Parkinson: Neuartiger PET-Tracer für bessere Diagnostik?

Prozesse im lebenden Gehirn sichtbar machen
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Auswirkungen und Ursache von Parkinson schematisch dargestellt.
© ilusmedical/stock.adobe.com
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Ein Forschungsteam hat einen neuartigen PET-Tracer entwickelt, der krankhafte Alpha-Synuclein-Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen kann. Diese Methode soll u.a. eine bessere Diagnose ermöglichen.

Erkrankungen wie Parkinson oder Multisystematrophie betreffen Millionen Menschen weltweit. Für Deutschland wird von 400.000 Parkinson-Betroffenen ausgegangen. Trotz aller Fortschritte ist nicht immer eine sichere Diagnose möglich. Denn diese Krankheiten sind bislang oft erst spät oder sogar erst nach dem Tod sicher diagnostizierbar. Forschenden des Universitätsklinikums Tübingen in Zusammenarbeit mit dem Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften und dem Biotechnologie-Unternehmen MODAG ist es nun gelungen, einen neuen molekularen Marker, einen sogenannten PET-Tracer, zu entwickeln, der krankhafte Ablagerungen des Proteins Alpha-Synuclein im lebenden Gehirn sichtbar machen kann. Diese Ablagerungen entstehen häufig schon Jahre vor den ersten Symptomen und gelten als Biomarker für Erkrankungen. „Mit diesem neuen Verfahren können wir krankhafte Prozesse erstmals direkt im Gehirn beobachten – und weitere Arbeiten werden zeigen, ob dies auch gelingt, bevor klinische Symptome eindeutig sind“, sagt Prof. Dr. Kristina Herfert vom Werner Siemens Imaging Center am Universitätsklinikum Tübingen, die die Studie zusammen mit Prof. Dr. Armin Giese und Prof. Dr. Christian Griesinger leitete. „Das eröffnet neue Möglichkeiten für eine frühere und genauere Diagnose.“

Charakteristische Muster erkennbar

Der neue Tracer mit dem Namen [¹¹C]MODAG-005 wurde in mehreren Entwicklungsschritten chemisch optimiert unter Zuhilfenahme von Tiermodellen bis hin zu ersten Untersuchungen bei Patientinnen und Patienten. „Die Kombination von Chemie und den geeigneten biochemischen und tierexperimentellen Tests war nur in Teamarbeit möglich“, sagt Griesinger, Direktor am Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften. Erste Ergebnisse aus der vorklinischen Studie anhand dreier Patientinnen und Patienten deuteten darauf hin, dass sich unterschiedliche Krankheitsformen anhand charakteristischer Muster im Gehirn unterscheiden lassen. „Die Übereinstimmung der Bilder mit den Erwartungen der Neuropathologen für die unterschiedlichen Erkrankungen ist ein entscheidender Schritt hin zu einer verlässlichen bildgebenden Diagnostik bei diesen neurologischen Erkrankungen“, erklärt der Neuropathologe Giese, Chief Scientific Officer von MODAG.

Entwicklung neuer Medikamente voranbringen

Neben der Diagnostik soll die neue Technologie auch großes Potenzial für die Entwicklung und Bewertung neuer Medikamente bieten. So könne erstmals direkt im Gehirn überprüft werden, ob ein Wirkstoff tatsächlich an seinem Ziel ankommt und wirkt. Dies könnte zukünftige klinische Studien effizienter machen und die Entwicklung neuer Therapien beschleunigen, so die Hoffnungen des Forschungsteams. Gleichzeitig soll sich die Möglichkeit eröffnen, Krankheitsverläufe individueller zu verfolgen und Behandlungen besser auf einzelne Patientinnen und Patienten abzustimmen. „Für die pharmazeutische Forschung ist das ein Meilenstein“, betont Giese, CSO von MODAG. „Wir können künftig viel gezielter prüfen, ob neue Wirkstoffe tatsächlich das krankheitsauslösende Protein beeinflussen.“ Langfristig könnte die neue Bildgebungstechnologie dazu beitragen, Krankheitsverläufe durch eine frühe Diagnose zu verlangsamen und Therapien gezielter einzusetzen. Die Forschenden sehen ihre Arbeit als wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer besseren Versorgung von Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen – vergleichbar mit den Fortschritten, die bildgebende Verfahren bereits in der Alzheimer-Forschung ermöglicht haben.

Literatur:
Ran Sing Saw, et al.: The PET tracer [11C]MODAG-005 targets alpha-synuclein aggregates in the brain.Sci. Transl. Med.18,eaec0813(2026). DOI: 10.1126/scitranslmed.aec0813.

Quelle: Uniklinikum Tübingen

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