Die DEGRO hat auf interessante neue Erkenntnisse in der Strahlentherapie hingewiesen. Oftmals geht es um Organerhalt und schonende Alternative zu großen Operationen.
Die DEGRO bietet eine Übersicht über wichtige Studien aus den vergangenen Monaten:
- HPV-positive Oropharynxkarzinome: Diese Tumorentität nehme, vor allem in den Industrienationen, seit einigen Jahren stark zu. Neben der Heilung komme es auch auf den Erhalt von Schluck- und Sprechfunktion an. HPV-positive Tumoren reagierten sehr empfindlich auf Strahlentherapie oder Radiochemotherapie. Die ORATOR-Studien zeigen demnach, dass eine Bestrahlung bzw. Radiochemotherapie mindestens so effektiv ist wie eine Operation bei besserem Erhalt der Schluckfunktion [1].
- Lokalisiertes Prostatakarzinom: Die britische PACE-A-Studie sei ein direkter Vergleich von moderner Operation (mit dem DaVinci-Roboter) und hochpräziser stereotaktischer Bestrahlung. Erste Ergebnisse zeigten deutlich bessere Kontinenz und Sexualfunktion nach Strahlentherapie, sogar mit wesentlich größerem Unterschied als erwartet [2].
- Bei Harnblasenkarzinom gebe es zwar keine randomisierten Studien, die radikale Zystektomie mit organerhaltender Radiochemotherapie vergleichen, aber alle Metaanalysen prospektiver Studien hätten identische Überlebensraten gezeigt und etwa 70 bis 80 % der mit Strahlentherapie behandelten Patientinnen und Patienten könnten eine normal funktionierende Harnblase behalten.
- Tief sitzende Enddarmtumoren: Wenn Tumoren im Enddarm (Rektumkarzinome) sehr nah am Schließmuskel liegen, werden sie bisher mit einer präoperativen Radiochemotherapie und anschließenden Entfernung des Enddarms und Anlegen eines dauerhaften künstlichen Darmausgangs behandelt. Neuere Studien hätten aber gezeigt, dass auf die Operation oft verzichtet werden könne, wenn nach der präoperativen Behandlung eine komplette Remission eingetreten sei [3].
- Hochpräzise stereotaktische Bestrahlungen zeigten in prospektiven Studien hohe Effektivität bei Tumoren, die bisher als strahlenresistent galten, z. B. Nierenkarzinome (FASTRACK-II-Studie, 70 Patientinnen und Patienten mit T1-Nierenkarzinomen, stereotaktische Einzeitbestrahlung mit 26 Gy, 100 % lokale Kontrolle über medianes Follow-up von 43 Monaten, keine Grad-4-NW oder therapieassoziierten Todesfälle) oder Lebertumoren (NRG-Oncology/RTOG-1112-Studie, 193 Patientinnen und Patienten mit inoperablen Lebertumoren und Standardtherapie mit Sorafenib, signifikante Verbesserungen von progressionsfreiem Überleben und Gesamtüberleben durch zusätzliche stereotaktische Strahlentherapie) [4, 5].
- Strahlentherapie von Oligometastasen: Bei Patientinnen und Patienten mit einer begrenzten Zahl von Metastasen könne die Strahlentherapie der Metastasen (meistens als Ergänzung zur üblichen medikamentösen Therapie) den Krankheitsverlauf verbessern; für bestimmte Patientengruppen sei dadurch sogar eine Langzeitremission möglich. Dies betreffe vor allem Patientinnen und Patienten mit nicht kleinzelligen Lungentumoren und Prostatakarzinomen. Die Strahlentherapie könne auch dazu beitragen, eine belastendere medikamentöse Therapie zu vermeiden oder hinauszuzögern und die Lebensqualität zu verbessern, z. B. bei Prostatakrebs [6] oder oligometastasierten Kopf-Hals-Tumoren [7], so die DEGRO.
Quelle: DEGRO
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