Wenn eine Frau einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erleidet, hat sie in der Regel eine schlechtere Prognose als ein Mann. Frauen haben ein generell höheres Sterberisiko nach solchen medizinischen Ereignissen, da sie weiterhin in klinischen Studien unterrepräsentiert sind. Geschlechtsspezifische Faktoren werden nicht genügend erforscht und damit auch nicht in der Klinik berücksichtigt. Eine effiziente Nachsorge ist daher Voraussetzung, um das Überleben zu verbessern. Dafür hat ein Team vom Fraunhofer IPA ein digitales Assistenzsystem entwickelt, TEDIAS, das im Rahmen des Projektes „GenderHeart“ die Risikobewertung von Frauen nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall verbessern soll.
Herzerkrankungen im Vordergrund
Im digitalen Anamneseprozess werden Patientinnen speziell nach kardiovaskulären Erkrankungen gefragt. Dafür sitzen sie in einem Stuhl mit Biosensoren, die automatisch die Vitalparameter (Blutdruck, Atemfrequenz, EKG) aufnehmen. Im davor befindlichen Monitor erscheint ein Avatar, der durch die Fragen leitet. So soll eine leichtere und schnellere Anamnese möglich werden (sowohl für Frauen als auch für Männer). Im aktuellen Projekt „GenderHeart“ hat das Team die Anamnese so angepasst, dass Herzerkrankungen im Vordergrund stehen.
Grundlage des digitalen Assistenzsystems TEDIAS ist ein KI-Algorithmus, der eine individuelle Risikoeinschätzung und Therapieempfehlung ermöglicht. Die KI berücksichtigt dabei genderspezifische Fragen, wie den unterschiedlichen Hormonstatus und andere geschlechtsspezifische Faktoren. Neben den bisherigen Sensoren soll auch eine Sprachanalyse-Tool eingebaut werden, da durch die Stimme wichtige Rückschlüsse auf die Herzgesundheit gezogen werden können. Dafür werden innerhalb des Projekts Sprachaufnahmen von Patientinnen über einen Zeitraum von sechs Monaten aufgenommen, um Veränderungen wahrnehmen zu können.
Das Projekt startet im Frühling 2026 und ist auf drei Jahre ausgelegt. Die Anamnesestation TEDIAS soll in der Notaufnahme zum Einsatz kommen, den Klinikalltag entlasten und gleichzeitig Daten sammeln zur genderspezifischen Gesundheit im Bereich der Herzerkrankungen, um die Prognose für Frauen zu verbessern.
Quelle: idw
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