Vorsicht vor Meningitisfällen

Ausbruch in England als Mahnung
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Buchstaben, die das Wort Meningitis bilden und ein Stethoskop auf einem Tisch.
© tutul_1410/stock.adobe.com
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Auch bei der Meningitis gilt „Time is Brain“. Angesichts der aktuellen Meningitisfälle in Südengland erinnert die DGN an die Bedeutung der Impfung gegen Meningokokken: Diese könne jeden einzelnen schützen.

Am 18.3. hatte die UK Health Security Agency für UK 15 labordiagnostische Meningitis-Fälle (Neisseria meningitidis B) bestätigt und 12 Meldungen werden noch untersucht, womit die Gesamtzahl auf 27 steigt. Zwei Menschen waren beim jüngsten Ausbruch verstorben; seit dem letzten Update habe es keine weiteren Todesfälle gegeben. Studierende der Universität Kent sowie alle, die den Chemieclub in Canterbury zwischen dem 5. und 7. März besucht haben, und enge Kontaktpersonen von Personen mit bestätigter oder vermuteter Meningokokken-Erkrankung erhalten dort weiterhin vorbeugend Antibiotika. Die aktuellen Fälle von Meningitis in Südengland führen auch im restlichen Europa zur Beunruhigung. Inzwischen gibt es einen ersten Fall in Frankreich. Eine Infektion mit Meningokokken stellt eine große Gefahr dar. Der Erreger überträgt sich auch über die Luft und ist hochansteckend. Er führt zur Entzündung der Hirnhäute und wenig später auch des Gehirns – man spricht dann von einer Meningoenzephalitis. Die Erkrankung verläuft fulminant. Wird sie zu spät behandelt, kann es zu schweren Spätfolgen und sogar zum Tode führen. Typische Spätfolgen dieser neurologischen Infektionskrankheit sind laut DGN die Ausfälle einzelner Hirnnerven. Je nachdem, welcher Hirnnerv betroffen ist, können Sehstörungen, Hörverlust, Lähmungen, aber auch Kognitionsverlust bis hin zu einer Demenz sein.

Es gilt Time is Brain

„Bei einer Meningitis gilt im Prinzip der gleiche Merksatz wie beim Schlaganfall: ‚Time is Brain‘. Das bedeutet: Je früher behandelt wird, desto größer die Chance, die Erkrankung ohne Spätfolgen zu überstehen“, erklärt Prof. Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). Wichtig sei es daher, sich bei Verdacht in der Notfallaufnahme vorzustellen. „Anfangs werden die Symptome oft mit denen eines harmlosen grippalen Infekts verwechselt. Aber spätestens, wenn neben Kopfschmerzen auch Bewusstseinsstörungen oder neurologische Symptome wie epileptische Anfälle auftreten, muss an eine Meningitis gedacht werden. Betroffene sollten keine Zeit verlieren und die 112 wählen“, so der Experte. Die notfallmäßige Blut- und Nervenwasseruntersuchung – bei Bewusstseinsstörungen oder Herdsymptomen nach einer Computertomografie – führen rasch zur Diagnose. Bei Personen mit vermuteter bakterieller Meningitis und neurologischen Symptomen wird die Antibiotika-Therapie sogar begonnen, bevor überhaupt die bestätigte Diagnose vorliegt. In der Regel schlägt die Therapie gut und schnell an. Bei Kontaktpersonen erfolgt immer zur Sicherheit eine sofortige Postexpositionsprophylaxe mit Antibiotika, bevor sich erste Symptome einstellen. 

Delle durch Corona-Schutzmaßnahmen

Die Inzidenz der akuten bakteriellen Meningitis war in den letzten 30 Jahren in Europa rückläufig. Eine Arbeit aus den Niederlanden zeigte, dass die Inzidenz von 6,37 pro 100.000 Einwohner (1989 bis 1993) auf 1,58 pro 100.000 Einwohner gesunken ist (2014 bis 2019) [1]. Laut RKI gab es im Jahr 2020: 143 invasive Meningokokkenerkrankungen, 2021 waren es nur 75, 2022 dann schon wieder 141, 2023 253, 2024 344, 2025 318 und 2026 62 Erkrankungen. „Eine Erklärung für den (Anm. der Red. zwischenzeitlichen) Rückgang ist die Wirksamkeit der eingeführten Hygienemaßnahmen während der Corona-Pandemie“, betont Berlit. Grundsätzlich, aber auch angesichts der aktuellen Todesfälle in England, rät die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) zur Impfung gemäß den aktuellen RKI/STIKO-Empfehlungen. „Die Impfung schützt den Geimpften und trägt dazu bei, dass bei das Meningitisrisiko insgesamt deutlich abnimmt. Doch durch die Impfmüdigkeit der Bevölkerung haben Infektionskrankheiten leider wieder Aufwind“, bedauert Prof. Berlit.

Die UK Health Security Agency rät den Beschäftigten im Gesundheitswesen dazu, in der klinischen Routine die Standardmaßnahmen zur Atemwegshygiene und Infektionskontrolle anzuwenden. Bei der routinemäßigen Versorgung von Patienten mit Verdacht auf invasive Meningokokken-Erkrankung soll eine flüssigkeitsabweisende OP-Maske getragen werden. Bei aerosolgenerierenden Eingriffen an Patienten mit Verdacht auf invasive Meningokokken-Erkrankung soll eine FFP3-Maske oder eine Haube getragen werden. Die Maßnahmen zur Vermeidung der Übertragung sollen fortgesetzt werden, bis der Patient mindestens 24 Stunden lang Antibiotika erhalten hat. 

Literatur:
1. Pfister H-W, Klein M, et al.: Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. S2kLeitlinie, 2023, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (letzter Zugriff am 19.03.2026)

Quelle: DGN, UK Health Security Agency

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