Biobank-Plattform für Deutschland

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Stickstofftank in Biobank
© eric1207cvb/stock.adobe.com
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Am 1. Juli 2026 beginnt der Aufbau einer bundesweiten Biobank-Plattform. Damit wird ein zentrales Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung und der Biotechnologie-Roadmap der Hightech Agenda umgesetzt.

Die Plattform soll den Zugang zu Bioproben wie Blut oder Gewebe sowie den dazugehörigen klinischen und analytischen Daten für die medizinische Forschung erleichtern – unter Einhaltung strengster Qualitäts-, Datenschutz- und Ethikstandards. Umgesetzt wird das Projekt „Biobank-Plattform für Deutschland“ im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) mit dem dort integrierten German Biobank Network (GBN). Das NUM übernimmt die Trägerschaft der Biobank-Plattform und schafft den strukturellen Rahmen für ihren Aufbau und langfristigen Betrieb. Zudem stellt das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) bis zum Jahr 2030 Fördermittel in Höhe von rund 50 Millionen Euro bereit. In den nächsten Jahren wird die Plattform organisatorisch, technisch und inhaltlich in die bestehende Forschungslandschaft integriert. Das Konzept dafür wurde innerhalb der Universitätsmedizin zusammen mit dem German Biobank Network (GBN), mit Fraunhofer Gesundheit, der Deutschen Hochschulmedizin, der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF), dem Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI), dem Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) und dem Biotechnologieverband BIO Deutschland entwickelt.

Schnellere standortübergreifende Nutzbarkeit

Biobanken bilden die Grundlage für Präzisionsmedizin, molekulare Diagnostik und moderne datenbasierte Forschung. Das Projekt soll die im GBN zusammengeschlossenen universitären Biobanken vernetzen und harmonisieren, damit Bioproben und Daten standortübergreifend schneller und einfacher für die Forschung nutzbar werden. Dazu werden die dezentral organisierten Biobanken an 38 Standorten organisatorisch in einer Biobank-Plattform zusammengeführt. Eine zentrale Servicestelle im NUM soll den Zugang zu Proben und Daten aus den beteiligten Biobanken koordinieren. So müssen Forschende nicht einzelne Biobank-Standorte separat anfragen oder Einzelverträge abschließen, um langfristig die Versorgung von Patienten zu verbessern.

Kick-Off in Berlin mit Politik

Während einer Kick-Off-Veranstaltung Ende Juni in Berlin sagte Staatssekretär Dr. Rolf-Dieter Jungk: „Die Biobank-Plattform vereint technologische Leistungsfähigkeit mit Transparenz, Verantwortung und Vertrauen. Sie schafft moderne und verlässliche Rahmenbedingungen für exzellente biomedizinische Forschung. Mit der Etablierung der Biobank-Plattform erreichen wir nicht nur einen bedeutenden Meilenstein, sondern auch ein Ziel der Hightech Agenda und damit auch einen zentralen Auftrag des Koalitionsvertrags.“

Ermöglicht wurde das Vorhaben durch den positiven Beschluss des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, der die erforderlichen Mittel für den Aufbau bereitstellte. Eine weitere wesentliche Voraussetzung war die Verstetigung des NUM – für den langfristigen Rahmen für Aufbau und Betrieb der Biobank-Plattform. Die Perspektive des Parlaments brachten die MdB Svenja Schulze und Holger Mann ein. „Ich bin davon überzeugt, dass Biobanken ein wirklicher Schatz für die Medizin sind“, sagte Schulze. „Solche Ansätze der Kooperation brauchen wir unbedingt. Wir sind in einem globalen Wettbewerb – wenn wir unsere Kompetenzen bündeln können, umso besser ist es.“ Mann betonte: „Heute startet ein echter Booster für die Medizinforschung in Deutschland. Mit dem Kick-off dieser Biobank-Plattform starten wir eben nicht nur eine technische Infrastruktur, sondern schaffen das Fundament für eine modernere datengestützte Medizin.“

Positive Stimmung bei den Akteuren

Aus Sicht der Universitätsmedizin ordnete Prof. Dr. Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité – Universitätsmedizin Berlin, die Initiative ein: „In Deutschland verfügen wir über eine große Zahl sehr gut etablierter akademischer Biobanken an den Standorten der Universitätsmedizin. Sie arbeiten nach hohen Qualitätsstandards und stellen wichtige Ressourcen für Forschung und Translation bereit. Das German Biobank Network hat hier in den vergangenen Jahren bereits wesentliche Standards harmonisiert. Das sind optimale Voraussetzungen, um jetzt den nächsten Schritt zu gehen und das bestehende Netzwerk zu einer Biobank-Plattform im Netzwerk Universitätsmedizin weiterzuentwickeln – also von einer Struktur der Vernetzung hin zu einer gemeinsamen, nutzbaren Infrastruktur für alle Partner.“

Etliche deutsche Biobanken schalteten sich live zur Kick-off-Veranstaltung hinzu und begrüßten gemeinsam den Start der neuen Plattform, an deren erfolgreicher Umsetzung sie künftig gemeinsam arbeiten werden. Die Vorstandssprecherin des GBN, PD Dr. Sara Nußbeck, erläuterte das Vorhaben: „Die Vorteile liegen darin, dass wir gezielt und zügig Sammlungen neuer Bioproben und Daten auf den Weg bringen können, dass wir die klinischen Daten und die OMICS-Daten, die wir aus den Bioproben ableiten, gut integrieren können und diese Ressourcen transparent, rechtssicher und qualitätsgeprüft zur Verfügung stellen können. Wir werden sehr eng mit der Industrie zusammenarbeiten, um diese Plattform gemeinsam wirklich zukunftsfähig aufzubauen, damit alle Seiten – und alle Patientinnen und Patienten – davon profitieren.“

Dr. Stefanie Houwaart, Patientinnen-/Patientenvertreterin im BRCA-Netzwerk e. V., brachte die internationale Perspektive ein: „Wir brauchen einerseits die Verlinkung mit den klinischen Daten und andererseits große Kohorten, die wir nur international zusammenbekommen. Dafür ist bei aller Wettbewerbsfähigkeit viel Solidarität notwendig. Denn die Community der Patientinnen und Patienten macht an Grenzen nicht halt.“

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