Falsche Versprechen durch Schlaf-Apps & Wearables?

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Frau schaut auf Schlaftracker App.
© ChayTee/stock.adobe.com
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Der Markt für Schlaftracker, Apps, Wearables und „Sleep Hacks“ boomt – der wissenschaftliche Nutzen ist jedoch fraglich.

Im Rahmen des Aktionstages „Erholsamer Schlaf“ der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin e.V. (DGSM) informierte Schlafforscher Dr. Hans-Günter Weeß über Fehlentwicklungen von technischen Schlafhilfen. Dabei bleiben valide Diagnostik und wirksame Therapie häufig auf der Strecke. Ein- und Durchschlafstörungen (Insomnie) gehören zu den häufigsten Erkrankungen. Laut epidemiologischer Studien leiden zwischen 6 und 10 Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Insomnie. Internationalen Studien zeigen: Mehr als 70 Prozent der Betroffenen leiden länger als ein Jahr und fast 50 Prozent länger als drei Jahre. Umgerechnet sind dies mindestens 5 Millionen Bundesbürger, die Schlafmittel einnehmen und sich an diese gewöhnt haben. Ferner sind Insomnien mit zahlreichen Einschränkungen etwa auf das psychosoziale Leistungsvermögen, die Gesundheit und die Lebensqualität verbunden, zudem entsteht dadurch ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden. Die Insomnie ist assoziiert mit einer erhöhten Anzahl von Arbeits- und Verkehrsunfällen und in chronischer Form ein Risikofaktor für die Entwicklung psychischer Störungen. Unbehandelt stellt sie bei Depressionen und Alkoholabhängigkeit ein erhöhtes Rückfallrisiko dar. Weiterhin geht die Insomnie mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf bei chronischen Schmerzen einher. Chronische Insomnien erhöhen zudem das Risiko für körperliche Volkskrankheiten, wie Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen.

Milliardenmarkt Schlaf

Viele Menschen suchen nach Hilfe und geben große Geldsummen für technische Schlafhilfen aus. Diese versprechen einen besseren Schlaf, einen verbesserten Start in den Tag oder mehr Leistungsvermögen sowie Wohlbefinden durch eine höhere Schlafqualität. Sleeptracker und Apps sollen den eigenen Schlaf vermessen und Schlafstörungen wie Schnarchen (Schlafapnoe) diagnostizieren. Kuschel-Schlafroboter, die synchron mit den Schlafenden atmen, Gewichtsdecken, Lichtmetronome, Lichtwecker, Stirnbänder zur Stimulation der Gehirnströme, intelligente Schlafmatten etc. suggerieren die Auflösung von Schlafproblemen und mehr Leistungsvermögen am Tag.

Viele dieser Gadgets sind wissenschaftlich weder erprobt noch in ihrer Wirksamkeit evaluiert. Die Nutzerinnen und Nutzer sind nach dem Kauf enttäuscht. „Bei vielen Schlaftrackern und Apps handelt es sich eigentlich um Steinzeitmethoden der Schlafforschung“, so Hans-Günter Weeß, Referent der Fortbildungsakademie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Sie vermitteln aufgrund ihrer Erscheinungsform einen hochtechnischen und wissenschaftlichen Charakter. Viele beruhen auf der Analyse der Bewegungshäufigkeit und nutzen häufig als einziges Biosignal den Puls. Mit diesen Parametern können aber keine validen Aussagen zur Schlafqualität getroffen werden. Studien haben gezeigt, dass sich mit diesen Parametern lediglich orientierende Aussagen zur Gesamtschlafmenge, die Einschlafzeit und nächtlichen Wachphasen treffen lassen. „Würde es sich dabei um valide Parameter zur Analyse des Schlafes handeln, würden wir diese längst in der schlafmedizinischen Praxis einsetzen“, so Weeß. Zudem wurden die meisten Validierungsstudien zu Smartwatches und vergleichbaren Wearables an gesunden Personen durchgeführt. Daher eignen sich diese Geräte eher als Wellness-Produkte, nicht jedoch für medizinische Diagnosen. Dies hat bereits zu regulatorischen Konflikten mit Behörden wie der US-amerikanischen FDA geführt, etwa bei Herstellern, die Funktionen zur Blutdruckmessung in Smartwatches bewerben.

Krank durch Schlaftracking?

Menschen, die ihren Schlaf tracken, um ihn zu optimieren, entwickeln laut Studien in 14 oder mehr Prozent der Fälle eine Verstärkung ihrer Schlafstörung – eine Orthosomnie. Diese resultiert aus einer verstärkten Selbstbeobachtung und Selbstoptimierung des eigenen Schlafvermögens und wirkt in der Konsequenz häufig anspannungs- und in der Folge schlafstörungsverstärkend. Zudem verlassen sich viele Menschen nicht mehr auf das eigene Körpergefühl am Morgen, weil sie auf das Ergebnis des Schlaftrackers schauen und sich entsprechend fühlen. Die Geräte können aufgrund ihrer fehlenden Genauigkeit Menschen mit Schlafstörungen einen gesunden Schlaf attestieren, sodass diese keine weitere Hilfe in Anspruch nehmen. Anderseits ist es möglich, dass Menschen mit einem gesunden Schlaf ein nicht erholsamer Schlaf attestiert wird, was diese wiederum verunsichern kann. 

Digitale Methoden mit Anwendung in der heimischen Umgebung können die Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen wirksam unterstützen. Deshalb fordert die DGSM moderne wissenschaftlich evaluierte Methoden, die den medizinischen, diagnostischen und therapeutischen Standards für die Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen entsprechen. 

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