Die idiopatische pulmonale Fibrose, kurz IPF, zählt zu den fibrosierenden Lungenerkrankungen, für die es bisher keine Therapieoption gibt, welche die Ursachen behandelt. In den vergangenen 10 Jahren wurden drei Medikamente klinisch getestet: Nintedanib, Pirfenidon und Nerandomilast. Sie können die Symptome behandeln und den Krankheitsverlauf damit verlangsamen, aber ihn nicht gänzlich aufhalten. Eine Lungentransplantation bleibt für ausgewählte Patientinnen und Patienten daher die einzige Form einer möglichen Heilung.
FUS-Protein maßgeblich beteiligt
Forschende der Justus-Liebig-Universität Gießen haben genau hier ihre Studie angesetzt und die Rolle des RNA-bindenden Proteins Fused in Sarcoma (FUS) bei der Lungenfibrose erforscht. Denn der Anteil an FUS-Proteinen ist im Zytoplasma von IPF-Patientinnen und -Patienten deutlich höher als bei gesunden Personen. Außerdem führt FUS in den Fibroblasten der Lunge zu einem schnelleren Vernarbungsprozess. Wird das Gen für FUS hingegen gezielt gehemmt, wird auch die Vermehrung der Fibroblasten und damit die Vernarbung gehemmt. Auch Nintedanib und Pirfenidon sind in ihrer Wirkung teilweise von FUS abhängig.
Mithilfe von hochmodernen Analyseverfahren konnten die Forschenden die durch FUS regulierten Signalwege identifizieren und sehen, dass viele Vernarbungsprozesse hiervon abhängig sind. Der Einsatz einer bereits getesteten Substanz ION363 setzte den Gehalt von FUS in IPF-Fibroblasten gezielt herab. Hinzukam jedoch, dass auch normale Stoffwechsel- und Funktionsprozesse der alveolären Epithelzellen wiederhergestellt werden konnten. Hierunter ist auch der Lipoproteinkomplex Surfactant, der die Atmung unter normalen Druckverhältnissen im Brustkorb ermöglicht. Die Herabsenkung von FUS bewirkte zudem, dass die Lunge ihre eigene Fähigkeit zur Regeneration zum Teil wiedererlangen konnte.
In der Studie konnten die Forschenden damit nicht nur eine neue Therapieoption testen, welche die Symptome lindert, sondern auch die Schutzschicht der Lungenepithelzellen schützt bei gleichzeitiger Förderung der Regeneration. Da die Studie an humanem, kultiviertem Lungengewebe und isolierten Zellen von IPF-Patientinnen und -Patienten durchgeführt wurde, hoffen die Forschenden, dass sich diese präklinischen Ergebnisse gut auf die Praxis übertragen lässt. Künftig sollten durch diese Methode der Studiendurchführung mehr klinische Studien erfolgreich abgeschlossen werden können.
Quelle: idw
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