Neuer Marker nach Schlaganfall

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Frau vor einer Glastür, links grüner Hintergrund
Erstautorin Dr. Naomi Vlegels © Antonia Weingart/LMU Klinikum
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Zeit ist ein entscheidender Faktor beim Schlaganfall. Auch danach entscheidet sich noch, wie stark die Auswirkungen auf das Gehirn sind. Diese ließen sich bisher nur begrenzt vorhersagen. Ein neuer Blutmarker soll das Ausmaß der Hirnschädigung abbilden können.

Nach einem Schlaganfall kann nur punktuell mittels Bildgebung erfasst werden, wie groß die Auswirkungen auf das Gehirn sind. Für viele andere Organe gab es bereits Marker, nun haben Forschende des LMU Klinikums auch einen Marker für die Schäden am Gehirn entwickelt: Brain-derived Tau, kurz BD-tau. Nach einem ischämischen Anfall kann so über die Zeit abgebildet sein, wie stark das Gehirn geschädigt wurde.

Langjährige Forschung

Während sich therapeutische Maßnahmen zu Lähmungen oder Sprachstörungen auf CT- oder MRT-Aufnahmen stützten, waren dies bisher nur Momentaufnahmen und wiederholte Untersuchungen, um diese Momentaufnahmen zu bestätigen, sind organisatorisch nicht immer möglich.  „In der klinischen Versorgung stehen wir deshalb aktuell vor dem Problem, die Entwicklung der Hirnschädigung nicht fortlaufend verfolgen zu können und sind dadurch bei Therapieentscheidungen eingeschränkt“, sagt PD Dr. Dr. Steffen Tiedt, Wissenschaftler am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) und Oberarzt auf der Stroke Unit der Neurologischen Klinik des LMU Klinikums München.

Bereits 2013 initiierte Tiedt daher die Entwicklung für einen zuverlässigen Bluttest. BD-tau wurde nun als Blutmarker identifiziert, da es das Tau-Protein aus dem zentralen Nervensystem erfasst. In einer Studie wurde BD-tau vom Zeitpunkt der Aufnahme bis Tag 7 regelmäßig gemessen. Die Ergebnisse wurden zudem in zwei unabhängigen multizentrischen Kohorten validiert, wodurch insgesamt Daten von mehr als 1200 Schlaganfallpatientinnen und -patienten einflossen. 

Zuverlässiger Marker für Therapie und Infarktverlauf

In allen Studien zeigte sich BD-tau als zuverlässiger Marker für den Zustand des Gehirns nach einem ischämischen Anfall. Werte bereits wenige Stunden nach Symptombeginn gaben zuverlässige Aussagen zur Infarktgröße. Zudem zeigt BD-tau zuverlässig, wie der Anfall sich weiter entwickelt. Ein stärkerer Anstieg in den ersten 24 bis 48 Stunden spricht für einen Infarktwachstum. Außerdem waren die Werte bei Komplikationen und neuen Ereignissen erhöht. Genauso gut oder besser wie andere Blutmarker und bildgebende Maßnahmen sagt BD-tau auch die Erholung voraus für den funktionellen Zustand nach 90 Tagen.

Daneben spiegelt BD-tau auch die Behandlungseffekte wider. Der Anstieg fiel geringer aus, wenn das Gefäß vollständig bei einer Thrombektomie wieder geöffnet werden konnte. Weitere Studien sind zwar nötig, um Referenzbereiche und genaue Schwellenwerte zu definieren, aber langfristig kann es helfen, den Verlauf nach einem Schlaganfall besser zu überwachen und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Literatur:
Vlegels N. et al.: Brain-derived tau for monitoring brain injury in acute ischemic stroke. Science Translational Medicine, adz1280 (2026); DOI: 10.1126/scitranslmed.adz1280.

Quelle: idw

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