Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Klinikums Nürnberg und der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität ist es gelungen, den weltweit ersten monoklonalen Antikörper zu entwickeln, der Vasoinhibin (16-kDa-Prolaktin [16K PRL]) spezifisch und sensitiv erkennt. Unter den Patentschutz soll nicht nur der Antikörper selbst sowie seine spezifische Anwendung in standardisierten diagnostischen Testsystemen fallen, sondern auch ein neuartiges ELISA-Kit. Vasoinhibin entsteht durch proteolytische Spaltung des Hypophysenhormons Prolaktin und umfasst dessen N-terminales, 16 Kilodalton großes Fragment. Das Protein besitzt ausgeprägte anti-angiogene Eigenschaften: Es hemmt die Bildung neuer Blutgefäße, reguliert die vaskuläre Permeabilität und moduliert die Endothelfunktion. Eine pathogenetische Rolle von Vasoinhibin wird für mehrere schwerwiegende Erkrankungen angenommen, darunter die Peripartum-Kardiomyopathie, die Präeklampsie sowie Netzhauterkrankungen wie diabetische Retinopathien und Macula-Ödeme.
Vasoinhibin als diagnostischer und prognostischer Biomarker
Die Peripartum-Kardiomyopathie (PPCM) ist eine seltene, jedoch lebensbedrohliche Herzinsuffizienz junger Frauen, die kurz vor oder nach der Geburt eines Kindes auftritt. Erhöhte Vasoinhibin-Spiegel im Blut spielen möglicherweise eine ursächliche Rolle bei der mikrovaskulären Schädigung des Herzens, die der Erkrankung zugrunde liegt. Die Bedeutung von Vasoinhibin als diagnostischer und prognostischer Biomarker wird derzeit in internationalen klinischen Studien evaluiert. Bislang steht kein standardisierter, kommerziell verfügbarer quantitativer Test für Vasoinhibin zur Verfügung. Diese Lücke soll die neue Entwicklung schließen. Der monoklonale Antikörper wurde mittels Hybridom-Technologie erzeugt und vollständig sequenziert. Eine besondere technische Herausforderung sei die spezifische Erkennung von Vasoinhibin in Abgrenzung zu vollständigem Prolaktin gewesen, da Vasoinhibin lediglich ein N-terminales Fragment des Prolaktins darstellt und beide Proteine eine weitgehend identische Aminosäuresequenz besitzen, so die Forscherinnen und Forscher. Die Herstellung und der kommerzielle Vertrieb des Antikörpers für den internationalen Markt (Research Use Only) erfolgt in Kooperation mit der Davids Biotechnologie GmbH, Regensburg.
ELISA-Kit wird entwickelt
Auf der Grundlage des patentierten monoklonalen Antikörpers soll ein vollständiger ELISA-Kit zur quantitativen Bestimmung von Vasoinhibin in humanem Serum entwickelt werden. Der Kit wird neben dem monoklonalen Capture-Antikörper einen spezifischen polyklonalen Detektor-Antikörper sowie Standards auf der Basis von rekombinantem Vasoinhibin umfassen. Das Ziel soll ein standardisiertes, reproduzierbares Messsystem sein, das den Anforderungen klinischer Studien (Research Use Only) sowie langfristig auch der klinischen Diagnostik (Regulatorische Zulassung) gerecht wird.
Referenzlabor geplant
Zusätzlich wollen die Verantwortlichen auch ein internationales Referenzlabors für die Vasoinhibin-Messung einrichten. Ein solches Referenzlabor soll als Qualitätssicherungsinstanz für klinische und wissenschaftliche Laboratorien weltweit fungieren, Referenzmaterialien bereitstellen und zur Etablierung international anerkannter Normalwerte und klinischer Grenzwerte für Vasoinhibin beitragen. Die institutionelle Anbindung und der Betrieb des Referenzlabors sind Gegenstand laufender strategischer Planungen. Der internationale Patentschutz für den monoklonalen Antikörper (Patentanmeldung PCT/EP2024/073698, veröffentlicht unter der Nummer WO2025098661A1) bildet dabei eine wesentliche Grundlage. Er soll die methodische Unabhängigkeit des Labors sichern, definierte Qualitätsstandards gewährleisten und die Voraussetzung für eine nachhaltige internationale Vernetzung schaffen.
„Vasoinhibin ist ein klinisch bedeutsamer Biomarker, dessen diagnostisches Potenzial bei der Peripartum-Kardiomyopathie und anderen Vasoinhibin-assoziierten Erkrankungen bislang unausgeschöpft ist - nicht zuletzt, weil eine standardisierte Messmethode fehlte. Mit dem patentierten Antikörper, dem ELISA-Kit in Entwicklung und dem geplanten Referenzlabor schaffen wir die messtechnische Infrastruktur, die für einen klinischen Einsatz dieses Biomarkers notwendig ist“, betont Prof. Dr. med. Jakob Triebel vom Klinikum Nürnberg.
Quelle: idw/Paracelsus Medizinische Privatuniversität
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