Sepsis und Influenza bei Kindern

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Update zu neuen Leitlinien und aktuelle Entwicklungen bei Kindern mit schweren Infektionen.

Während einer Pressekonferenz anlässlich des 17. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin (KIT 2026), der vom 17. bis 20. Juni 2026 im Kölner Gürzenich tagt, sprach Professor Dr. Christian Dohna-Schwake, 2. Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Leitender Oberarzt Pädiatrische Intensivmedizin und Infektiologie am Universitätsmedizin Essen, über neue Leitlinien und aktuelle Entwicklungen bei Kindern mit schweren Infektionen.

Sepsis

Aktuelle Daten aus den USA zeigen, dass Sepsis bei Kindern kein seltenes Randphänomen ist. Laut Schätzungen gab es in den USA im Jahr 2022 mehr als 18.000 pädiatrische Sepsisfälle in Krankenhäusern; rund jedes zehnte betroffene Kind starb. Überträgt man diese Größenordnung auf Deutschland, könnte man aktuell hierzulande von circa 4.000 an Sepsis erkrankten Kindern und circa 400 Todesfällen durch Sepsis bei Kindern pro Jahr ausgehen. Dies sind allerdings auch nur Schätzungen!

Besonders gefährdet für Sepsis sind Kinder mit schweren Vorerkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem, etwa nach einer Krebstherapie, bei angeborenen Immundefekten oder nach einer Transplantation. Bei ihnen können Infektionen schneller außer Kontrolle geraten und schwerer verlaufen. Auch gesunde Kinder können an einer Sepsis erkranken. Trotz moderner Intensivmedizin und pädiatrischer Infektiologie bleibt die Sterblichkeit hoch. Insgesamt besteht ein erheblicher Knowledge-Gap bei der Therapie: Neue internationale Therapieempfehlungen geben wichtige Orientierung für die Versorgung von Kindern mit Sepsis und septischem Schock. Sie machen zugleich deutlich, dass es in vielen Bereichen noch zu wenig aussagekräftige Studiendaten gibt, etwa in der Früherkennung, der optimalen Behandlung und der Nachsorge. Diese Evidenzlücken müssen geschlossen werden – durch multizentrische Studien und Forschungsprogramme, die Kinder mit schweren Infektionen systematisch erfassen.

Ferner rücken auch Langzeitfolgen nach überstandener Sepsis in den Fokus. Manche Kinder leiden nach einer Sepsis unter körperlichen Einschränkungen, Entwicklungsverzögerungen, Konzentrationsproblemen, psychischen Belastungen oder einer verminderten Lebensqualität. Diese möglichen Folgen werden unter dem Begriff Post-Sepsis-Syndrom diskutiert und müssen in der Versorgung stärker berücksichtigt werden.

Influenza

Die Influenza kann bei Kindern schwerwiegend verlaufen. Die Grippe wird häufig unterschätzt, weil sie im Alltag oft mit einer harmlosen Erkältung verwechselt wird. Tatsächlich können Influenza-Infektionen bei Kindern zu schweren Lungenentzündungen, neurologischen Komplikationen und intensivmedizinischer Behandlung führen. Daten aus der Saison 2024/25 zeigen, dass auch gesunde Kinder von schweren Verläufen betroffen sein können.

Vor diesem Hintergrund wird eine breitere Grippeimpfung für Kinder diskutiert. In Deutschland wird sie für Kinder bislang dann empfohlen, wenn diese aufgrund einer Grunderkrankung ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben. Die Erfahrungen der vergangenen Saisons werfen jedoch die Frage auf, ob Kinder insgesamt stärker in Präventionsstrategien einbezogen werden sollten.

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