Frühgeborene und ihr Immunsystem

mg
Füße eines Neugeborenen Babys zu sehen inmitten von Handtüchern in einem Brutkasten, Kabel zu sehen und am Fuß angebrachte Messung der Sauerstoffsättigung
Je unreifer ein Kind bei der Geburt ist, desto stärker und länger unterscheiden sich seine Immunzellen von denen reiferer Frühgeborener. Doch das Immunsystem von extrem Frühgeborenen ist nicht inaktiv oder schwach, sondern anders organisiert. © Daniel Peter/UKW
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Je länger Babys im Mutterleib bleiben, umso besser ist das für ihre Entwicklung. Wie sich das Gestationsalter, Entzündungen und das Geschlecht auf die Reifung des Immunsystems auswirken, zeigt eine Studie des Universitätsklinikums Würzburg.

Wenn ein Kind ab der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) geboren wird, gilt es als Termingeburt und hat damit ein deutlich niedrigeres Infektionsrisiko als Kinder, die zu früh geboren wurden. Das hängt mit der Reifung des Immunsystems zusammen, bisher fehlten jedoch belastbare Daten, wie sich die Zellarten des adaptiven Immunsystems nach der Geburt entwickeln. Daher untersuchte ein Team des Universitätsklinikums Würzburg, wie sich Gestationsalter, Geschlecht und Entzündungen auf das Immunsystem auswirken.

Größter Datensatz zur postnatalen Entwicklung

Für die Analyse legte das Team zunächst den größten Datensatz zur postnatalen Entwicklung adaptiver Abwehrzellen bei Frühgeborenen an. Denn das Problem ist das geringe Blutvolumen von Frühgeborenen, 90 bis 100 Milliliter pro Kilogramm, weshalb ihnen nur wenige Tropfen Blut abgenommen werden können. „Bislang wussten wir gar nicht, wie das Immunsystem eines gesunden Frühgeborenen aussieht und welche Werte angesichts der Frühgeburt normal sind“, eräutert Johannes Dirks, Kinderarzt am Uniklinikum Würzburg (UKW).

Mit dem für die Studie gesammelten Datensatz werden erstmals Referenzwerte für die klinische Einordnung von Immunbefunden veröffentlicht. So wurden hierfür mehr als 1.500 Blutuntersuchungen der ersten 50 Lebenstage von 577 Frühgeborenen ausgewertet. Das Alter der Babys lag zwischen 22 und 36 Wochen bei einem Geburtsgewicht von 305 bis 2820 Gramm. Anschließend wurden die Daten mit unterschiedlichen Faktoren rund um die Geburt in Zusammenhang gesetzt.

Zeitpunkt der Geburt entscheidend

So konnten die Forschenden feststellen, dass sich die Immunzellen umso mehr unterscheiden, je früher ein Baby zur Welt kommt. Dennoch gebe es einen Normalbereich bei Frühgeborenen, auch wenn sich die Werte von denen unterscheiden, die ab der 37. SSW geboren wurden. CD4-T-Helferzellen seien dauerhaft in geringerer Zahl vorhanden, während sich in den ersten Lebenswochen gehäuft B-Zellen zeigen. Je älter das Baby wird, desto mehr steigt die Anzahl der natürlichen Killerzellen an. Sie bekämpfen virusinfizierte oder geschädigte Körperzellen.

Die neuen Erkenntnisse zeigen, dass das Immunsystem nicht inaktiv oder schwach ist, sondern sich noch in der Entwicklung befindet. „Es ist also nicht zwingend krankhaft im Sinne eines Immundefektes, wenn bestimmte Zellen bei Frühgeborenen noch unterrepräsentiert sind“, schlussfolgert Dirks. So liefert die Studie eine Tabelle zur genauen Einschätzung des Immunstatus.

Auswirkungen des Geschlechts

Zudem zeigte sich, dass sich auch das Geschlecht und Entzündungen auf das Immunsystem auswirken. Das sogenannte Amnioninfektionssyndrom sowie typische Komplikationen, die mit einer Frühgeburt einhergehen, verstärkten die immunologischen Veränderungen. Doch auch das Geschlecht scheint Auswirkungen zu haben. So besaßen frühgeborene Mädchen höhere Anteile an T-Helferzellen, was zu ihrem besseren Überleben beitragen kann. Denn dass frühgeborene Jungen eine schlechtere Prognose haben, ist schon lange bekannt. 

Das Ziel des Würzburger Teams war es, einen Datensatz aufzubauen, mit dem auch die Nachsorge und das Überleben der Kinder verbessert werden kann durch gezielte Interventionen. Denn die Infektionsanfälligkeit zieht sich bis ins hohe Erwachsenenalter, wie zahlreiche Kohortenstudien zeigen.

Literatur:
Dirks J, Fortmann I, Marißen J, et al.: Effect of gestational age on lymphocyte phenotypes in hospitalized preterm infants. Journal of Allergy and Clinical Immunology, 2025; 157, 506-516.

Quelle: idw/UKW

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