Schon seit Jahren zeigt sich, dass die UV-Strahlung der Sonne, die den Boden erreicht, messbar zunimmt. Die zunehmende UV-Belastung der Bevölkerung in großen Teilen Europas bedeutet ein steigendes Risiko für die Gesundheit. Ultraviolette (UV-) Strahlung ist die Hauptursache für Hautkrebs und kann auch die Augen schädigen. Schon heute ist Hautkrebs die häufigste Krebsart in Deutschland. Alleine am schwarzen Hautkrebs (Melanom) erkranken EU-weit etwa 150.000 Menschen jährlich neu.
Zunahme um 10 bis 20 Prozent
Eine neue Studie [1] belegt nun erstmals, dass die bisherigen Ergebnisse für Einzelorte auch auf größere Regionen übertragbar sind. Dafür werteten Forscherinnen und Forscher Daten von 40 besonders präzisen UV-Messstationen in 19 europäischen Ländern über einen Zeitraum von zehn Jahren aus, wie das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) berichtet. Das BfS war an der Untersuchung beteiligt. Die Messdaten zeigten an 26 Stationen zwischen 2013 und 2022 einen statistisch signifikanten Anstieg der jährlichen UV-Strahlung um 10 bis 20 Prozent. Besonders stark fällt die Zunahme in Mitteleuropa und Westeuropa aus. Für Deutschland wurden UV-Messdaten einer Sonde in Dortmund ausgewertet.
Bewölkung spielt große Rolle
Die Studie kombiniert die UV-Messdaten von Bodenstationen mit weiteren satellitengestützten Daten der Globalstrahlung in Europa. Beteiligt war das europäische Zentrum Satellite Application Facility on Climate Monitoring (CM SAF), das vom Deutschen Wetterdienst (DWD) betrieben wird. Das CM SAF erstellt aus Satellitenmessungen Klimadatensätze, unter anderem zu Wolken und Globalstrahlung. Die kombinierte Analyse hat gezeigt, dass sich lokale UV-Strahlungstrends zuverlässig auf größere Regionen übertragen lassen. Für Deutschland und große Teile Mittel- und Westeuropas ergebe sich ein klarer Anstieg der UV Belastung, so das BfS. An der neuen Studie waren neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Bundesamtes für Strahlenschutz über 50 Forschende von Institutionen aus insgesamt 19 europäischen Ländern beteiligt. Die Forschenden identifizierten als hauptsächlichen Treiber für den Anstieg der UV-Strahlung eine Abnahme der Bewölkung über Europa. Einer der Gründe dafür sei der Klimawandel. Veränderungen der Ozonschicht spielten dagegen eine eher untergeordnete Rolle.
Rolle der Aerosole
Bei einer anderen Untersuchung des Zuwachses der Sonneneinstrahlung kamen Forscherinnen und Forscher der Universität Malaga, der Uni Murcia und des Unternehmens Solargis zu dem Ergebnis, dass zwar rund 80 Prozent des Anstiegs der Sonneneinstrahlung auf Veränderungen bei Wolken zurückging. Sie sind weniger dicht oder seltener geworden, wodurch mehr Licht bis zum Boden durchdringt. Die restlichen 20 Prozent hängen allerdings laut dieser Studie mit einer geringeren Belastung durch Aerosole zusammen. Es handelt sich dabei um kleine Partikel in der Luft. Diese Aerosole streuen und absorbieren Sonnenlicht. Nimmt ihre Konzentration ab, kann mehr Strahlung die Erdoberfläche erreichen. Gleichzeitig beeinflussen Aerosole wiederum die Wolkenbildung. Sie dienen dabei als Wolkenkondensationskerne und Eiskeime [3].
Aktivität der Sonne
Einen anderen Effekt der UV-Strahlung der Sonne hatten Göttinger Forscherinnen und Forscher bereits 2015 untersucht. Sie hatten betont, dass statt, wie bis dahin gedacht, knapp 30 Prozent diese Strahlung in der Zeit von 1992 bis 2004 etwa 60 Prozent zu den gesamten Intensitätsschwankungen der Sonne beigetragen hatte. Insgesamt seien die Intensitätsschwankungen der Sonnenstrahlung klein. Sie betragen nur den Bruchteil eines Prozents der Gesamtintensität. Allerdings zeige ausgerechnet die ultraviolette Strahlung größere Schwankungen und sie gelte zudem als besonders klimawirksam [4].
Schutz vor UV-Strahlung auch hierzulande immer wichtiger
In Regionen wie der Iberischen Halbinsel, in denen die Bewölkung geringer ist, blieb die UV-Belastung im untersuchten Zeitraum 2013 bis 2022 auf einem ähnlich hohen Niveau. Die Erkenntnisse der neuen Studie [1] decken sich mit denen früherer Langzeitanalysen des BfS [2].
Maßnahmen zur Anpassung an veränderte Klimabedingungen sollten daher auch einen besseren Schutz vor UV-Strahlung zum Ziel haben, wie BfS-Präsidentin Inge Paulini fordert: „Die neue Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Schutz der Bevölkerung vor UV-Strahlung auch hierzulande immer wichtiger wird. Die Forderungen des Strahlenschutzes haben damit besonderes Gewicht: Wer Schatten sucht, muss Schatten finden. Die Anpassung an diese Klimawirkung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, und die Herausforderungen sind erheblich. Die gute Nachricht dabei: Viele Maßnahmen zur Klimaanpassung wirken mehrfach. Investitionen in Stadtgrün und neue Schattenplätze leisten gleichzeitig einen Beitrag zum Schutz der Menschen vor Hitze und auch für den UV-Schutz.“
Vorhersage für den UV-Index
Die Studie unterstreiche außerdem die Bedeutung von UV-Messungen in Deutschland sowie ein UV-Monitoring in der gesamten Europäischen Union (EU) über längere Zeiträume: „Für die Forschung sind langfristige und kontinuierliche UV Messreihen entscheidend. Nur so lassen sich regionale Unterschiede, Klimawandel Effekte und gesundheitsrelevante Trends zuverlässig erfassen“, sagt BfS-Präsidentin Paulini.
Deutschland verfügt mit dem bundesweiten solaren UV-Messnetz über eine gut ausgebaute Infrastruktur: Die Stationen liefern von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Messdaten für die Wissenschaft und für die Information von Bürgerinnen und Bürgern. Die Daten werden zum Beispiel als UV-Index in Form von Tageshöchstwerten und als Tagesverlauf auf den Seiten des BfS veröffentlicht. Von April bis September veröffentlicht das BfS in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst alle drei Tage eine Vorhersage für den UV-Index für Deutschland. Weitere Informationen über UV-Schutz sowie UV-Strahlung und Klimawandel bietet das BfS hier.
Quelle: BfS
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