Interview zur Kinderradiologie mit Dr. Huf

RÖKO 2026
Das Interview führten M. Bauer/M. Reiter
Dr. med. Veronika Huf, Chefärztin der Abteilung Bildgebende Diagnostik (Kinderradiologie) am Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift
© DÄV
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Dr. med. Veronika Huf, Chefärztin der Abteilung Bildgebende Diagnostik (Kinderradiologie) am Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift beschreibt die Herausforderungen der Kinderradiologie und warum es sinnvoll ist, diese Spezialisierung zu haben.
Transkript zum Video

Interview mit Dr. med. Veronika Huf

Bauer: Frau Huf, welche Unterschiede gibt es anatomisch bei Kindern und Erwachsenen?

Huf: Je kleiner die Kinder sind, umso größer sind natürlich die Unterschiede. Man kann sich die unterschiedlichen Körperregionen anschauen. Zum Beispiel gibt es einen riesen Unterschied beim Gefäßsystem, was die Neonaten betrifft. Da stellt sich der ganze Kreislauf um von dem fetalen Kreislauf auf dem postnatalen Kreislauf. Das heißt, die Gefäße obliterieren die Nabelarterie, die Nabelvene. Das ist etwas, was wir in der Radiologie, Kinderradiologie zu sehen bekommen. Bei der Lunge, wenn man sich die Röntgenbilder anschaut, so gibt es verschiedenste Unterschiede. Die Kinder haben Thymusgewebe ganz, ganz viel. Das sieht man beim Erwachsenen überhaupt nicht mehr. Das Herz ist beim Neonaten im Verhältnis zum Lungendurchmesser viel größer als beim Erwachsenen. Im Abdomen hat man großen linken Leberlappen beim Neonaten. Die Kinder haben im Verhältnis zum restlichen abdominellen Inhalt riesen Nebennieren. Das ist etwas, was man später überhaupt nicht mehr fassen kann. Wenn man das Ganze... Die ganze Neurologie betrachtet, so haben wir andere Schallfenster. Dadurch, dass die Fontanelle nicht verknöchert ist im Kindes-, im neonatalen Alter, können wir das Köpfchen schallen, wir können die Wirbelsäule schallen. Am Skelett sehen wir die Wachstumsfugen, die in Abhängigkeit vom Alter sich natürlich verändern, sodass es sehr, sehr viele anatomische Unterschiede gibt zwischen Kindern und Erwachsenen.

Bauer: Welchen Einfluss haben diese Unterschiede denn in der Diagnostik?

Huf: Wir brauchen natürlich in der Kinderradiologie allgemein ganz andere Geräte, weil wir Kinder haben, die 450 Gramm wiegen und wir haben Kinder, die 120 Kilogramm wiegen. Wir müssen das gesamte Spektrum anbieten. Und natürlich haben die Kinder andere Erkrankungen, die müssen wir kennen. Mich fragen oft die Leute, wieso es die Kinderradiologie braucht. Und die frage ich dann immer, gehen Sie mit Ihrem Kind eigentlich zum Internisten oder gehen Sie mit Ihrem Kind zum Kinderarzt? Das ist ein ganz anderes Spektrum.

Bauer: Können Sie mir ein paar Beispiele dafür nennen?

Huf: Der Riesenthymus im Neonatalalter, der führt oft zur Verwirrung, weil wenn man das nicht täglich sieht, das vielleicht mit einer mediastinalen Raumforderung verwechselt. Das ist natürlich ein großer Unterschied, ob das Kind sich normal entwickelt oder ob das plötzlich todkrank ist. Oder genau, im Skelett ist es wichtig, die Wachstumsfugen zu erkennen und das mit irgendwelchen Frakturen zu verwechseln.

Bauer: Worauf müssen Technologen besonders achten in dieser Bildgebung?

Huf: Die müssen zum Beispiel darauf achten, die müssen sich dessen bewusst sein, dass zum Beispiel beim Neonaten die Blutbildung zum großen Teil in Leber und Milz stattfindet. Wenn man die Lunge röntgt und bis zum Beckenkamm aufblendet, hat man sozusagen das ganze blutbildende System mitgeröntgt, was man auf keinen Fall möchte. Wenn wir unsere Untersuchungsprotokolle, wir haben natürlich so ein paar vorgefertigte Untersuchungsprotokolle, da haben wir ganz, ganz andere Sequenzen für zum Beispiel ein neonatales Köpfchen verglichen mit einem älteren Kind. Insofern ist es wichtig, dass es für Kinderradiologie ausgebildete Assistenten und Assistentinnen gibt.

Bauer: Vielen Dank.


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