Von Ebola bis Hanta: die globale Gesundheitslage

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Ein Virus als Handgranate.
© freshidea/stock.adobe.com
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Die Ausbrüche des Andes-Hantavirus und des Bundibugyo-Ebolavirus waren und sind Warnsignale. Das Risiko von Häufungen und Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten ist hoch und nimmt zu.

Beim 17. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2026) erläuterte Prof. Dr. med. Torsten Feldt, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG) und Bereichsleiter Tropenmedizin am Universitätsklinikum Düsseldorf, in einer Pressekonferenz die globale Gesundheitslage bei viralen Infektionskrankheiten.

Die Ausbrüche des Andes-Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff und des Bundibugyo-Ebolavirus in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) waren und sind Warnsignale. Das Risiko von Häufungen und Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten ist hoch und nimmt zu. Begünstigt wird dies durch den Klimawandel, Eingriffe in Ökosysteme, internationale Mobilität und fragile Gesundheitssysteme. Für beide dieser durch Viren hervorgerufenen Erkrankungen existieren trotz langjähriger Kenntnis der Erreger keine Therapieoptionen oder Impfungen. „Die Forschung zu Erkrankungen durch hochpathogene Erreger und zur Pandemieprävention muss intensiviert und stärker gefördert werden“, sagt Dr. Feldt.

Häufiger damit zu rechnen

Die aktuellen Infektionen sind eine wichtige Erinnerung daran, dass wir künftig häufiger mit solchen Ereignissen rechnen müssen. Auch wenn diese in entfernten oder entlegenen Regionen der Welt auftreten, können sie Deutschland und Europa schnell betreffen. Es gibt kaum noch isolierte Ausbruchsgeschehen. Internationale Mobilität, medizinische Evakuierungen und globale Vernetzung können dazu führen, dass innerhalb weniger Tage hierzulande spezialisierte Strukturen benötigt werden. Das zeigten der Hantavirus-Ausbruch, bei dem deutsche Kontaktpersonen ausgeflogen und in Deutschland betreut werden mussten und der Ebola-Ausbruch, bei dem Deutschland um Unterstützung bei der Versorgung internationaler Erkrankter gebeten wurde. In beiden Fällen mussten innerhalb kürzester Zeit nach Bekanntwerden der Ausbrüche Hochrisiko-Kontaktpersonen und Patienten in spezialisierten Einheiten versorgt werden.

Spezialisierte Zentren unterstützen

Deutschland ist auf die Versorgung einer begrenzten Zahl von Patientinnen und Patienten mit hochkontagiösen, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten sehr gut vorbereitet. Sieben über Deutschland verteilte Sonderisolierstationen genießen auch international eine hervorragende Reputation. Transport, Aufnahme und Versorgung haben in den aktuellen Fällen reibungslos funktioniert – weil die spezialisierten Einrichtungen gut vorbereitet sind, klare Abläufe etabliert haben und diese regelmäßig trainieren. Diese gute Reaktionsfähigkeit auf solche Fälle müssen aufrechterhalten und ausgebaut werden.

Das gilt auch für die Stärkung der Entwicklungszusammenarbeit mit den betroffenen Ländern Subsahara-Afrika und anderen LMIC (low- and middle-income countries) weltweit. Unzureichende und vernachlässigte Gesundheitssysteme sowie politische Instabilität in den möglichen Ausbruchsgebieten für High Consequence Infectious Diseases (HCID: Ebola, Marburg und Lassa) begünstigen die unkontrollierte Ausbreitung und erhöhen das Risiko von Importen nach Europa. Hier ist dringend eine dauerhafte Stärkung der lokalen Gesundheitssysteme entscheidend, um die Fähigkeiten zur frühen Erkennung und wirksamen Eindämmung solcher Ausbrüche zu verbessern.

Gute Vorbereitung leistet die DTG (www.dtg.org) mit ihren Aktivitäten und Angeboten, wie die Erstellung und Unterstützung von Therapieempfehlungen und Leitlinien, die Stärkung von internationalen Netzwerken und Forschungskooperationen sowie der Forschung zu vernachlässigten Erkrankungen (mit Pandemiepotenzial), die Bereitstellung aktueller Informationen zur Epidemiologie von Ausbruchsgeschehen, die Stärkung der politischen Unterstützung und die Sicherstellung der tropenmedizinischen Expertise in den verschiedenen Netzwerken.

Aktuelle Herausforderungen und offene Fragen

Finanzielle Mittel für die Forschung zu seltenen Erkrankungen mit Ausbruchspotenzial sind sehr limitiert. Auch die Kürzungen der weltweiten Mittel für humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit der letzten Jahre haben die Gesundheitssysteme in den Ausbruchsländern (hier: DR Kongo) erheblich geschwächt und den Boden für unkontrollierte Ausbrüche bereitet. Sparmaßnahmen im deutschen Gesundheitssystem gefährden die Vorhaltung von Reservekapazitäten bei Personal und Infrastruktur, die für die Bewältigung von außergewöhnlichen Ereignissen erforderlich sind.

Weitere Erreger mit Ausbruchs- oder Pandemiepotenzial sind noch unzureichend erforscht. Neben den hämorrhagischen Fieberviren wie Ebola, Marburg, Lassa, Krim-Kongo und Hanta sind es hochpathogene aviäre Influenzaviren, Nipah-Viren, Coronaviren, Orthopoxviren (Mpox), Arboviren (Dengue-, Chikungunya-, Zika-) und das West-Nil-Virus. Besonders wichtig sind Plattformtechnologien: Impfstoff-, Antikörper-, antivirale und Diagnostik-Plattformen können so aufgebaut werden, dass sie bei neuen oder wiederauftretenden Erregern schneller angepasst werden können. Die Erfahrungen aus der SARS-CoV-2-Pandemie haben gezeigt, wie wertvoll solche Plattformen sein können.

Forschung zu vernachlässigten Tropenkrankheiten ist keine Nischenforschung, sondern Teil globaler Gesundheits- und Pandemiesicherheit. Diese Investitionen schützen nicht nur die unmittelbar betroffenen Länder, sondern verbessern auch die Reaktionsfähigkeit Europas. Oft wird unterschätzt, wie lang der Weg von einem bekannten Erreger zu einem verfügbaren und zugelassenen Medikament oder Impfstoff ist. Ohne vorbereitete Studienkonzepte und Netzwerke, Produktionskapazitäten, regulatorische Konzepte und internationale Kooperationen geht im Ausbruchsfall wertvolle Zeit verloren.

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