COVID-19-Impfung: Wie kam es zu den Sinusvenenthrombosen?

Künftige Adenovirus-Impfstoffe sicherer machen
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Symbolbild Kopf mit Gefäßen.
© Dr_Microbe/stock.adobe.com
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Für große Aufregung sorgten die ersten Fälle von Sinusvenenthrombosen nach einer Impfung mit einem Adenovirus-Vektor gegen COVID-19 zum Höhepunkt der Pandemie. Das Forschungsteam um Prof. Dr. Greinacher erkannte damals die Impfstoff-induzierte Immunthrombozytopenie und -Thrombose (VITT) als eine seltene prothrombotische Komplikation als Ursache. Doch der zugrunde liegende auslösende Antigen-Trigger und die Immunpathogenese waren bisher unbekannt. Dies hat sich nun geändert.

Das Greifswalder Forschungsteam hat nun zusammen mit internationalen Partnern aus Australien und Kanada herausgefunden, wie vermieden werden kann, dass eine Verkettung seltener Umstände die Hirnvenenthrombosen nach einer COVID-19-Impfung auslöst. Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens durch natürlich vorkommende Infektionen wie dem Schnupfen Antikörper gegen das Adenovirus. Dieses Virus ist so weit verbreitet, dass sich fast jeder Mensch mindestens einmal damit infiziert. Bei diesem Kontakt entstehen unter anderem Antikörper gegen ein bestimmtes Eiweiß des Virus, dem Protein VII. Kommt es auch Jahre später erneut zum Kontakt mit Adenoviren, werden diese Antikörper reaktiviert. Dabei kann es in sehr seltenen Fällen zu einer Mutation in einzelnen Antikörper-produzierenden Zellen kommen.

Bindung an Plättchenfaktor 4

Bei Menschen mit einer besonderen genetischen Veranlagung führt dies dazu, dass sich Antikörper nicht mehr an eine ganz bestimmte Stelle des Protein VII, sondern fälschlicherweise an den sogenannten Plättchenfaktor 4 binden. Dadurch aktivieren die Antikörper Blutplättchen und lösen die Bildung von Blutgerinnseln aus. „Es ist so, als wenn bei einem Schlüssel ein Zacken verändert wird und der Schlüssel danach in ein anderes Schloss passt“ sagt die Co-Autorin Dr. Linda Schönborn von der Unimedizin Greifswald. „Diese Kombination aus zufälliger Mutation und genetischer Besonderheit kommt ausgesprochen selten vor. Daher ist auch das Risiko für diese Komplikation sehr gering.“ Nach derzeitigem Stand sei es allerdings nicht möglich, Menschen im Vorfeld zu erkennen, die nach einer Impfung VITT entwickeln.

Patienten hatten Blutproben zur Verfügung gestellt

Betroffene Patientinnen und Patienten aus ganz Deutschland hatten dem Greifswalder Forschungsteam ihre Blutproben zur Verfügung gestellt. Durch diese außergewöhnliche Bereitschaft sei es dem Team möglich gewesen, die seltenen immunologischen Vorgänge im Detail zu untersuchen und so den genauen Mechanismus aufzuklären. Durch die Entdeckung könnten Impfstoffe in Zukunft noch sicherer gemacht werden. „Jetzt können wir die verantwortliche Stelle im Protein VII des Impfstoffs gezielt verändern und Vektor-Impfstoffe für alle sicherer machen. Relevant ist das insbesondere in Regionen, in denen auch heute noch lebensbedrohliche Infektionskrankheiten wie Ebola verbreitet sind“, sagt Prof. Andreas Greinacher, der verantwortliche Leiter der Studie. 

Literatur:
Wang JJ, Schönborn L, Warkentin TE, et al.: Adenoviral Inciting Antigen and Somatic Hypermutation in VITT. N Engl J Med 2026;394: 669-83, DOI: 10.1056/NEJMoa2514824.

Quelle: idw/Uni Greifswald

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