Besuch im Europäischen Parlament: gemeinsam für die Sichtbarkeit der Biomedical Scientists
Ziel des Treffens war es, die Bedeutung der Berufsgruppe der Biomedical Scientists auf europäischer Ebene sichtbarer zu machen und gleichzeitig aktuelle berufspolitische Herausforderungen mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Fachverbänden zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung durch den Europaabgeordneten (MEP) Dr. Peter Agius, der die Bedeutung evidenzbasierter Gesundheitsversorgung und moderner Labormedizin für die europäischen Gesundheitssysteme hervorhob. Darüber hinaus bot die Veranstaltung die Möglichkeit, mit weiteren Mitgliedern des Europäischen Parlaments sowie politischen Vertreterinnen und Vertretern ins Gespräch zu kommen und die Anliegen der Berufsgruppe direkt zu adressieren.
Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die derzeit noch uneinheitliche Klassifizierung der Berufsgruppe der Biomedical Scientists innerhalb der europäischen ESCO-Klassifikation (European Skills, Competences, Qualifications and Occupations). Diese Problematik beschäftigt viele europäische Berufsverbände seit Jahren, da die aktuelle Zuordnung oft nicht die tatsächlichen Kompetenzen, Verantwortlichkeiten und Qualifikationen der Berufsgruppe widerspiegelt. Besonders deutlich wird dies im Vergleich zur internationalen ISCO-Klassifikation (International Standard Classification of Occupations), in der die Tätigkeiten der Biomedical Scientists differenzierter und fachlich passender eingeordnet werden.
Die Diskrepanz zwischen ESCO- und ISCO-Klassifikation hat weitreichende Auswirkungen – unter anderem auf die europaweite Anerkennung von Berufsabschlüssen, die Mobilität von Fachkräften sowie die politische Wahrnehmung und Sichtbarkeit des Berufsstandes. Im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus zahlreichen europäischen Ländern wurde deutlich, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht, um die hohe fachliche Expertise und die zentrale Rolle der Biomedical Scientists in Diagnostik, Prävention und Patientenversorgung angemessen abzubilden.
Neben den berufspolitischen Diskussionen widmete sich das EPBS-Seminar dem Thema: „Biomedical Laboratory Scientists Promoting Sustainability in Clinical Diagnostics“. Dabei wurde Nachhaltigkeit bewusst ganzheitlich betrachtet. Neben ökologischen Aspekten – wie Ressourcenschonung, nachhaltigen Laborprozessen und verantwortungsvollem Umgang mit Materialien – standen auch die Mitarbeitenden in medizinischen Laboratorien im Fokus. Thematisiert wurden unter anderem Fachkräftesicherung, Arbeitsbelastung, mentale Gesundheit sowie die langfristige Sicherstellung qualitativ hochwertiger diagnostischer Versorgung durch gut ausgebildetes Fachpersonal.
Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig eine starke europäische Vernetzung der Berufsverbände ist, um gemeinsame Herausforderungen sichtbar zu machen und die Interessen der Biomedical Scientists gegenüber politischen Entscheidungsträgern geschlossen zu vertreten. Gleichzeitig bot der Besuch im Europäischen Parlament die Gelegenheit, die Bedeutung unseres Berufsstandes für eine moderne, evidenzbasierte und resiliente Gesundheitsversorgung in Europa hervorzuheben.
Für den DVTA war die Teilnahme ein wichtiges Signal im Kontext der internationalen Zusammenarbeit und der aktiven Mitgestaltung berufspolitischer Entwicklungen auf europäischer Ebene, denn wir brauchen in Deutschland dringend zusätzlich die Ausbildung auf hochschulischer Ebene!
Entnommen aus MT im Dialog 07/2026
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