Antibiotikaresistenzgene bei Neugeborenen
Die Studie, die auf dem Kongress der European Society of Clinical Microbiology and Infectious Diseases (ESCMID) vorgestellt wurde, analysierte Mekoniumproben von 105 Säuglingen, die zwischen Juli 2024 und Juli 2025 innerhalb der ersten 72 Lebensstunden auf eine neonatologische Intensivstation (NICU) aufgenommen wurden [1]. Die Studie war Teil eines multidisziplinären Forschungsprojekts unter der Leitung von Professor Elias Iosifidis an der Aristoteles-Universität Thessaloniki, an dem Spezialisten für pädiatrische Infektionskrankheiten, Neonatologen und Forschende der molekularen Mikrobiologie beteiligt waren. Mekonium, der erste Stuhlgang von Neugeborenen, galt früher als steril [2]. Neuere molekulare Studien haben jedoch bereits mikrobielles genetisches Material in Mekoniumproben nachgewiesen [3], was darauf hindeute, dass der Darm von Neugeborenen bereits während der Schwangerschaft Bakterien ausgesetzt sein könne. Diese frühe mikrobielle Exposition wird als möglicher Faktor für die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen diskutiert. Antibiotikaresistenzgene wurden in Mekoniumproben gefunden [4], und ihr Vorhandensein in diesem frühen Stadium könnte die Ausbreitung von Resistenzen durch horizontalen Gentransfer zwischen Bakterien begünstigen. Ausgehend davon untersuchten die Forscherinnen und Forscher die Proben nun auf 56 verschiedene Resistenzgene, die mit häufig verwendeten Antibiotika assoziiert sind.
Jede Probe enthielt im Median acht Resistenzgene
„Dies ist die größte Studie ihrer Art, die den Einfluss der Krankenhausumgebung auf die Ansammlung von Antibiotikaresistenzgenen im Darm von Neugeborenen untersucht“, sagte Studienleiter Dr. Argyro Ftergioti. Analysiert wurden Mekoniumproben innerhalb der ersten 72 Lebensstunden, um eine früheste Momentaufnahme der mikrobiellen und genetischen Exposition bei Neugeborenen zu erhalten. In diesem Stadium werde die Ansammlung von Resistenzgenen hauptsächlich durch die mütterliche Übertragung, die Geburtsart und sehr frühe Krankenhausaufenthalte geprägt, so Ftergioti. Die am häufigsten nachgewiesenen Gene waren demnach oqxA (in 98 % der Proben) und qnrS (96 %), die mit Resistenzen gegen einige häufig verwendete Antibiotika in Verbindung gebracht werden [5]. Die Studie identifizierte außerdem mehrere Gene, die für Beta-Laktamasen kodieren. Also Enzyme, die weit verbreitete Antibiotika inaktivieren [6]. Am häufigsten traten darunter blaCTX-M (55 %), blaCMY (51 %) und blaSHV (39 %) auf. Gene, die mit Resistenzen gegen Carbapeneme [7] assoziiert sind, wurden in 21 % der Proben nachgewiesen. Jede Probe enthielt im Median acht Resistenzgene.
Hohe Prävalenz in den meisten Proben
„Dieser Befund deutet darauf hin, dass sich bereits in diesem Stadium ein Muster von Antibiotikaresistenzgenen (ARGs) etabliert hat. Der Darm von Neugeborenen beherbergt ein vielfältiges Resistom, und das Vorhandensein klinisch relevanter ARGs so früh im Leben ist besorgniserregend“, fügte Dr. Ftergioti hinzu. Obwohl einige Antibiotikaresistenzgene erwartet worden waren, sei ihre hohe Prävalenz in den meisten Proben auffällig – insbesondere bei klinisch kritischen Genen, die Carbapenem-Resistenz vermitteln. Die Studie identifizierte zudem Zusammenhänge zwischen Resistenzgenen und verschiedenen mütterlichen und neonatalen Faktoren. Das Vorhandensein des msrA-Gens (Makrolid-Streptogramin-Resistenz) sei mit einem Krankenhausaufenthalt der Mutter während der Schwangerschaft assoziiert gewesen, während eine höhere Anzahl von Resistenzgenen mit der Anlage eines zentralen Venenkatheters innerhalb der ersten 24 Lebensstunden in Verbindung gestanden habe. Beide Befunde spiegeln den Experten zufolge wahrscheinlich die Exposition gegenüber im Krankenhaus erworbenen Mikroorganismen wider.
Bedeutung von Überwachung, Infektionsprävention und -kontrolle
„Überraschenderweise war eine Reanimation kurz nach der Geburt mit weniger Resistenzgenen assoziiert. Wir möchten jedoch darauf hinweisen, dass dieser Befund mit Vorsicht zu interpretieren ist, da er Unterschiede in der frühen mikrobiellen Exposition oder andere klinische Faktoren widerspiegeln könnte“, betonte Dr. Ftergioti. Insgesamt deuteten die Ergebnisse darauf hin, dass sowohl die Übertragung von der Mutter als auch die frühe Exposition gegenüber der Krankenhausumgebung zur Etablierung von ARGs im neonatalen Darm beitragen können. „Obwohl weitere Forschung nötig ist, um zu verstehen, wie die frühe Besiedlung mit Resistenzgenen die Entwicklung des Mikrobioms und das Infektionsrisiko beeinflusst, unterstreichen diese Ergebnisse die Bedeutung von Überwachung, Infektionsprävention und -kontrolle in der Neugeborenenversorgung“, so Dr. Ftergioti abschließend.
Quelle: ESCMID
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