Parkinson ist eine weit verbreitete Krankheit. Allein in Deutschland sind laut Deutscher Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen aktuell bis zu 400.000 Menschen betroffen. Weltweit leiden schätzungsweise über 10 Millionen Menschen daran. Da die Weltbevölkerung immer älter wird, wird erwartet, dass sich diese Zahl bis 2050 voraussichtlich mehr als verdoppeln könnte. Derzeit gibt es weder eine wirksame Heilung noch eine etablierte Screening-Methode, um diese chronisch-neurologische Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen, bevor sie erhebliche Hirnschäden verursacht. In einer neuen Studie berichtet ein Forschungsteam der Technischen Universität Chalmers und des Universitätsklinikums Oslo (Norwegen) über mögliche Schritte hin zu einer Früherkennung von Parkinson. Die biologischen Prozesse bei Parkinson hinterlassen demnach messbare Spuren im Blut, jedoch nur für einen begrenzten Zeitraum, wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen. Die Entdeckung könne somit ein Zeitfenster eröffnen, das für zukünftige Behandlungsansätze, aber auch für die Früherkennung mittels Bluttests von entscheidender Bedeutung sein könnte. Erste Tests dieser Art könnten innerhalb der nächsten fünf Jahre im Gesundheitswesen erprobt werden, so die Hoffnung.
Konzentration auf zwei Prozesse
Bis die motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit auftreten, seien oft schon 50 bis 80 Prozent der betroffenen Gehirnzellen geschädigt oder abgestorben. Die Studie sei ein wichtiger Schritt hin zur Früherkennung der Krankheit und zur Eindämmung ihres Fortschreitens, bevor sie so weit fortgeschritten sei, betont Danish Anwer, Doktorand am Department of Life Sciences der Chalmers-Universität und Erstautor der Studie. In der Studie konzentrierten sich die Forscher auf zwei Prozesse, die vermutlich in der Frühphase der Krankheit eine Rolle spielen. Diese kann bei Parkinson-Patienten bis zu 20 Jahre dauern, bevor sich die motorischen Symptome vollständig entwickeln. Einer dieser Prozesse ist die körpereigene DNA-Reparatur, das zelluläre System zur Erkennung und Behebung von Schäden. Der zweite Prozess ist die Stressreaktion der Zellen, eine Überlebensreaktion, die durch Bedrohungen ausgelöst wird und bei der die Zellen Reparatur und Schutz priorisieren, indem sie normale Funktionen pausieren.
Muster nur in der Frühphase der Parkinson-Krankheit
Die Forscher nutzten maschinelles Lernen und andere Techniken, um ein Muster spezifischer Genaktivitäten zu entdecken, die mit der DNA-Reparatur und der Stressreaktion bei Patienten in der Frühphase der Parkinson-Krankheit in Verbindung stehen. Dieses Muster wurde weder bei gesunden Personen noch bei diagnostizierten Patienten mit bereits bestehenden Symptomen gefunden. Das bedeute, dass ein wichtiges Zeitfenster entdeckt worden sei, in dem die Krankheit erkannt werden könne, noch bevor motorische Symptome aufgrund von Nervenschäden im Gehirn auftreten. Die Tatsache, dass diese Muster nur in einem frühen Stadium sichtbar seien und im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit nicht mehr aktiv seien, mache es zudem interessant, die zugrundeliegenden Mechanismen zu erforschen, um zukünftige Therapien zu entwickeln, erläutert Annikka Polster, Assistenzprofessorin am Department of Life Sciences der Chalmers-Universität und Leiterin der Studie.
Kostengünstige und leicht zugängliche Methode
Das Forschungsteam betont, dass in der Parkinson-Forschung bereits verschiedene andere biologische Indikatoren für das Frühstadium der Erkrankung untersucht worden seien, darunter solche, die mit Bildgebung des Gehirns oder Analysen der Hirnflüssigkeit in Verbindung stehen. Validierte Tests, die sich für ein breites Screening zur Erkennung der Krankheit vor dem Auftreten von Symptomen eignen, seien jedoch bisher noch nicht verfügbar. In der jetzt vorliegenden Studie seien dagegen Biomarker identifiziert worden, die wahrscheinlich einen Teil der frühen biologischen Prozesse der Krankheit widerspiegeln können. Es habe sich gezeigt, dass diese im Blut messbar sind. Dies könne den Weg für umfassende Screening-Tests mittels Blutproben ebnen. Es wäre eine kostengünstige und leicht zugängliche Methode, so Polster.
Test in fünf Jahren?
In einem nächsten Schritt wollen die Forscherinnen und Forscher die genauen Mechanismen verstehen, die im Frühstadium der Krankheit aktiviert werden, und Instrumente entwickeln, um deren Nachweis zu vereinfachen. Das Team geht davon aus, dass Bluttests zur Früherkennung von Parkinson innerhalb von fünf Jahren im Gesundheitswesen erprobt werden könnten. Längerfristig erhofft man sich, dass die Forschung auch zur Entwicklung von Medikamenten zur Vorbeugung oder Behandlung der Krankheit beitragen könne. Wenn die Mechanismen in Echtzeit untersucht werden könnten, liefere das wichtige Erkenntnisse darüber, wie sie gestoppt werden könnten und welche Medikamente wirksam sein könnten. Dies könne die Entwicklung neuer Medikamente, aber auch das Repurposing von bereits zugelassenen Medikamenten umfassen. Dabei könnten Medikamente, die für andere Erkrankungen als Parkinson entwickelt wurden, eingesetzt werden, weil dieselben Genaktivitäten oder Mechanismen aktiv seien, hofft Polster.
Quelle: Chalmers University of Technology
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