Keine Empfehlungen für Krebsdiäten

S3-Leitlinie onkologische Ernährungsmedizin aktualisiert
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Dieses Bild zeigt eine Kombination aus gesunden Lebensmitteln wie frischem Gemüse, Nüssen und einem gekochten Ei, die auf einem Holzbrett arrangiert sind. Daneben liegt ein Tablet, auf dessen Bildschirm das Wort „Cancer" zusammen mit einer grafischen Darstellung eines menschlichen Körpers und wissenschaftlichen Elementen zu sehen ist.
© ra2 studio/stock.adobe.com
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Die im Leitlinienprogramm Onkologie aktualisierte S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ spricht sich gegen restriktive Diäten bei Krebs aus.

Durch eine Krebserkrankung oder -therapie verlieren viele Menschen Gewicht. Dann ist es besonders wichtig, einer Mangelernährung vorzubeugen. Denn der Ernährungszustand hat einen Einfluss auf den Erkrankungsverlauf und auf die Therapie: „Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, drohen Komplikationen, Therapieversagen und im schlimmsten Fall der Tod durch Mangelernährung“, sagt Prof. Jutta Hübner vom Universitätsklinikum Jena. Gemeinsam mit Dr. Jann Arends, Universitätsklinikum Freiburg, und Prof. Diana Rubin, Vivantes Humboldt-Klinikum Berlin, koordinierte sie die Aktualisierung der Leitlinie.

Krebsdiäten und Fasten sind gefährlich

Krebsbetroffene bekommen von Laien viele Ratschläge zu ihrer Ernährung. Mit elf Empfehlungen ordnet die Leitlinie besondere Ernährungsformen wie vegane, ketogene Ernährung oder die sogenannte Krebsdiät nach Breuß nun kritisch ein.
 
„Für vegetarische oder vegane Ernährung fehlt noch die Evidenz, um eine Empfehlung dafür oder dagegen auszusprechen. Bis verlässliche Studien vorliegen, ist für onkologische Patientinnen und Patienten eine sorgfältige Planung zwingend erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden“, so Hübner. „Was sogenannte Krebsdiäten angeht: In der Leitlinie wird von strikten Diätvorschriften abgeraten. Sie schränken die Ernährung ein und bergen damit das Risiko von Mangelernährung und Gewichtsverlust. Dazu zählen Fasten, ketogene Diäten sowie die Diäten nach Budwig und Breuß.“ Bislang belegten Studien für diese Ernährungsformen hätten keinen positiven Nutzen – durch die Nahrungsrestriktionen könne es vielmehr zu Mangelernährung kommen.

Neu: Ernährungstherapie bei operativer Tumortherapie     

Im Zuge der Überarbeitung wurde ein neues Kapitel zur Ernährung bei operativer Tumortherapie aufgenommen. Die zwölf neuen Empfehlungen sehen unter anderem vor, dass der Ernährungsstatus vor und nach größeren onkochirurgischen Eingriffen mehrfach erhoben wird. 

Patientinnen und Patienten, die voraussichtlich über mehrere Tage nach der Operation keine feste Nahrung zu sich nehmen können, sollten umgehend künstlich ernährt werden. Für die präoperative Phase empfiehlt die Leitlinie unter anderem, dass Patientinnen und Patienten mit hohem Risiko – etwa bei starkem Gewichtsverlust innerhalb kurzer Zeit – zunächst eine Ernährungstherapie erhalten sollen, auch wenn sich dadurch der Operationstermin verschiebt.

Empathische Kommunikation: Ernährung in der Palliativsituation

In der Palliativversorgung soll die Lebensqualität von Patientinnen und Patienten mit nicht heilbaren Krebserkrankungen verbessert oder erhalten werden – eine differenzierte Ernährungstherapie könne hierzu beitragen. Neu ist die Empfehlung, wiederholt zu prüfen, ob eine enterale oder parenterale Ernährung noch dem Therapieziel entspricht. Diese Entscheidung soll regelmäßig gemeinsam mit den Betroffenen und Betreuenden evaluiert und bei Bedarf neu getroffen werden.
 
„Entscheidet sich eine an Krebs erkrankte Person, die Ernährung einzustellen, kann das zu Konflikten mit den Angehörigen führen. Es ist eine schwierige Situation“, so Hübner. „Um diese psychischen und physischen Belastungen durch die unterschiedlichen Wünsche zu vermeiden, empfehlen wir in der Leitlinie, dass das zuständige Fachpersonal proaktiv, klar und empathisch mit den Beteiligten kommuniziert.“ In den Phasen der Palliativversorgung sollten bei Ernährungsstörungen stets qualifizierte Ernährungsfachkräfte hinzugezogen werden, so die Empfehlung aus der Leitlinie.

Ausblick: Nächster Aktualisierungsschritt anstehend

Die S3-Leitlinie „Klinische Ernährung in der Onkologie“ wurde nach zehn Jahren aktualisiert – und in diesem Prozess erstmalig ins onkologische Leitlinienprogramm der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. überführt. Die Leitlinie entstand unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V., der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. sowie der Deutschen Krebsgesellschaft, vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie sowie unter Mitwirkung von 43 weiteren Fachgesellschaften und Organisationen. Finanziert wurde die Erstellung der Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.
 
Im nächsten Aktualisierungsschritt sollen weitere Themen wie die Ernährung bei Radio- und systemischer Tumortherapie, allgemeine Ernährungsthemen oder das Screening auf Mangelernährung erneut aufgegriffen und umfassend überarbeitet werden.

Weitere Informationen: 
Die neue S3-Leitlinie ist auf dieser Webseite abrufbar https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/ernaehrung-und-ernaehrungsmedizin-in-der-onkologie oder im Leitlinien-Hub unter https://hub.leitlinienprogramm-onkologie.de/. Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert. Weitere Informationen unter: www.leitlinienprogramm-onkologie.de/app/


Quelle: DGEM

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