Aktive Metastasen
Sobald Metastasen sich an einem Organ angesiedelt haben, bleiben sie dort und wachsen lokal weiter – so zumindest die bisherige Annahme. Ein Forschungsteam der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin des Universitätsklinikums Regensburg und der Universität Erlangen zeigt seit mehr als zehn Jahren Forschungsarbeit nun, dass diese Annahme nicht stimmt. Ziel war herauszufinden, was Metastasen nach ihrer Ansiedlung machen. Es zeigten sich Unterschiede zwischen den Metastasen und ihren Zielen: manche bleiben lokal, während andere frühzeitig weiter streuen.
Infiltrativ vs. verdrängendes Wachstum
In der Studie konzentrierte sich das Team auf die Analyse von Hirnmetastasen. Bei diesen zeigte sich ein weites Spektrum an Verbreitungsverhalten. Während einige sich klassisch verhielten und lokal blieben nach der Ansiedlung, waren andere aggressiver und lösten selbst weitere Krebszellen ab. Dies geschah teilweise noch bevor die eigentliche Metastase mit bildgebenden Verfahren überhaupt sichtbar gemacht werden konnte. Diese Zellen konnten sich wiederum an anderen Stellen ansiedeln und sogar noch schneller wachsen als die ursprüngliche Metastase.

Die Forschenden konnten bisher zwischen verdrängendem Wachstum und infiltrativem Wachstum unterscheiden. Beim verdrängenden Wachstum bleibt die Metastase lokal und übt lokal Druck aus, um sich zu verbreiten. Beim infiltrativen Wachstum siedelt sich eine Metastase an, um direkt weiter zu streuen, die aggressivere der beiden Varianten. Im Gehirn bedeutet das zum Beispiel, über das Nervenwasser auf die andere Seite zu streuen, an Hirnhäuten weiter zu wachsen oder innerhalb der Hirnventrikel weiter zu wachsen.
Von der Klarheit der Ergebnisse waren selbst die Forschenden überrascht: „So klare Resultate erhält man selten, besonders dann nicht, wenn man wissenschaftliches Neuland betritt“, sagt Dr. Raquel Blazquez, wissenschaftliche Leiterin des Labors für translationale Metastasierung am UKR. Während die Forschungsarbeit wichtige Grundlagen liefert, ist es für eine klinische Anwendung noch zu früh. Doch zukünftig wird sich diese neue Erkenntnis auf Therapieverfahren auswirken. Die neuen Erkenntnisse müssen jetzt weiter untersucht werden, um herauszufinden, was es für Patientinnen und Patienten bedeutet. In klinischen Studien sollen die Ergebnisse daher schnell in konkrete Vorteile für Betroffene umgewandelt werden.
Literatur:
Komljenovic D, Bäuerle T, Pukrop T, Blazquez R. et al.: Local metastatic expansion versus secondary intra-organ dissemination: two causes of neurological death explained by fundamentally different metastatic colonization patterns. Mol Cancer, 24. Januar 2026;25(1):17. DOI: 10.1186/s12943-026-02574-0. PMID: 41580751; PMCID: PMC12849154.
Quelle: idw
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