Wie beeinflusst Wildtierhandel die Übertragung von Krankheitserregern?
Die Zahl der von Wildtierhandel betroffenen Tiere ist enorm. Dazu zählen Igel, Elefanten, Schuppentiere, Bären oder Fenneks und viele mehr. Viele Wildtierarten werden als Haustiere, Jagdtrophäen, für traditionelle Medizin, biomedizinische Forschung oder wegen ihres Fleisches (Bushmeat) oder Fells gehandelt. Diese Praktiken, ob legal oder illegal, betreffen laut der Forschenden ein Viertel aller Säugetierarten. Das Team um Cleo Bertelsmeier, Associate Professor am Department of Ecology and Evolution (DEE) der Biologie- und Medizinfakultät an der Unil, hat die Rolle des internationalen Wildtierhandels bei der Übertragung von Krankheitserregern zwischen Tieren und Menschen untersucht. Obwohl dieser Zusammenhang seit COVID-19 offensichtlich erscheint – schließlich wurde der Tierhandel auf dem Wuhaner Markt (Wet Market) besonders hervorgehoben –, „gab es bis jetzt keine präzise Quantifizierung“, erklärt Jérôme Gippet, Erstautor der Studie. Auch der im Jahr 2003 in den Vereinigten Staaten erfasste Ausbruch von Affenpocken, die durch als Haustiere verkaufte Präriehunde übertragen wurden, fällt unter diese Kategorie.
Erhöhtes Risiko durch Handel
Das Team kombinierte vierzig Jahre legaler und illegaler Import- und Exportdaten von Wildtieren mit Zusammenstellungen von Wirt-Pathogen-Beziehungen. Ihre Analysen, die in Zusammenarbeit mit US-amerikanischen Forschern (Yale University, University of Maryland und University of Idaho) durchgeführt wurden, führten zu folgendem Ergebnis: Gehandelte Wildsäugetiere übertragen mit 1,5-facher Wahrscheinlichkeit Infektionserreger auf den Menschen als nicht am Handel beteiligte Tiere. Die Forscherinnen und Forscher betonen, dass diese Arten damit eine um 50 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, mindestens ein Virus, Bakterium, einen Pilz oder einen Parasiten mit den Menschen zu teilen. Und das ist noch nicht alles: Das Risiko sei sogar noch höher, wenn Arten illegal oder lebend gehandelt werden (beispielsweise als exotische Haustiere). Das auffälligste Ergebnis des Forschungsteams ist laut Jérôme Gippet, ehemaliger Postdoktorand am DEE und jetzt an der Universität Fribourg, dass die Dauer des Handels mit einem Tier eine entscheidende Rolle spielt: Im Durchschnitt übertrage eine Art pro zehn Jahren auf dem Markt einen zusätzlichen Krankheitserreger auf den Menschen.
Konsumentscheidungen spielen große Rolle
Die Studie hatte sich auf wildlebende Säugetiere konzentriert. Es handelte sich deshalb um Arten, die nicht domestiziert wurden und auf die der Mensch daher – anders als bei Katzen, Hunden, Rindern oder Kamelen – keinen Selektionsdruck ausgeübt hat. Dabei kann es sich um in freier Wildbahn gefangene oder in Gefangenschaft gezüchtete Tiere handeln, beispielsweise zur Pelzgewinnung. Zu dieser Kategorie gehören auch neue exotische Haustiere wie Fenneks, Otter, Afrikanische Zwergigel, Bengalkatzen oder Gleithörnchen, um nur einige zu nennen –, deren Kauf und Verkauf durch ihre Popularität in den sozialen Medien angeheizt wird. Die analysierten Daten umfassen sowohl den Handel mit lebenden Tieren als auch mit tierischen Produkten (Fell, Häute, Schuppen, Hörner usw.). „Es ist wichtig zu verstehen, dass die Wahrscheinlichkeit, sich beim Klavierspielen mit Elfenbeintasten oder beim Tragen von Pelz anzustecken, nahezu null ist. Das Problem liegt am Anfang der Kette: Jemand musste das Tier jagen, häuten und transportieren…“, erklärt Gippet. „Auch wenn die Gefahr nicht unmittelbar besteht, tragen unsere Konsumentscheidungen indirekt zur Übertragung von Krankheitserregern auf den Menschen bei. Das stellt unsere Kaufgewohnheiten infrage“, ergänzt Bertelsmeier, die die Studie leitete.
Verstärkte Biosurveillance wird angemahnt
Die Studienautoren unterstreichen die Notwendigkeit, die Biosurveillance von Tieren und tierischen Produkten zu verbessern, um Infektionserreger zu erkennen und deren Übertragungspotenzial auf den Menschen zu bewerten. Derzeit konzentriere sich das wichtigste multilaterale Abkommen für den internationalen Handel mit Wildtieren, CITES, ausschließlich auf die Verhinderung des Aussterbens. „Unsere Erkenntnis, dass Wildtiere im Durchschnitt pro Jahrzehnt Präsenz auf dem Weltmarkt einen zusätzlichen Krankheitserreger mit dem Menschen teilen, verdeutlicht, dass die Anzahl der Kontakte eine entscheidende Rolle spielt. Um das Auftreten von Krankheiten zu reduzieren, müssen diese Begegnungsmöglichkeiten und damit das gesamte Handelsvolumen begrenzt werden“, erklärt Gippet.
Quelle: Universität Lausanne
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