Neue Erkenntnisse zu therapieresistenten kindlichen Hirntumoren
ETMR – embryonale Tumoren mit mehrreihigen Rosetten – treten im frühen Kindesalter auf. Da sie oft therapieresistent sind, gehören sie zu den seltensten und aggressivsten Hirntumoren mit schlechter Prognose bei Kindern. Ein Forschungsprojekt der Universität Münster hat diese Tumoren analysiert und neue Erkenntnisse gefunden, wieso sie resistent gegen die meisten Therapien sind. Die Erkenntnisse drehen sich vor allem um die Tumormikroumgebung.
Wichtige Mikroumgebung

Um die ETMR zu untersuchen, konzentrierte sich das Team um Prof. Dr. Kornelius Kerl auf Einzelzellanalysen. So konnten sie zeigen, dass sich die Tumoren aus mehreren unterschiedlichen Tumorzellzuständen zusammensetzen, die frühen Phasen der neuronalen Entwicklung ähnlich sind. Dabei sorgen vor allem die stammzellähnlichen Zellen für die Therapieresistenz gegenüber eingesetzten Chemotherapien.
Ebenfalls relevant ist die Mikroumgebung des Tumors. Gemeinsam mit den stammzellnahen Tumorzellen spielen Perizyten, spezielle Gefäßzellen, eine zentrale Rolle. Sie bilden eine geschützte Nische im Tumor, die mit PDGF-abhängigen Signalwegen den Zustand des Tumoren stabilisert, also das Überleben während der Chemotherapie sichert. „Unsere Daten zeigen, dass ETMR-Tumorzellen ihre Umgebung aktiv umprogrammieren und so ein Milieu schaffen, das ihr Überleben auch unter Chemotherapie begünstigt“, erklärt Prof. Kerl.
Doch dank dieser neuen Erkenntnisse konnte das Team ebenfalls Fortschritte in der Aufdeckung neuer Therapien machen. So zeigte sich, dass sich der PDGF-Signalweg gezielt stören lässt. Eine pharmakologische Hemmung zeigte im Mausmodell und in 3D-Modellen menschlicher Hirnorganoide eine Reduktion der perizytenähnlichen Zellen. Der Tumor wurde angreifbarer.
Quelle: idw
Artikel teilen




