Auditory Brainstem Implant: Kind erhält zweites Implantat

Voraussetzung für bessere Verarbeitung von Geräuschen
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Im OP Implantation eines ABI.
Die Implantation eines ABI gehört zu den anspruchsvollsten Eingriffen in der Hörrehabilitation. © Daniela Beyer/MHH
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Ein Kind ohne Hörnerven bekommt in Hannover ein zweites Auditory Brainstem Implant (ABI). Mit dieser seltenen OP soll verbessertes räumliches Hören und eine differenziertere Verarbeitung von Geräuschen und Stimmen ermöglicht werden.

Das Kind wurde ohne Hörnerven geboren. Für Kinder mit einer beidseitigen Hörnervenaplasie können Geräusche und Sprache nicht auf dem üblichen Weg an das Gehirn weitergeleitet werden. Cochlea-Implantate, die einen intakten Hörnerv benötigen, kommen in diesen Fällen nicht infrage. „Für diese Kinder stellt ein ABI häufig die einzige Chance dar, Höreindrücke wahrzunehmen und Sprache zu entwickeln“, erläutert HNO-Klinikdirektorin Prof. Dr. Anke Leichtle an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Bereits vor gut einem Jahr erhielt das Mädchen an der MHH sein erstes Hirnstammimplantat, mit dem es erste Wörter wie beispielsweise Namen aus der Familie sprechen lernte. Mit der nun erfolgten Versorgung der zweiten Seite eröffnet sich ein weiterer wichtiger Schritt in ihrer Entwicklung. Denn ähnlich wie beim natürlichen Hören oder einer beidseitigen Cochlea-Implantat-Versorgung schaffen beide Seiten gemeinsam die Voraussetzungen für ein verbessertes räumliches Hören und eine differenziertere Verarbeitung von Geräuschen und Stimmen.

Anspruchsvolle OP im Team

Der Eingriff zählt zu den anspruchsvollsten Operationen der modernen Hörrehabilitation. Auditory Brainstem Implants werden weltweit nur an wenigen hochspezialisierten Zentren implantiert. Eine beidseitige Versorgung bei einem so jungen Kind stellt selbst im internationalen Vergleich eine außergewöhnliche Besonderheit dar. Auch die Zusammensetzung des Operationsteams zeigt die Herausforderungen. Gemeinsam führten Professorin Leichtle, seit Mai 2026 Direktorin der MHH-HNO-Klinik, Prof. Dr. Rolf Salcher, ehemaliger kommissarischer Klinikdirektor, sowie Prof. Dr. Thomas Lenarz, der die Klinik über mehr als drei Jahrzehnte geprägt und die internationale Entwicklung implantierbarer Hörsysteme entscheidend mitgestaltet hat, die Operation durch. 

„Kinder mit fehlenden Hörnerven gehören zu den anspruchsvollsten Patientinnen und Patienten der Hörrehabilitation. Die nun abgeschlossene beidseitige Versorgung eröffnet diesem Kind weitere Möglichkeiten für seine Hör- und Sprachentwicklung“, erklärt Professorin Leichtle. Professor Lenarz ergänzt: „Die Versorgung von Kindern mit Hirnstammimplantaten erfordert nicht nur höchste chirurgische Expertise, sondern auch eine langfristige interdisziplinäre Begleitung. Umso erfreulicher ist es, wenn wir die Entwicklung eines Kindes über mehrere Jahre begleiten und nun diesen wichtigen nächsten Schritt ermöglichen können.“

Spannung war spürbar

Besonders bewegend wurde es bereits zwei Tage nach der Operation – ungewöhnlich früh für eine Versorgung mit einem Hirnstammimplantat. Beim sogenannten Probenton wurde das Implantat erstmals aktiviert. Für Außenstehende sind es zunächst technische Abläufe: Impedanzmessungen, erste vorsichtige elektrische Reize, konzentrierte Blicke auf Monitore und Daten. Doch für alle Beteiligten im Raum bedeuten diese Momente weit mehr. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Medizin und Technik. Es geht um die Frage, ob ein Kind möglicherweise zum ersten Mal auf diesem Weg Höreindrücke wahrnehmen kann. Die Spannung war spürbar. Jede kleine Bewegung, jeder Blick, jede Veränderung wurde aufmerksam beobachtet. Und tatsächlich zeigte das Mädchen bereits erste Reaktionen, die auf ein Hören hindeuten könnten. Noch sind diese frühen Signale keine Gewissheit und erlauben keine endgültigen Aussagen – doch in solchen Augenblicken werden selbst kleine Reaktionen zu etwas Besonderem: zu vorsichtigen Zeichen der Hoffnung.

Nun richtet sich der Blick auf den nächsten wichtigen Schritt: die Erstanpassung des Implantats in den kommenden Tagen. Dort beginnt die eigentliche Reise erst – mit vielen weiteren Terminen, Einstellungen und intensiver Hör- und Sprachtherapie, um die Möglichkeiten der beidseitigen Versorgung bestmöglich auszuschöpfen. 

Quelle: idw/MHH

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