Unspezifische Symptome können auf Morbus Addison hindeuten

Oft unentdeckt
mb
Morbus Addison: Nebenniere und Cortisol sind abgebildet.
© Dr_Microbe/stock.adobe.com
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Krankheitssymptome wie Erschöpfung, Schwindel, Übelkeit, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust sind unspezifischer Art. Doch sie können mit Morbus Addison verknüpft sein, da die Erkrankung häufig derartige Symptome aufweist und oft nicht entdeckt wird.

Die Autoimmunerkrankung Morbus Addison betrifft 126 Menschen von 1 Million. Dabei bilden die Nebennieren zu wenig lebenswichtige Hormone, was insbesondere in Belastungssituationen gefährlich werden kann. In der Addison-Krise wird der Körper nicht ausreichend mit Cortisol versorgt. Dies führt zu schwerem Blutdruckabfall, Kreislaufversagen und im schlimmsten Fall bzw. unbehandelt zu lebensbedrohlichen Komplikationen. In einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz machten die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf das wenig bekannte Krankheitsbild aufmerksam.

Zu wenig Hormone in den Nebennieren

Die Nebennieren sind kleine Hormondrüsen oberhalb der Nieren. Sie produzieren beispielsweise Hormone, die den Blutdruck regulieren und den Stoffwechsel steuern. Bei Morbus Addison greift das Immunsystem die Nebennierenrinde an und der Körper bildet Antikörper gegen eigenes Gewebe. Deshalb produzieren die Nebennieren zu wenig Hormone. In westlichen Ländern ist diese Autoimmunerkrankung mit 80 bis 90 Prozent der Fälle die häufigste Ursache der primären Nebenniereninsuffizienz, bei der die Nebennieren selbst erkrankt sind. Dem Körper fehlen mehrere wichtige Hormone aus der Klasse der Steroidhormone: Aldosteron, das den Blutdruck mitsteuert, das lebenswichtige Stresshormon Cortisol und das Androgen DHEA.

Klinisches Bild und Diagnostik

Frauen sind häufiger betroffen als Männer; das Verhältnis liegt bei etwa 1,5 zu 1. Die Beschwerden deuten nicht direkt auf die Nebennieren hin. „Typisch sind niedriger Blutdruck mit Schwindel, Salzhunger, ausgeprägte Schwäche, Müdigkeit, Unterzuckerungen und Gewichtsverlust”, sagt Privatdozentin Dr. med. Dr. jur. Birgit Harbeck, Mediensprecherin der DGE. Harbeck weiter: „Hinzu kommen können Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen sowie Muskel- und Gelenkschmerzen. Letztere können zunächst als rheumatische Beschwerden fehlgedeutet werden. In nahezu allen Fällen zeigt sich zudem eine verstärkte Pigmentierung der Haut.” 

Genau diese Vielfalt erschwert die Diagnose, weil die Beschwerden zu vielen anderen Erkrankungen passen. Deshalb sollte bei der Kombination aus Erschöpfung, Gewichtsverlust, niedrigem Blutdruck und wiederkehrenden Magen-Darm-Beschwerden auch an die Nebennieren gedacht werden. Für die Diagnose kann ein früh morgens gemessener Cortisolspiegel wegweisend sein. Wegen des schwankenden Cortisolspiegels sollte im Tagesverlauf ein Stimulationstest folgen, bei dem geprüft wird, ob die Nebennieren ausreichend Cortisol bilden. Wichtig ist die Abgrenzung zur „Nebennierenschwäche“. Diese geht ebenfalls oft mit Erschöpfung einher, die Spiegel der Nebennierenhormone sind dabei in der Regel jedoch normal.

Hormone ersetzen, Krisen vermeiden

Die Behandlung ersetzt die ausgefallenen Hormone. Erkrankte erhalten unter anderem Hydrocortison als Ersatz für das lebenswichtige Stresshormon Cortisol. Entscheidend ist, dass Betroffene ihre Therapie etwa in Belastungssituationen sicher und bedarfsgerecht anpassen können: Bei Stress, Infekten oder anderen Belastungen müssen sie lernen, die Hydrocortison-Dosis um das Zwei- bis Fünffache zu erhöhen, um eine potenziell lebensgefährliche Addison-Krise zu vermeiden. Die Patienten benötigen einen Notfallausweis und eine Notfallmedikation. Auch das Umfeld und die betreuenden Ärzte müssen wissen, was im Ernstfall zu tun ist. Bei Erbrechen muss die Hormonersatztherapie als intravenöse Gabe erfolgen. Seit April 2026 steht ein weiteres Hydrocortisonpräparat mit verzögerter Wirkstofffreisetzung therapeutisch zur Verfügung. Es soll den natürlichen Cortisolrhythmus – mit höheren Spiegeln am Morgen und niedrigeren am Abend – besser nachbilden. Das bisher genutzte, konventionelle Hydrocortison wirkt nur kurz und kann deshalb zu stärkeren Schwankungen im Tagesverlauf führen. Erste Daten zeigen Verbesserungen bei Lebensqualität, Erschöpfung und Immunprofil. Eine neue Leitlinie zur Nebenniereninsuffizienz, die unter Federführung der DGE entstanden ist, soll noch 2026 erscheinen.

Quelle: DDG

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