Am 22. Mai ist Welt-Präeklampsietag, eine schwerwiegende Schwangerschaftsvergiftung, die unter anderem durch Bluthochdruck ausgelöst wird. Sie führt dazu, dass in der Regel eingeleitet werden muss (wenn die Präeklampsie nach der 32. Schwangerschaftswoche eintritt). Doch auch Schwangerschaftsbluthochdruck oder chronischer Bluthochdrück können bereits zu schweren Komplikationen bei Müttern und Kindern führen. Eine aktuelle Review untersuchte daher den Nutzen einer früheren Entbindung ab der 34. Schwangerschaftswoche.
Weniger Komplikationen bei früher Einleitung
Insgesamt sind sechst Studien, die zwischen 2002 und 2022 durchgeführt wurden, in der Review eingeschlossen mit Daten von insgesamt3.491 Frauen. Dabei konzentrierten sich die Forschenden auf drei Szenarien: einer geplanten frühzeitigen Einleitung (wenn medizinisch erforderlich), einem abwartendem Management mit engmaschiger Überwachung und einem Kaiserschnitt. Die Frauen litten entweder an Präeklampsie, Schwangerschaftsbluthochdruck oder chronischem Bluthochdruck und die Zeitpunkte der Geburten reichen von der 34. SSW bis zur 41. SSW.
Es zeigt sich, dass eine geplante frühe Geburt das Risiko für schwere Komplikationen deutlich senken kann. Diese Komplikationen reichen von epileptischen Krampfanfällen über Nierenversagen bis hin zum Tod der Mutter. Bei einer geplanten Geburt erlitten etwa 25 von 1.000 Schwangeren eine dieser Komplikationen, während es ohne geplante Geburt fast doppelt so viele waren (47 von 1.000). Um abzuleiten, wie sich der Zeitpunkt der Geburt auf die einzelnen Komplikationen auswirkt, war der Datensatz jedoch zu gering. Auf die Sterblichkeit der Mutter hat eine geplante frühe Geburt jedoch scheinbar kaum einen Einfluss. Nur in zwei der sechs Studien kam es überhaupt zu Todesfällen, insgesamt vier (drei bei wartendem Management, eine bei einer frühen geplanten Geburt). Weitere Forschung könnte das Ergebnis hier noch ändern.
Mehr Datensätze notwendig
Es zeigt sich jedoch, dass eine frühe Einleitung nicht die Kaiserschnittrate erhöht. Das sei in der Regel die erste Frage, die Schwangere stellen, wenn eine Einleitung im Raum steht, erläutert Erstautorin Dr. Alice Beardmore-Gray, Oberärztin am King’s College London. Sie erläutert weiter: „Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass Mutter und Kind durch weiteres Zuwarten mehr Zeit gewinnen. Tatsächlich aber verzögert man damit oft nur eine unvermeidliche Notgeburt – zu einem Zeitpunkt, an dem es beiden möglicherweise schlechter geht.“
Auch für die Frage, ob die Sterblichkeit der Kinder gesenkt wird, müssen weitere Studien durchgeführt bzw. Datensätze ausgewertet werden. Geht es um die Sterblichkeit in den ersten Tagen weichen die Studien stark voneinander ab, sodass sich auch hier keine zuverlässigen Rückschlüsse ziehen lassen. Was sich jedoch zeigte ist, dass die Wahrscheinlichkeit zur Aufnahme auf die Neugeborenenstation durch eine frühe geplante Einleitung nicht beeinträchtigt wird. Für alle weiteren Fragestellungen fehlen jedoch derzeit die Langzeitdaten.
Das Ergebnis der Studie stützt die Empfehlungen der deutschen S2k-Leitlinie „Hypertensive Erkrankungen in der Schwangerschaft“. Hier wird bereits empfohlen, bei einer vorliegenden Präeklampsie die Schwangerschaft nicht über die 37+0 SSW hinaus fortzuführen und ab der 34+0 Schwangerschaftswoche die Geburtseinleitung je nach Gesundheitslage von Mutter und Kind abzuwägen.
Quelle: idw
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