HBV-Infektionen in Europa

Nur ein Bruchteil wird diagnostiziert
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Symbolbild für eine Infektion mit Hepatitis B.
© Dr_Microbe/stock.adobe.com
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Schätzungen zufolge wurden nur 15,7 % der Menschen mit chronischer Hepatitis B in der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) diagnostiziert.

Insgesamt leben schätzungsweise 2,4 bis 4,15 Millionen Menschen in Europa mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Die Infektion tritt häufiger im Süden und Osten der EU/des EWR auf. Laut ECDC waren im Jahr 2022 schätzungsweise 0,7 % der Bevölkerung in der Region betroffen. Obwohl diese Gesamtbelastung einen Rückgang gegenüber der Schätzung von 1 % im Zeitraum 2005–2015 darstellt, variieren die Infektionsraten erheblich zwischen den Ländern. Die höchsten Schätzwerte wurden in Ländern Süd- und Osteuropas, die niedrigsten in Ländern Nord- und Westeuropas festgestellt. Etwa zwei Drittel aller Fälle betrafen Personen, die keiner Risikogruppe angehörten. Die geschätzte Gesamtprävalenz war jedoch in Gruppen höher, die bekanntermaßen überproportional häufig von Hepatitis B betroffen sind. Doch auch dieses Bild variierte erheblich zwischen den Ländern.

Schwierige Datenerhebung

„Die Analyse bestätigt, dass die Gesamtbelastung durch chronische HBV-Infektionen in der EU/im EWR weiterhin beträchtlich ist, mit großen Unterschieden zwischen den Ländern und wichtigen Bevölkerungsgruppen“, so die Forscherinnen und Forscher. Es gibt aber anhaltende Herausforderungen bei der genauen Schätzung der Hepatitis-B-Prävalenz in der EU/im EWR. Schätzungen zufolge wurden nur 15,7 % der Menschen mit chronischer Hepatitis B in der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) diagnostiziert. Genaue und aktuelle Prävalenzdaten für chronische Hepatitis B sind jedoch entscheidend für die Bemühungen zur Ausweitung der Diagnostik, doch deren Erhebung bleibe eine Herausforderung. Die Infektion verlaufe meist asymptomatisch, und die lokalen Testpraktiken könnten variieren, sodass die Überwachungsdaten nicht ausreichend verlässliche Informationen zur Schätzung der Prävalenz lieferten. Darüber hinaus seien wichtige Bevölkerungsgruppen, die überproportional von der Infektion betroffen sind, in Prävalenzstudien unterrepräsentiert.

Prävalenz bis zu 10,5%

Angesichts dieser Einschränkungen nutzten die Forschenden die „Workbook“ Methode der Vereinten Nationen, um die Prävalenz nach Ländern und unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), Drogenkonsumenten (PWID) und Migranten zu schätzen. Die Prävalenz wurde berechnet, indem Daten zur Bevölkerungsgröße und zur Hepatitis-B-Prävalenz für Schlüsselgruppen kombiniert wurden. Diese Daten wurden aus wissenschaftlichen Quellen zusammengetragen und von den nationalen Hepatitis-Kontaktstellen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) geprüft. Die Studie ergab, dass im Jahr 2022 zwischen 2,4 und 4,15 Millionen Menschen mit chronischer Hepatitis B in Europa lebten, wobei die nationale Prävalenz zwischen 0,1 % und 3,1 % lag. Unter Migranten variierte laut Studie die Prävalenz zwischen den Ländern zwischen 0,8 % und 10,5 %. Alle Länder, in denen Migranten mehr als drei Viertel der Fälle ausmachten, lagen – mit Ausnahme von Zypern – in Nordwesteuropa. Die Belastung variierte demnach länderübergreifend zwischen <0,1 % und 8,7 % bei Drogenkonsumenten und zwischen <0,1 % und 10,5 % bei MSM, ohne dass ein klares geografisches Muster erkennbar war. Fälle bei Drogenkonsumenten und MSM machten auf nationaler Ebene weniger Fälle aus als bei Migranten und Personen außerhalb dieser Bevölkerungsgruppen, die Prävalenz war aber dennoch höher.

Zugang zur Gesundheitsversorgung verbessern

Die Studienautorinnen und -autoren betonen, dass die deutlichen Unterschiede in der Infektionsprävalenz zwischen Ländern und Bevölkerungsgruppen die Relevanz maßgeschneiderter Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit unterstreichen. Für Migranten schlagen Canabarro et al. vor, die Daten zu nutzen, um den gezielten Zugang zur Gesundheitsversorgung zu verbessern. Andererseits stellen Personen außerhalb von Risikogruppen die Mehrheit der Fälle in der EU/im EWR dar, was die Bedeutung allgemeiner Strategien für Prävention, Testung und Behandlung unterstreiche. Es bestehe jedoch weiterhin Bedarf an besseren empirischen Daten und weiterer Forschung, da genaue und aktuelle Schätzungen entscheidend für die Unterstützung und Überwachung von Präventions- und Kontrollmaßnahmen seien.

Literatur:
Canabarro APF, Duffell E, Hansson D, et al.: Use of the Workbook Method to estimate the prevalence of chronic hepatitis B infections in the European Union and European Economic Area, 2022. Euro Surveill. 2026; 31 (14): pii=2500322, DOI: https://doi.org/10.2807/1560-7917.ES.2026.31.14.2500322.

Quelle: ECDC

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