MII-Symposium - „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“

10 Jahre Medizininformatik-Initiative (MII)
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Eine 10 wird in die Kamera gehalten.
Die Medizininformatik-Initiative feiert ihr 10-jähriges Jubiläum © TMF e. V.
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Seit 2016 baut die Medizininformatik-Initiative (MII) Dateninfrastrukturen an den Universitätskliniken auf. Künftig sollen digitale Gesundheitsdaten Grundlage für eine neue, datengetriebene Medizin sein und Forschung und Versorgung verbessern.

Auf dem MII-Symposium 2026 wurde deutlich, dass Deutschland heute über eine leistungsfähige Infrastruktur verfügt, die klinische Daten in großem Umfang für die Forschung nutzbar macht und damit die Grundlage für eine neue, datengetriebene Medizin legt. Auf dem Jubiläumssymposium am 24. und 25. März 2026 kamen zentrale Akteure der digitalen Gesundheitsforschung zusammen, um Bilanz zu ziehen und Perspektiven für die kommenden Jahre zu diskutieren. „Daten sind der Rohstoff der Zukunft“, betonte der Parlamentarische Staatssekretär des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Matthias Hauer, bei der Eröffnung des MII-Symposiums. „Die MII hat gezeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Versorgung und Politik gemeinsam den digitalen Aufbruch wagen.“ Er verwies auf den Erfolg der MII, die in den letzten zehn Jahren aus einer fragmentierten Datenlandschaft eine vernetzte Struktur mit einheitlichen Standards aufgebaut hat.

Krankheiten besser erforschen

Durch diese neue Infrastruktur können Forschende nun über das Forschungsdatenportal für Gesundheit (FDPG) auf Daten in bislang unerreichtem Umfang zugreifen: Mehr als zwei Milliarden Laborwerte, die Basisdaten von über 21 Millionen Patientinnen und Patienten aus allen Universitätskliniken sowie über 200 Millionen Vitaldaten aus der Intensivmedizin stehen für wissenschaftliche Fragestellungen zur Verfügung. „Die Medizininformatik-Initiative zeigt eindrucksvoll, wie man mit harmonisierten Daten und intelligenten Algorithmen Krankheiten besser erforschen kann. Mit der MII haben wir eine leistungsfähige Dateninfrastruktur aufgebaut, die medizinische Datensätze aus der Universitätsmedizin verknüpft und nutzbar macht“, sagte Sebastian C. Semler, Leiter der Koordinationsstelle der MII.

Bessere pädiatrische Referenzintervalle 

Grundlage dieser Entwicklung ist der bundesweite Aufbau von Datenintegrationszentren (DIZ) an allen Universitätskliniken. Sie bereiten klinische Versorgungs- und Forschungsdaten datenschutzgerecht auf und stellen sie standortübergreifend für die Forschung bereit. Das FDPG bündelt diese Datenbestände, ermöglicht Machbarkeitsanfragen und standardisierte Antragsverfahren. Was mit diesen Real-World-Daten möglich ist, haben zahlreiche Forschungsprojekte auf dem Symposium gezeigt. Sie reichen von der Analyse komplexer Krankheitsverläufe über die Optimierung von Therapien bis hin zu neuen Ansätzen in der Präzisionsmedizin. Somit tragen datengetriebene Auswertungen bereits heute dazu bei, die Patientenversorgung zu verbessern. Prof. Dr. Irit Nachtigall, Vivantes GmbH, wies z.B. auf geschlechtsspezifische Unterschiede bei Diagnostik, Therapie und Verlauf von Sepsis hin. „Sepsis wird bei Frauen häufig später erkannt und behandelt“, so Nachtigall. Die Daten der MII schaffen die Grundlage, solche Unterschiede systematisch zu identifizieren und künftig eine gezieltere, geschlechterspezifische Sepsiserkennung und -therapie zu ermöglichen. Dr. Jakob Zierk vom Uniklinikum Erlangen stellte dar, dass für pädiatrische Referenzintervalle bisher verlässliche Datengrundlagen fehlen. Die deutschlandweite Studie PEDREF 2.0 nutzt daher klinische Routinedaten der MII und moderne Data-Mining-Methoden, um präzisere Referenzintervalle zu entwickeln und so die labordiagnostische Entscheidungsfindung in der Pädiatrie deutlich zu verbessern.

MII und NUM wachsen zusammen

In einer nächsten Entwicklungsstufe sollen die MII und das Netzwerk Universitätsmedizin (NUM) zu einer leistungsfähigen Forschungsinfrastruktur zusammenwachsen. Die Hoffnung: Das soll die Voraussetzungen für mehr Innovationen, mehr Wettbewerbsfähigkeit und mehr Wertschöpfung durch Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz schaffen. „Harmonisierte Daten und smarte Algorithmen sind der Treibstoff für die Medizin der Zukunft. Mit der Medizininformatik-Initiative werden die Voraussetzungen geschaffen, um die Gesundheitsdatennutzung fit für das Zeitalter der künstlichen Intelligenz zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands nachhaltig zu stärken“, betonte Jens Bussmann, Verband der Universitätsklinika Deutschlands (VUD). Wie stark sich die Medizin durch Daten verändern wird, verdeutlichte auch die Keynote von Prof. Dr. Björn Eskofier von der Ludwig-Maximilians-Universität München: „Gesundheitsdaten werden zur Grundlage moderner, präziser und personalisierter Medizin. Künstliche Intelligenz wird Ärztinnen und Ärzte zunehmend bei Diagnostik und Therapie unterstützen. Damit dieses Potenzial Realität wird, brauchen wir jedoch nachhaltige Dateninfrastrukturen und klare wissenschaftspolitische Strategien. Mit der Medizininformatik-Initiative und dem European Health Data Space entstehen auch in Deutschland und Europa wichtige Grundlagen dafür.“

Digitale FortschrittsHubs

In einem nächsten Schritt soll die MII nun transsektoral von der Universitätsmedizin in die Versorgung erweitert werden. Dr. Johanna Ludwig von der gematik sagte in ihrer Keynote: „Erst wenn Daten aus dem klinischen Alltag strukturiert verfügbar sind, können wir die Versorgung wirklich verstehen und verbessern.“ Die Digitalen FortschrittsHubs (DigiHubs) haben sich dieses Ziel gesetzt. Sie haben ihre Konzepte dazu im Rahmen des 1. DigiHubs-Symposiums auf dem MII-Symposium vorgestellt. „Die DigiHubs verankern modellhafte digitale Lösungen aus der Universitätsmedizin in die regionale Versorgung und entwickeln die Ergebnisse der MII weiter“, so Semler. Bis 2029 sollen so Daten aus der Versorgung transsektoral für die Forschung erschlossen werden.

Quelle: TMF e.V.

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