Reiter: Herr Professor Exner, was waren die wichtigen Themen auf Ihrem Jahreskongress?
Prof. Exner: Die wichtigen Themen auf unserem Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeine und Krankenhaushygiene waren neben den neuen Empfehlungen der KRINKO letzten Endes die Zunahme auch weiterhin der antibiotikaresistenten Erreger, insbesondere bei Gram-negativen Erregern, die Biofilmbildung als tückisches Reservoir für Gram-negative Erreger, dem wir uns viel stärker stellen müssen. Die Konzentration auch auf bestimmte Erreger wie zum Beispiel Pseudomonas aeruginosa, die wir nicht mehr als selbstverständlich hinnehmen wollen. Und die letzten Endes die Aufbereitung von Medizinprodukten, insbesondere Endoskopen, die sich weiterhin als ein wichtiges Reservoir herausstellen und wo wir dringend die bisherigen guten Kriterien weiter fortführen müssen, um diese Reservoire als Überträger von Krankheitserregern ausschließen zu können.
Reiter: Frau Professor Wendt, wie würden Sie die Neuigkeiten aus der KRINKO zusammenfassen?
Prof. Wendt: Ja, die KRINKO befasst sich im Moment mit der Erweiterung ihres Aufgabengebietes hinsichtlich den eher nicht so sehr klinischen Aufgaben, mehr Richtung Pflegeheime und Rehabilitationseinrichtungen. Das ist so ein Aspekt. Und dann gibt es natürlich neue Herausforderungen durch multiresistente Erreger, denen wir uns in den nächsten Jahren auch widmen müssen.
Reiter: Wie fassen Sie die Trends bei den Gram-negativen Erregern zusammen?
Prof. Wendt: Wir haben besonders eine beunruhigende Zunahme bei den sogenannten 4MRGN, das heißt bei den Gram-negativen Stäbchen, die Carbapenemase tragen und damit auch in der Therapie besondere Herausforderungen darstellen.
Reiter: Welche Effekte hat dies auf die tägliche Arbeit der MT?
Prof. Wendt: Nun, die MT können die Klinik sehr stark unterstützen, weil es extrem wichtig ist, sehr präzise und schnelle Ergebnisse in der Diagnostik zu haben, um die betroffenen Patienten ganz schnell zu identifizieren, damit Maßnahmen rechtzeitig umgesetzt werden und so die Verbreitung der Gram-Negativen weiter verhindert wird.
Reiter: Wo sehen Sie den akuten Handlungsbedarf im Kontext der Biofilme?
Prof. Exner: Wir wissen, dass Biofilme das Reservoir sind für den Austausch von Informationen, für eine extreme Persistenz über Jahre, unter anderem in wasserführenden Systemen und auch für eine erhöhte Antibiotikaresistenz und für eine Desinfektionsmittelresistenz, die sich um das 100- bis 1.000-Fache erhöhen kann. Und insofern ist die Vermeidung von Biofilmen und die Entfernung von Biofilmen ganz wichtig. Sobald die sich festgesetzt haben, wird die Kontrolle immer schwieriger. Und das bedeutet, dass wir auch nach Jahren in Krankenhäusern ein bestimmtes Mikrobiom, das durch Biofilme stark gefördert wird, erleben müssen. Deswegen müssen wir diesem Bereich eine ganz wichtige Bedeutung zumessen, wie auch dem Abwasserbereich, was bisher lange Zeit unterschätzt wurde.
Transkribiert mit noScribe Vers. 0.6
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