Risikoadaptierte Strategie im Lungenkrebsscreening
Oftmals wird Lungenkrebs erst im fortgeschrittenem Stadium entdeckt. Doch je weiter der Krebs fortgeschritten ist, desto geringer werden die Heilungschancen. Studien haben bereits gezeigt, dass eine frühzeitige Erkennung mittels Niedrigdosis-Computertomografie, den Lungenkrebs früher zu erkennen durch eine vergleichsweise schonendere Untersuchung. 2025 entschied der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daraufhin, die Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-CT für starke Raucherinnen und Raucher als Kassenleistung aufzunehmen. So können Menschen zwischen 50 und 75 Jahren, die stark rauchen/geraucht haben oder vor weniger als 10 Jahren aufgehört haben, gescreent werden.
Risikoverzögerungszeit
Eine aktuelle Studie widmete sich nun der Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, Menschen mit 50 Jahren das Screening anzubieten, wenn sie vor weniger als 10 Jahren aufgehört haben zu rauchen? Und sollten ehemalige Raucherinnen und Raucher, die vor mehr als 10 Jahren aufgehört haben, gar kein Screening erhalten? Ein Team des Deutschen Krebsforschungszentrums analysierte dafür Daten der UK Biobank aus, einer großen britischen Kohortenstudie. 86.035 aktuelle und ehemalige Raucherinnen und Raucher zwischen 50 und 72 Jahren waren darin eingeschlossen und zu Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt.
Die ehemaligen Raucherinnen und Raucher wurden in vier Gruppen eingeteilt, je nachdem, wie lange der Rauchstop zurücklag: bis 5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–15 Jahre, mehr als 15 Jahre. Im Nachbeobachtungszeitraum traten 2.109 Fälle von Lungenkrebs auf. Aus den Ergebnissen entwickelte das Team des DKFZ eine risikoadaptierte Strategie zum Lungenkrebsscreening. Es zeigte sich, je länger der Rauchstop zurücklag, desto stärker reduzierte sich das Risiko. Um die Altersempfehlungen treffen zu können, gingen die Forschenden nach diesem Konzept vor: Wenn ein Rauchstop das Lungenkrebsrisiko senkt, lässt sich berechnen, um wie viele Risikojahre das mit dem Alter ansteigende Erkrankungsrisiko dadurch nach oben verschoben wird. Diese Spanne nannte das Team „Risikoverzögerungszeit“.
Adaptiertes Risiko bei Ex-Raucherinnen und -Rauchern
So konnten die Forschenden errechnen, wann ehemalige Raucherinnen und Raucher das gleiche Risiko wie haben wie Personen, die nie mit dem Rauchen aufgehört haben – das sogenannte risikoadaptierte Alter, ab wann ein Screening bei den Ehemaligen anfangen sollte. Haben die Personen vor weniger als 5 Jahren aufgehört zu rauchen, lag die Risikoverzögerung bei rund 2,7 Jahren. In der Gruppe, die vor 6–10 Jahren aufgehört hatte zu rauchen, waren es 6,2 Jahre, also etwa mit 56 Jahren. Die beiden Gruppen 11–15 Jahre und mehr als 15 Jahre lagen bei 60 bzw. 67 Jahren, das Alter, ab wann sie das gleiche Risiko haben wie aktuelle Raucherinnen und Raucher.
So können die starren Altersgrenzen individuell angepasst werden. Wichtig ist die Erkenntnis, dass langjährige Ex-Raucher nicht vom Screening ausgeschlossen werden sollten. Stattdesssen könnte ein späterer Start des Screenings helfen, Krebsfälle frühzeitig zu erkennen bei gleichzeitiger niedriger Strahlenexposition aufgrund des späteren Screeningstarts.
Quelle: idw
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