Unerklärliche neurologische Symptome stellen für Patientinnen und Patienten unangenehme Ungewissheit über den eigenen gesundheitlichen Zustand dar und stellen Ärztinnen und Ärzte vor eine Herausforderung. Denn trotz moderner Bildgebung fehlen verlässliche Biomarker, die genutzt werden können, wenn die Bildgebung keine sichere Diagnosestellung ermöglicht. Bisher basiert die Diagnose von Multipler Sklerose (MS) auf einer Mischung aus MRT und Analyse des Liquors. In 10 Prozent der Fälle fehlen die typischen MS-Marker, die oligoklonalen ANtiköreprbande, und es ist keine sichere Diagnose möglich. Hier könnten in Zukunft neu entdeckte Biomarker greifen.
22 Proteine
Auf der Suche nach neuen Methoden kombinierten die Forschenden der Technischen Universität München und Professor Matthias Mann, Direktor am MPI für Biochemie, die neuesten Möglichkeiten in der Massenspektrometrie-Hardware, -Software und -Probenvorbereitung. In einer Studie mit Proben von mehr als 5000 Patientinnen und Patienten mit diversen neurologischen Erkrankungen wurden sie fündig. Zu den neurologischen Erkrankungen zählten Schlaganfall, Hirntumore, Infektionen und auch Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose. Eine große Anzahl an Proben war erforderlich, um Abweichungen zwischen den Personen nicht mit Krankheitsmarkern zu verwechseln. Und nur durch die hohe Anzahl an unterschiedlichen Erkrankungen kann eine Verwechslung vermieden und spezifische Marker entdeckt werden. Zur Kontrolle wurden ebenfalls Proben von Patientinnen und Patienten herangezogen, bei denen keine neurologische Erkrankung festgestellt werden konnte.
Die Forschenden konnten eine Gruppe von 22 Proteinen identifizieren, die MS von anderen, ähnlich entzündlichen Erkrankungen unterscheiden. Diese Proteine können MS genauer abgrenzen als bisher in der Praxis verwendete Parameter im Liquor. Außerdem entdeckten sie einen Hinweis auf den Krankheitsverlauf. Während manche Patientinnen und Patienten jahrelang stabil bleiben, entwickeln andere schneller Beeinträchtigungen oder wechseln früh vom schubförmigen Verlauf in den progressiven Verlauf. Die Analyse der Proben zeigte hier den Zusammenhang des Proteoms im Liquor zum Zeitpunkt der Diagnose mit dem Grad der Beeinträchtigung. Diese Erkenntnisse, sobald sie im klinischen Alltag eingesetzt werden können, führen zu einer präziseren Diagnostik und einer Möglichkeit zur frühzeitigen individuellen Behandlungsstrategie. Auch die Übertragung der neuen Proteomik-Methode auf weitere neurologische Erkrankungen ist möglich, kommentiert Prof. Mann. So würde die Art und Weise revolutioniert werden, wie nach Biomarkern gesucht würde.
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