Gesunder Schlaf schützt das Gehirn

Unverzichtbar für die geistige Leistungsfähigkeit
mb
Symbolbild für gesunden Schlaf
© paula/stock.adobe.com
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Anlässlich des World Brain Day am 22. Juli 2026 empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Hirnstiftung, den Schlaf als wichtigen Risikofaktor der Gehirngesundheit ernst zu nehmen.

Ausreichender Schlaf ist mehr als Erholung. Im Schlaf arbeitet unser Gehirn auf Hochtouren: Erinnerungen werden dauerhaft gespeichert und unwichtige Informationen aussortiert. Gleichzeitig zeigen wissenschaftliche Studien, dass chronischer Schlafmangel Konzentration und Gedächtnis beeinträchtigen. Langfristig kann auch das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer erhöht sein. Schlaf ist unverzichtbar für die geistige Leistungsfähigkeit: Dies verdeutlichen zahlreiche experimentelle Studien. Bereits eine Nacht ohne Schlaf reduziert die Fähigkeit des Gehirns, neue Erinnerungen zu bilden um rund 40 Prozent. Besonders betroffen sind Aufmerksamkeit, Konzentration, Arbeitsgedächtnis sowie komplexe Denkprozesse wie Planung, Problemlösen und Entscheidungsfindung. Im Umkehrschluss verbessert ausreichend langer und qualitativ hochwertiger Schlaf nachweislich die Gedächtnisleistung und erleichtert das Lernen.

Guter Schlaf – gute Gedächtnisleistung

„Viele Menschen betrachten Schlaf noch immer als verlorene Zeit. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall: Schlaf ist Hochleistungsmedizin für das Gehirn. Erst während des Schlafs werden neu gelernte Informationen dauerhaft gespeichert und das Gehirn auf den nächsten Tag vorbereitet“, erklärt Prof. Dr. Peter Young, Schlafexperte und Fachbeirat der Deutschen Hirnstiftung. Entscheidend ist vor allem der Tiefschlaf, denn in dieser Schlafphase werden neue Erinnerungen aus dem Hippocampus in den Neokortex übertragen und langfristig gespeichert. Gleichzeitig werden weniger wichtige synaptische Verbindungen abgeschwächt. Das Gehirn spart dadurch Energie und schafft Platz für neue Informationen – diesen Prozess nennen Forschende „synaptische Homöostase“.

Steigendes Demenzrisiko

In den vergangenen Jahren wurde nachgewiesen, dass Schlaf weit mehr als die kognitive Leistungsfähigkeit beeinflussen kann. Menschen, die über viele Jahre hinweg zu wenig oder schlecht schlafen, erkranken häufiger an Demenz. Eine breit angelegte Langzeitstudie zeigte: Personen, die zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr regelmäßig weniger als sechs Stunden pro Nacht schliefen, hatten später ein rund 30 Prozent höheres Demenzrisiko. Gleichzeitig verändern frühe Alzheimer-Prozesse die Hirnregionen, die den Schlaf steuern. Schlafstörungen können deshalb viele Jahre vor den ersten Gedächtnisproblemen auftreten – Ursache und Folge der Erkrankung verstärken sich gegenseitig.

Eiweißkonzentration treibt Alzheimer voran

Eine wesentliche Rolle spielen die Eiweißproteine Amyloid-β und Tau im Rahmen der Krankheitsentwicklung bei Alzheimer. Bei längeren Wachphasen steigt ihre Konzentration im Gehirn an. Bereits eine Nacht Schlafentzug kann den Amyloidspiegel erhöhen; auch Tau reagiert empfindlich auf Schlafmangel. Diese Proteine gelten als Treiber der Alzheimer-Erkrankung: Während das eine, Amyloid, krankhafte Tau-Veränderungen scheinbar begünstigt, wird das andere, Tau, mit dem Verlust von Nervenzellen und dem Fortschreiten der Gedächtnisstörungen in Bezug gesetzt. Zudem erforschen Wissenschaftler weitere Mechanismen intensiv – etwa Mikroglia, Astrozyten oder das Orexin-System.

„Schlaf ist keine Luxusreserve“

„Wir können unser Alter nicht beeinflussen – unseren Schlaf aber sehr wohl. Ausreichender und erholsamer Schlaf gehört neben Bewegung, gesunder Ernährung, geistiger Aktivität und der Behandlung von Gefäßrisikofaktoren zu den wichtigsten Maßnahmen, mit denen wir unsere Gehirngesundheit aktiv schützen können“, sagt Prof. Dr. Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am UKSH in Kiel und Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. „Schlaf ist keine Luxusreserve, die man beliebig kürzen kann. Er ist eine biologische Grundvoraussetzung für ein gesundes Gehirn – in jedem Lebensalter. Deshalb möchten wir den World Brain Day nutzen, um das Bewusstsein dafür zu stärken, dass guter Schlaf eine Investition in die Hirngesundheit von morgen ist“, betont Prof. Dr. Frank Erbguth, Präsident der Deutschen Hirnstiftung. Unter dem Motto „Gute Nacht. Starkes Gehirn.“ rufen Schlafexperten, die DGN und die Deutsche Hirnstiftung dazu auf, Schlaf als einen wichtigen Risikofaktor der Gehirngesundheit ernst zu nehmen.

Quelle: DGN

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