Neuer Radiotracer für Blasenkrebs

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Zwei Forschende in weißen Kitteln im Labor
Im Labor nutzen Johanna Trommer und Tobias Krönke vom HZDR einen mikrowellengestützten Peptidsynthesizer, um passende Peptide für Radiopharmaka herzustellen. © HZDR/K.Zheynova
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Damit die meisten Krebstherapien wirken, ist es wichtig, dass der zu behandelnde Krebs die notwendigen Zielstrukturen trägt. Um dies bei einer häufigen Form von Blasenkrebs sicherzustellen, entwickelten Dresdner Forschende einen neuen Marker.

Die richtigen Zielrezeptoren sind wichtig in der modernen Krebsbehandlung, damit die Krebsmedikamente die anzugreifenden Zellen erkennen. Ein wichtiges Oberflächenprotein bei Urothelkarzinomen, einer häufigen Form von Blasenkrebs, ist Nectin-4. Nicht jeder Tumor bildet dieses Protein und Metastasen können das Protein sogar verlieren, was die betreffenden Wirkstoffe unwirksam macht. Um den Gehalt und die Heterogenität von Nectin-4 bildgebend nicht-invasiv nachzuweisen, entwickelten Dresdner Forschende einen radiopharmazeutischen Molekülmarker.

Klare Tumorlokalisierung

Zur Entwicklung des Tracers veränderten die Forschenden das bizyklische Peptik-Wirkstoff-Konjugat BT8009 so, dass es sich für die bildgebende Diagnostik eignet. Die Klasse der bizyklischen Peptiden zeichnet sich durch eine hohe Zielgenauigkeit und Stabilität im Körper aus. Durch die Anpassungen entstanden mehrere Peptidvarianten, die mit radioaktiven Isotopen wie Gallium-68 oder Kupfer-64 markiert werden können. Beide Varianten können Nectin-4 mittels PET sichtbar machen, unterscheiden sich jedoch im Anwendungsgebiet. Die Variante mit Gallium-68 ermöglicht schnelle nuklearmedizinische PET-Untersuchungen am selben Tag, Kupfer-64 ermöglicht eventuell kontrastreichere Aufnahmen zu späteren Zeitpunkten.

Zunächst wurden die neuen Tracer in Zellkulturen und Tumormodellen getestet, im Sommer 2025 kam die Gallium-67-Variante erstmals zur Anwendung bei einem Patienten. Der neue Marker bewies auch hier, wie bereits vorher in den Tests, eine hohe Bindungsspezifität, schnelle Ausscheidung und klare Tumorlokalisierung. „Mit NECT-224 können wir ans Licht bringen, ob ein Tumor tatsächlich Nectin-4 trägt, um zu beurteilen, ob der betroffene Patient auf gezielte Therapien ansprechen wird“, erklärt Dr. Robert Wodtke, wissenschaftlicher Mitarbeiter am HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung. „Der erfolgreiche erste Einsatz beim Menschen war für uns ein wichtiger Meilenstein und ein starkes Zeichen dafür, dass dieser Tracer einen echten klinischen Mehrwert bieten kann.“

Das Team arbeitet nun daran, NECT-224 weiter zu optimieren. Das Ziel: die Bindungsdauer im Tumor verlängern und damit den Tracer für mögliche theranostische Ansätze nutzbar machen. Langfristig könnte NECT-224 so nicht nur bei der richtigen Therapiewahl helfen, sondern auch Grundlage neuer Behandlungsstrategien sein, den sogenannten Targeted Radioligand Therapies (TRTs).

Literatur:
Krönke T, Trommer J, Wodtke R. et al.: “Precision on Two Wheels” – Structural Refinement of 64Cu- and 68Ga-Labeled Bicyclic Peptides Targeting Nectin-4 for Improved Tumor Imaging: From Preclinical Development to First-in-Human Application, in Journal of Medicinal Chemistry, 2025; DOI: 10.1021/acs.jmedchem.5c02371.

Quelle: idw

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