Alterung: gesunde vs. ungesunde Thymusdrüse
Der Thymus hat eine zentrale Rolle für das Immunsystem, denn dort werden T-Zellen gebildet. Dennoch galt der Thymus, ein Organ im Brustraum, bisher als „Kinderorgan“, da die Drüse im Erwachsenenalter an Bedeutung verliert und sich zurückbildet bzw. verfettet. Zwei neue Studien untersuchen dieses „Wissen“ sowie die Rolle der Thymusgesundheit und stellen es in Frage – mit neuen grundlegenden Erkenntnissen. Die beiden Studien wurden unter Federführung der Harvard University durchgeführt.
Verfettung entspricht besserer Immunfunktion
Mithilfe modernster Bildgebung in Form von computertomografischen Aufnahmen konnten die Forschenden zeigen, dass die Thymusdrüse sehr wohl eine Rolle für die Gesundheit spielt, insbesondere für gesundes Altern. Anhand des Grades der Verfettung kann damit die Gesundheit der Thymusdrüse eingeschätzt werden, eine Verfettung spricht dabei für eine bessere Immunfunktion. Der Thymuswert kann als Vorhersagewert für Überleben und Krankheitsrisiken verwendet werden. Mithilfe eines Deep-Learning-Frameworks konnten die Forschenden CT-Aufnahmen quantifizieren.
Grundlage waren zwei Langzeitstudien, aus denen mehr als 27.000 CT-Scans hervorgingen und die als Datengrundlage dienten. Eine war das National Lung Screening Trial (NILST), bei dem über einen Zeitraum von zwölf Jahren die Lungengesundheit aktueller und ehemaliger Raucherinnen und Raucher beobachtet wurde. Die zweite Studie war die Framingham Heart Study (FHS) zur Herz-Kreislauf-Gesundheit. In beiden Kohorten stand eine gute Thymusgesundheit in Verbindung mit generell besseren gesundheitlichen Ergebnissen.
In der NILST-Studie war eine gute Thymusgesundheit mit einer niedrigeren Gesamtsterblichkeit, geringerer Lungenkrebsinzidenz und reduzierter kardiovaskulärer Mortalität verbunden. In der FHS bestätigte sich der Zusammenhang zur niedrigen Sterblichkeit auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen – und das unabhängig von Alter, Geschlecht oder Rauchstatus.
Zusätzliche Daten zu bisherigen Biomarkern
In einer zweiten Studie konnten dieselben Forscherinnen und Forscher die Erkenntnisse erweitern und zeigen, dass die Thymusdrüse auch als Biomarker für Krebstherapien dienen könnte. So legt diese zweite Studie nahe, dass eine gute Thymusgesundheit mit einem besseren Erfolg einer Immuntherapie einhergeht. Grundlage dieser Studie waren die Daten von 3.400 Krebspatientinnen und -patienten, die mit Immun-Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden. Bei Patientinnen und Patienten mit einer hohen Thymusgesundheit zeigte sich ein besseres Ansprechen auf die Behandlung, insbesondere bei Lungenkrebs, Melanomen, aber auch bei Brust- und Nierenkrebs. Die Thymusdrüse spiegelt damit nicht den Tumor selbst, sondern das Immunsystem wider und liefert damit zusätzliche Informationen zu den bisher bekannten Markern. Denn eine gute Thymusfunktion sprach für eine höhere Vielfalt an T-Zell-Rezeptoren und einer insgesamt stärkeren Immunantwort.
Damit konnten diese beiden Studien belegen, dass die Thymusdrüse eine aktive und entscheidende Rolle spielt, sowohl für allgemein gesundes Altern als auch für die Therapie von bestimmten Erkrankungen. Negative Einflüsse ergeben sich insbesondere durch Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel sowie ungesunde Ernährung und anhaltender Stress. Ein gesunder Lebensstil hingegen kann die Drüse positiv beeinflussen.
Quelle: idw
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