten, Umweltwissenschaftlern, Stadtplanern und Rettungsdiensten zur Entwicklung koordinierter Strategien für Vorsorge, Frühwarnung und Reaktion auf klimabedingte Schlaganfallgefahren gestärkt werden.

Literatur:
Saad A,  Khan M, Ranta A: et al.: Stroke and climate change: A World Stroke Organization scientific statement. International Journal of Stroke, 2026, OnlineFirst, DOI: doi.org/10.1177/17474930261436535.

Quelle: Universität Otago

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